Hallo,
machst du aktuell eine Psychotherapie? Oder hast schon mal eine gemacht? Zu diesem Thema bringt mich heute ein Austausch mit einer Kollegin, die wegen ihres ADHS in Behandlung ist - und es nervt, dass ihre tiefenpsychologisch orientierte Therapeutin in jedem Zu-Spät-Kommen eine versteckte Botschaft sucht.
Auch schon sowas erlebt? Dann schreib mir gern. (Opens in a new window)
Ich selbst habe schon sehr viel Psychotherapie gemacht. Vielleicht zu viel. Wen das genauer interessiert, in meinem Buch beschreibe ich meine Therapiebiografie ausführlich (Opens in a new window). Hier will ich nur einen kurzen, subjektiven Blick auf die Ansätze werfen, mit denen ich Erfahrung gemacht habe.
Verhaltenstherapie: Damit habe ich angefangen, damit fangen fast alle an. Die Therapeutin erarbeitete mit mir, klarer zu benennen, was mich stresst, und öfter mal eine Pause zu machen. Ich füllte Arbeitsblätter aus und las als Hausaufgabe Psychobücher. Danach funktionierte ich noch besser. Doch mein Problem war gar nicht, dass ich unorganisiert und verpeilt bin - sondern dass ich die meiste Zeit tiptop funktioniere, aber alle paar Tage Migräne und alle paar Jahre eine schwere depressive Phase habe.
Tiefenpsychologische Therapie: Bei dieser Therapeutin war ich nur ein paar Monate, die ich durchheulte, während sie mir erklärte, dass ich keine Depressionen hätte, solange ich meine Gefühle noch ausdrücken kann. Ich ging irgendwann in die Klinik. Danach suchte ich mir jemand neuen.
Analytische Therapie: Hier blieb ich dann hängen, viele Jahre lang. Zwischendurch hat es mir viel gebracht. Ich habe gelernt, manche meiner Überzeugungen in Frage zu stellen, bei manchen meiner Gefühle zu bemerken: Das gehört gar nicht in die Gegenwart, das ist was Altes. Mit den Jahren fand ich es aber zunehmend anstrengend, in allem die Kindheit am Werk zu sehen. In einer meiner letzten Stunden habe ich meine Therapeutin, als sie mal wieder bedeutungsschwanger fragte, was hinter meinem Problem stecken könnte, angemotzt: “Sagen Sie es mir doch, ist meine Mama oder mein Papa schuld?”
Zwei Anekdoten sind mir besonders in Erinnerung geblieben: Als ich heiratete, behielt ich meinen Nachnamen. Weder für mich noch für meinen Mann ein Thema. Trotzdem musste ich eine Sitzung ertragen, in der es um die angeblich noch nicht ausreichend erfolgte Trennung von meinem Vater ging. Und als ich mir wegen unerträglicher Menstruationsbeschwerden und abgeschlossener Familienplanung die Gebärmutter entfernen ließ, sagte meine Therapeutin dazu: “Ich hätte Ihnen gewünscht, dass Sie sich mit Ihrer Weiblichkeit aussöhnen können.”
Auf die Frage, welches die beste Therapierichtung ist, habe ich keine Antwort. Ich glaube, es hängt stark davon ab, welches Problem man hat. Studien ergeben immer wieder (Opens in a new window), dass der ausschlaggebende Faktor für den Erfolg nicht die angewendeten Methoden, sondern die Beziehung zwischen TherapeutIn und PatientIn ist. Mich erinnert diese Erkenntnis dann immer an einen bekannten deuschen Psychiater, der im Interview zu mir sagte: “Manche Leute bräuchten keinen Therapeuten, sondern einen Freund.” Die Schweizer Psychotherapeutin Esther Pauchard antwortete darauf (Opens in a new window): „Um einen Freund zu finden, muss man selbst ein Freund sein, und das ist anstrengend.”
Wenn ich zusammenfassen müsste, was mir die vielen Jahre Therapie wirklich gebracht haben, ist es diese Erkenntnis: Auf die Beziehungen kommt es an. Falls du also wie ich manchmal einen Schubs dafür brauchst, hier ist er: Melde dich bei einer Freundin. Jetzt. Das hilft zwar auch nicht gegen Migräne und Depressionen. Aber liebe Menschen machen das Leben zwischen den schmerzhaften Phasen so viel schöner.
Was hast du in deiner Therapie gelernt? Schreib mir, wenn du Lust hast. (Opens in a new window)
Ich habe noch mehr Gedanken zu Psychotherapie, unter anderem frage ich mich seit einer Weile, ob ihr nicht mittlerweile viel zu viel zugetraut wird. Darüber schreibe ich bald. Jetzt wünsche ich dir erstmal ein schönes Wochenende.
Deine Barbara
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Leider immer noch so viel berufliches Zeug, dass die Romane auf meinem Nachttisch Staub ansetzen. Nicht einmal aktuelle Leseempfehlungen aus dem Internet habe ich - deswegen etwas, das letzte Woche keinen Platz hatte:
Migrationshintergrund - was soll das eigentlich sein? Eine kluge, gut recherchierte und persönliche Auseinandersetzung mit einem Begriff von Marvin Ku (Opens in a new window) im SZ-Magazin
Wenn es aussieht, wie Kriegsvorbereitungen, sind es womöglich Kriegsvorbereitungen. Die Gedanken, die sich Jonas Schaible auf Substack (Opens in a new window) macht, sind meistens lesenswert. Folgt ihm!

Sieht für meine Verhältnisse ganz gut aus.

Das schaffe ich dieses Jahr noch (also das Stickbild). Wenn es fertig ist, verlose ich es unter meinen UnterstützerInnen. Du willst in die Lostrommel? Dann:
Über Chindogu. Erfindungen, die nicht besonders nützlich sind, allerdings auch nicht völlig nutzlos. Wie ein Butterstift. Oder kleine Bürstchen an den Schuhspitzen, um damit Krümel aufzukehren. Der Klassiker, natürlich: ein Strampelanzug, mit dem das Baby auch in den Ecken feudeln kann. Gesehen bei @the.pinklemonade. (Opens in a new window)
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