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Hass ohne Moderation: Trittbrettfahrer des rechtsextremen Geschäftsmodells

Die Politikwissenschaftlerin & Autorin Natascha Strobl hat vor kurzem in einem viel beachteten Beitrag über Kommentarspalten als dehumanisierendste Orte des Internets geschrieben. Und über Menschen, die zwar gerne die Reichweite von Social Media für ihre kommerziellen Zwecke nutzen, aber keine Verantwortung für Hass auf ihren Seiten übernehmen möchten. Bei uns kann man ihn jetzt im Volltext nachlesen. Und das sollte man.

Wenn Leute ein bisschen weiter als bis zu eigenen Nasenspitze denken würden, dann ist es vielleicht sehr logisch, warum man auf Plattformen für den Kommentarbereich der eigenen Seite verantwortlich ist. Viele wütende und sich gegenseitig anstachelnde Kommentare pushen schließlich die eigene Seite.

Nichts Besseres für die eigene Reichweite, als wenn pausenlos Leute Kommentare schreiben, diskutieren und interagieren. Wie schafft man das am besten? Richtig, mit vielen wütenden Menschen, die sich so richtig rein steigern. Ich mein was glaubt ihr wie die extreme Rechte so stark auf Facebook geworden ist?

Das sind überhaupt keine Neuigkeiten, wir wissen das seit 15 Jahren wie das funktioniert. Die Kommentarspalten sind kein Unfall, sondern notwendiger und integraler Teil der Maschinerie. Auch weil man treuherzig im Beitrag was andeuten und die Kommentare den Rest besorgen lassen kann. Funktioniert.

https://steady.page/de/bohrnundmena/posts/7c6ffbbf-40d4-4b1a-9d0d-af9ad8112b63 (Opens in a new window)

Die doppelte Perfidie

Oh Wahnsinn schaut euch an was diese verrückten Feministinnen wieder machen“, und ihr könnt euch vorstellen, wie die Kommentare ausschauen. Leute wie Gerald Grosz haben genau das zu ihrem Ding gemacht. Ganz direkt mit konkreten Leuten mit Namen. Sie können dann immer grinsend den Schritt zurück machen, schließlich haben sie nichts Unrechtes getan und was kann man für irgendwelche Wut-Omas, die es in den Kommentaren völlig den Vogel raushaut?

Es ist doppelt perfide: Der Hansi-Opa postet sich um Kopf und Kragen und bekommt rechtlich Stress und der Seitenbetreiber hat unendlich Reichweite. Tja, das alles ändert sich, wenn der Seitenbetreiber doch für die Kommentare verantwortlich ist. Wie unangenehm, das macht ganze Hass-Geschäftsmodelle zu Nichte. Da müsste man Kommentare händische freischalten oder in einem bestimmten Zeitraum moderieren. Dann kann sich aber auch keine Stimmung aufbauen.

Das wurmt vor allem Leute, die mit Facebook-Stimmungen ihre eigene Person und ihr Geschäftsmodell mit minimal Aufwand pushen und etwa ihre Bücher, Touren etc. kommerziell pushen wollen. Kommerzieller Ertrag ja, aber 0 Aufwand. Es ist klar, dass es hier ums Geld geht.

https://bsky.app/profile/nataschastrobl.bsky.social/post/3mn63md7k7k2j (Opens in a new window)

Verantwortung wird auf Opfer ausgelagert

Sich keine Gedanken über Community-Managment und Moderation für eine kommerzielle Facebook-Seite machen heißt eigentlich, dass man gerne Trittbrettfahrer des rechtsextremen Geschäftsmodell ist. Ist schon cool, wenn es in den Kommentaren richtig abgeht, verantwortlich ist man aber nicht.

Treuherzig wird die Verantwortung auf die Opfer ausgelagert: wenn du was siehst, was uncool ist, dann sag, dann lösche ist. Es ist nicht Aufgabe der Opfer, die kommerzielle FB-Seite von Leuten freundlich zu monitoren und dann Bescheid zu geben. Wäre ja noch schöner unbezahlte Arbeit zuzuschießen.

Wer viel Geld mit seiner Social Media Präsenz verdient und kommerziell auf Facebook Produkte anbietet, der hat eine Verantwortung für diesen Bereich. Man kann Leute dafür bezahlen, es gibt Programme, die da hilfreich sind (auch die kosten, tja). Das Mindeste ist, dass man aber auf seine Seite zum Beispiel Folgendes vermerkt: „Diese Seite wird zwischen x Uhr und y Uhr moderiert und innerhalb von 24 Stunden werden rechtlich relevante Kommentare gelöscht (und eventuell strafrechtlich zur Anzeige gebracht).

Man kann auf Facebook auch einstellen, dass zum Beispiel in der Nacht keine Kommentare möglich sind, man kann auch Kommentare erst freischalten. All das drückt aber so unangenehm die Reichweite, kostet Geld und Zeit. Ich verstehe, dass man das nicht will, wenn man so gut mitgesurft ist bei dem, was die extreme Rechte viel besser kann. Ich hab nur wenig Mitleid. Kommentarspalten sind der dehumanisierendste Ort des Internets. Dort werden Menschen zum Mob zugerichtet. Dort geifert der Hansi Opa, dass man der mal so richtig… und die Wut-Omi spuckt Gift und Galle über Frauen, deren Namen sie vor 12 Sekunden zum ersten Mal gelesen hat.

Würde man das unterbinden, die Welt wäre besser. Das ist der Grund warum ich keine Facebook-Seite betreibe und auf Instagram nur sehr wenig unterwegs bin: Ich habe die Ressourcen nicht. Ich bin erstaunt, dass sich andere, weit vermögendere, Menschen diese Gedanken schlicht nicht machen - anything goes, lol. Ok. Danke für nichts.

https://steady.page/de/bohrnundmena/posts/b62f459d-e725-4292-a3a3-a69284e1ec24 (Opens in a new window)

Ein akzeptables Opfer

Weinen hier wirklich Leute mit 5-Stelligen Gehältern rum, dass sie ihre Facebook-Seiten moderieren müssen? Welches Jahr haben wir? 2012? Kommt mir nicht mit dem armen Hansi-Opa und Mietzi-Tant. Was glaubt ihr wer sind die Online-Mobs? Böse ideologisierte Monster? Nein, es sind „ganz liebe“ Leute, die fröhlich mittun, weils lustig ist, weil sie wütend gemacht werden, weil sie 0 Konsequenzen vermuten. Billig.

Wisst ihr wer Konsequenzen hat und damit sehr allein ist? Das Opfer. Das die schlimmsten Sachen über sich lesen muss von den ganz normalen lieben Leuten. Und wenig Möglichkeiten hat zu Recht zu kommen. Wisst ihr wie das ist? PTSD, Depression, viel Zeit, viel Geld, Hölle. Aber am Ende war niemand dabei und den und die soll man bitte nicht belangen, denn das ist ein ganz ein lieber und die hat es so nicht gemeint und überhaupt schauen die gar nicht bös aus. Und all die Krokodilstränen. Das einzig akzeptable Opfer ist das, das sich nicht wehrt.

Danke für nichts. Ich könnte mir aber gut eine Lösung vorstellen in der sich Leute, die Kommentare, die in einem bestimmten Zeitraum nicht gelöscht wurden, liken am Seitenbetreiber schadlos halten können, da er die Verantwortung übernimmt in dem sie stehen bleiben und zu seiner Reichweite beitragen.

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Topic Gastkommentare

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