(Opens in a new window)Die spanische Stadt Pontevedra ist seit 19 (!) Jahren autofrei. Die Straßen sind voll mit Menschen - nicht mit Autos und Parkplätzen am Rand. Die Luftverschmutzung ging seit 2013 um 61 Prozent zurück. Die Kohlendioxid-Emissionen im Zentrum sind um 70 Prozent zurückgegangen. Seit 2009 gab es keine Verkehrstoten. 70 Prozent der Fortbewegung in Pontevedra ist: Zu Fuß!
Ein Video des World Economic Forum dazu gibt es hier bei Facebook (Opens in a new window).
Die Fußgängerzone umfasst 300.000 m². Die Stadt gilt als barrierefrei. Pontevedra liegt im äußersten Nordwesten Spaniens, im Schutz der nach der Stadt benannten Meeresbucht Ría de Pontevedra am Atlantik. Sie ist die Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz Pontevedra.
Seit der Entscheidung für die Autofreiheit 1999 sind 12.000 Menschen nach Pontevedra gezogen. Derzeit leben über 80.000 Menschen in der Stadt. Quasi ohne Autos und mit niedriger Luftverschmutzung gilt die spanische Stadt als besonders lebenswert. Ist die spanische Stadt auch Autofrei-Vorbild für die deutsche Stadt Heidelberg (Opens in a new window)?
Ganz autofrei ist allerdings auch Pontevedra nicht: Es gibt noch Lieferverkehr, es gibt den ÖPNV und auch vereinzelt Antwohner-Fahrzeuge, die die Berechtigung haben, sich im Stadtzentrum aufzuhalten. Aber die Zahl ist sehr überschaubar.
Weitere Eindrücke zur malerischen Stadt gibt es hier (Opens in a new window).
Im Umfeld haben unterirdische Parkhäuser die Parkplätze ersetzt. Viele dieser Parkhäuser sind gratis. Menschen, die in der Stadt arbeiten, kommen mit kostenlosen Pendelbussen von den günstigen Parkhäusern in die Stadt. Früher war der wichtigste Grund für Verkehr: Autofahrer, die nach Parkplätzen suchten. Mit 50.000 Autos auf 70.000 Einwohner herrschte Dauerstau.
Der Bürgermeister, der Arzt Miguel Anxo Fernández Lores vom grün-linken Nationalistischen Galicischen Block (BNG) betont, dass Autos keine größeren Rechte für "Raum" haben als irgendjemand sonst. Der Bürgermeister ist vier Mal wiedergewählt worden seit der Entscheidung. Kritiker sagen: Verkehr im Umland der Stadt hat sich verstärkt.
https://youtu.be/SLnFS4W8gNk?si=BvzVZaEDSmpw2tya (Opens in a new window)Pontevedra ist zum Modell für eine fundamentale Änderung der Verkehrs- und Mobilitätspolitik geworden. Delegationen aus aller Welt reisen deshalb in die Stadt. Die Priorität der Fortbewegungsmittel ist ganz klimafreundlich ausgerichtet:
1. Fußgänger
2. Radfahrer
3. Motorisierte Fahrzeuge, Tempo 30.
Bürgermeister Lores nennt sich selbst: Fußgänger Nr. 1.
Neben der "Verfußgängerung" machte Lores auch die "Begrünung des Stadtgebiets" zur Priorität. Auf Parzellen, auf denen früher zu saftigen Gebühren Pendler parken konnten, sind kleine Sport- und Spielplätze entstanden, umgeben von Büschen und Bäumen. Das gesamte Stadtbild hat sich geändert: Jeder freie Flecken wurde bepflanzt.
Schülerinnen und Schüler gehen zu Fuß zur Schule - der Bürgermeister nennt das einen Beitrag gegen "Helikoptereltern". Kinder würden dort früher selbstständig, heißt es.
Als Lores 1999 überraschend gewählt wurde, gewann er gegen die konservative Partei, die stark mit der Auto-Lobby verbandelt war.
An den Parkplätzen stehen Hinweistafeln mit einem Schema, aufgemacht wie die Streckenpläne der Untergrundbahnen in den großen Metropolen. Doch es sind Pläne für Fußgänger. Sie sehen dort die Entfernungen in Metern und in Minuten zu den wichtigsten Punkten in der Innenstadt.
Interessant: Zuerst protestierten Ladenbesitzer gegen die Einrichtung der Fußgängerzone. Doch das legte sich schnell, als entgegen aller Befürchtungen ihre Umsätze stiegen. Die Altstadt wurde zur Bummelzone und lädt mit Straßencafés zum Verweilen ein. Früher hatte die nervige Parkplatzsuche und der Dauerstau die Menschen vom Verweilen abgehalten und schließlich aus der Altstadt ferngehalten.
Übrigens: Pontevedra galt auch - ganz ähnlich wie Santander im Norden Spaniens - als verregnete Region. Zuletzt berichtete ich darüber, dass die Menschen aus Madrid fliehen, weil die Stadt von den Temperaturen her zur Wüste verkommt - sie entscheiden sich für Städte im Norden, weil dort das Klima angenehm ist.
Hier zeigen sich die positiven und die negativen Seiten der globalen Erderwärmung unmittelbar.
Und? Paradiesische Zustände oder Belastung für Handel und Freiheit?
Quelle u.a.: