free maja
Etwas verspätet und dann auch noch mit Fieber in der letzten Korrekturschleife kommt mein Februar Newsletter.
Gedanken, Empfehlungen zum Jahresstart:
Das Jahr 2026 scheint mir das Jahr des Copings zu werden. Zwischen neuen und alten Kriegen, Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt und einer Rhetorik der sogenannten Konservativen beziehungsweise rechten Politik, die zurück zu einem menschenfeindlichen Verständnis von Leistung und Arbeit möchte. Der Trump-Politik, die vor wirklich gar nichts mehr zurückzuschrecken scheint. Und sehr konkret spürbaren Auswirkungen von radikalen Kürzungen im Kulturellen und Sozialen.
Coping, also Bewältigungsstrategien, lassen sich zum Beispiel in dem Social-Media-Trend anfang Januar zum Erinnern an das angeblich unbeschwerte 2016 wiederfinden. Übrigens das Jahr in dem Rassismus als taking point wieder salonfähig gemacht wurde durch ein framing der Übergriffe Silvester 15/16. Coping ist Teil der Erklärung, warum Taylor Swift sich so erfolgreich vermarkten kann. Copen lässt sich im Februar großartig mit den Olympischen Spielen in Mailand.
Den Januar startete ich mit dem Nachgucken der Vorträge des 3C39. Die Vorträge und die Forschungen, die präsentiert wurden, gingen vom Reverse Engineering von Waschmaschinen und Vorträgen zu antifaschistischer Praxis (geht raus, trefft euch mit Nachbarn, lokal handeln, global denken) bis hin zu dem Einsatz von Drohnen in Kriegen, Kriege als Forschungsfeld für KI und KI als Layer, um Tötungsstrategien zu verharmlosen. Ein Vortrag, den ich hervorheben möchte, war der Vortrag über Palantir, deren Vorgehen, warum es gefährlich ist, dass Palantir immer weiter normalisiert wird, wie es eingesetzt wird und was man im Umgang mit solchen Unternehmen von der Schweiz lernen könnte, die nach einem Gutachten des Schweizer Militärs Palantir eine Absage erteilten: https://media.ccc.de/v/39c3-blackbox-palantir (Opens in a new window)
Der Vortrag mit der größten medialen Wahrnehmung war der Hack der Nazi-Dating-Plattform WhiteDate, die Enttarnung der Person, die dahinterstand, und die Abschaltung der Plattform durch die Power-Range-Hackerin Martha Root. https://media.ccc.de/v/39c3-the-heartbreak-machine-nazis-in-the-echo-chamber#t=2684 (Opens in a new window)
Eine vielleicht marginale antifaschistische Aktion, aber sie gibt Hoffnung und macht Lust, aktiv zu werden. Auch aktiv gegen die Angst, die Überforderung und die Uninformiertheit. Denn von dem Gefühl der Überforderung lebt die rechte und faschistische Politik. Wie Katika Künreich in ihrem Talk klar macht. https://media.ccc.de/v/39c3-all-sorted-by-machines-of-loving-grace-ai-cybernetics-and-fascism-and-how-to-intervene#t=2075 (Opens in a new window)
„we care for people in need – and we are the chaos!“
Ein Gedanke, der mich nicht loslässt, kommt aber von der Präsentation von Forschungsergebnissen bezüglich Online-Glücksspiel und Glücksspiel-Elementen in Videospielen.
https://media.ccc.de/v/39c3-neuroexploitation-by-design-wie-algorithmen-in-glucksspielprodukten-sich-wirkweisen-des-reinforcement-learning-und-dopaminergen-belohnungssystems-zunu (Opens in a new window)Dabei kam ich nicht drumherum zu denken, dass die Open-Call-Struktur im Kunst- und Theaterbereich durchaus Elemente von Glücksspielen hat. Die Chancen sind eventuell etwas höher „zu gewinnen“, und es wird von den Institutionen selten Geld mit den Open Calls verdient, wobei es auch immer wieder vorkommt, dass man eine Bearbeitungsgebühr bezahlen muss. Man reicht etwas ein, das ist ähnlich wie den Gewinn setzen. Diese Einreichung geht dann an eine Kommission, die nach Kriterien auswählt, die nicht nachvollziehbar sind. Selbst bei Ausschreibungen, bei denen angegeben ist, was die Kriterien sind, ist nicht ersichtlich, warum man vorgezogen wird oder die Absage bekommt bei gleicher Eignung. Anschließend kommt eine Absage, in der meistens steht, dass es dieses Jahr besonders viele Einreichungen waren, es aber nur sehr wenige Plätze gibt, dass man es sich nicht leicht getan hätte mit der Auswahl und dass man die Qualität der Arbeit sehr gut findet, man sich aber jetzt für eine noch passendere Arbeit entschieden habe. Man sich aber freuen würde, wenn man es das nächste Mal wieder probieren würde. Glücksspiel zeichnet sich dadurch aus, dass man die Mechanismen des Spiels nicht beeinflussen kann, man aber gleichzeitig im Glauben gelassen wird, dass man es doch kann. Siehe hierzu Slot Machines, bei denen so getan wird, als würde der Zeitpunkt, zu dem man den Stop-Knopf drückt, Auswirkungen auf die Gewinnchancen haben (hat es nicht, macht nur abhängig). Fast hat man es geschafft, und der Gewinn scheint so groß, dass man es immer und immer wieder probiert. Und das Glück und die Strahlkraft derjenigen, die den Open Call gewonnen haben, werden durch die Social-Media-Posts präsentiert und verstärkt. Natürlich ist es ein weiter Stretch von Online-Glücksspiel zu Open-Call-Strukturen der freien Kunst- und Theaterszene. Trotzdem. Das Ungleichgewicht zwischen Entscheider*innen und Künstler*innen, die Abhängigkeit, in die man sich begibt, um Kunst zu schaffen, die unter Bedingungen stattfinden muss, die von den Institutionen vorgegeben werden, marginalisiert die Position der Künstler*innen weiter und zwingt sie in eine Konkurrenz, bei der eher die Fähigkeit gefördert wird, die richtigen Worte für die richtigen Menschen im richtigen Moment zu nutzen, als eigenständige künstlerische Vorstellungen umzusetzen.
Mit den apokalyptischen tänzerin*nen finden wir dieses Jahr heraus ob im Lachen mehr als eine Coping Strategie versteckt ist. Damit starten wir mit dem Podium zu den Politiken des Lachens am 10.2.2026 im Renitenz Theater in Stuttgart um 19 Uhr.
Am 16.06.2026 werden wir dann mit einer Produktion im Renitenz Theater das Lachen und gemeinsam Politisch sein in den Fokus nehmen. Als Gegenangebot zu der Fußball WM der Männer beim Autokraten Trump.
Termine für die Zukunft:
Ich freue mich im Herbst mit zwei Arbeiten im Württembergischen Kunstverein vertreten sein zu dürfen.
Zum einen werden wir mit die apokalyptischen tänzerin*nen WILDE ÖKOLOGIE am 12./13.12 wiederaufnehmen und die anarchistischen Meisen gemeinsam mit AMG wieder fliegen lassen.
Zum anderen arbeite ich gerade an einer Installation „keine heimat, ein zuhause“ für den WKV die im Herbst im Rahmen des 200 Jahre WKV ausgestellt werden wird und sich mit der Zukunft von Kunstinstitutionen beschäftigt.
Jobs suche.
Nach wie vor suche ich nach einem oder zwei Jobs/Aufträgen für März und April. Als Regie oder Dramaturgie, aber auch gerne als Regie- oder Dramaturgieassistenz. Solltet ihr gerade einen festen Job haben, aber keine freien Stellen/Aufträge, unterstützt mich gerne mit einem Abo bei Steady und empfehlt mich weiter <3
https://steady.page/de/dran-bleiben/about (Opens in a new window)„we care for people in need – and we are the chaos!“
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