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Hungry / Staffel 1 (2024)

Die 17-jährige Ronnie verweigert jegliches Essen und wird deswegen von ihrer Mutter gegen ihren Willen in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen. Obwohl sie sich zunächst gegen die Therapie wehrt, lernt sie dort viele andere Jugendliche mit unterschiedlichen psychischen Erkrankungen kennen, die ihr neue Hoffnung und eine Gemeinschaft geben.

Hungry ist eine sechsteilige Miniserie von Eline Gehring (Regie) und Zoe Magdalena (Drehbuch), 2024 produziert von ZDFneo. Das Multitalent Zoe Magdalena, die Autorin, Drehbuchautorin, Schauspielerin und Poetry-Slammerin ist, übernimmt auch die Hauptrolle der magersüchtigen Ronnie. Ungeschönt und realistisch zeigt die Serie wie Jugendliche heute sind und wie sie unter den Umständen der Zeit leiden. Unsere ganze Kultur scheint prädestiniert dafür zu sein, Kinder und Jugendliche psychisch krank zu machen; dafür sorgen Familie und Gesellschaft mit multiplen Misshandlungen. Von Influencern manipuliert, von unmöglichen Schönheitsidealen unter Druck gesetzt und mehrfach diskriminiert (Ronnie ist schwarz), haben die jungen Menschen in Hungry mit Essstörungen, Zwängen (z.B. ein Schminkzwang), bipolarer Störung und Depressionen zu kämpfen.

Ich bin kein Fan von Trigger-Warnungen vor Filmen und Serien, aber hier machen sie thematisch Sinn. Jede Folge beginnt mit einem Statement der jungen Ronnie, genial gespielt von Waris Leonhardt, die direkt zu den Zuschauern spricht. Sie beschwert sich über Erwachsene und zieht über psychisch Kranke her. Dabei flucht sie nicht nur wie ein Droschkenkutscher, sondern klärt über die Inhalte der Serie auf. Unterhaltsamer war eine Trigger-Warnung nie! Die Kritik lobte die Serie zu recht und bezeichnete sie als weder didaktisierend noch pseudojugendlich, sondern authentisch und intelligent. Ihr großer Wert liegt vor allem aber auch darin, dass sie die Behandlung von psychischen Erkrankungen nicht als linearen Heilsweg darstellt, sondern ganz realistisch als ein tägliches Ringen mit Höhen und Tiefen. Die Serie hat mich großartig unterhalten, ich habe gelacht, wenn zum Beispiel ein bipolarer Patient an Halloween als "Bipolarbär" geht, und geweint, wenn ich sehen musste, wie die jungen Menschen unter ihren Krankheiten litten. Das ist eine rührend inszenierte und vor allem sehr relevante Serie. Also wird sie vom ZDF in den Spartensendern versteckt, wo sie niemals einer breiten Öffentlichkeit zu Gesicht kommt. Die erste Staffel hat ein schönes, aber offenes Ende, d.h. vielleicht wird es eine zweite Staffel geben. Das hoffe ich sehr.

https://www.imdb.com/de/title/tt34966910/ (Opens in a new window)
Topic Serie