Benny, ein dümmlicher Schönling, dem selbst bei Fahrtwind die Frisur nicht flöten geht, ist ein durchgeknallter Typ, der den Ärger anzieht, wie Scheiße die Fliegen. Und er ist Mitglied im Motorrad-Club der Chicago Vandals. Als Kathy ihn kennenlernt, verliebt sie sich sofort und heiratet ihn, wie das Mitte der 60er-Jahre üblich war. Doch ihre Beziehung wird im Laufe der Jahre zunehmend auf die Probe gestellt, denn die Vandals wachsen Chapter um Chapter und werden immer krimineller und gefährlicher. Benny muss sich entscheiden, zu wem er hält, zum Vandals-Führer Johnny oder seiner Frau Kathy.
2023 bescherte uns Jeff Nichols diesen Einblick in den primitiveren Teil der US-amerikanischen Gegenkultur der 1960er-Jahre. Als unzähmbare Rebellen und Anarchisten stilisiert, ging es den Rockern zumeist nur ums Saufen, Kloppen und Motorradfahren. Mental blieben sie konservativ und in ihren Rollenbildern normativ. The Bikeriders zeigt das ganz gut. Wo die Hippie-Gegenkultur neue gesellschaftliche und spirituelle Konzepte ersann oder wiederentdeckte, verharrte die Rockerkultur in Sippenmentalität, Arbeiterstolz, Hierarchie und kapitalistischer Bereicherung, genauso wie die Dominanzkultur, gegen die sie rebellierte.
Mit Austin Butler als Benny, Tom Hardy als Johnny und Jodie Comer als Kathy, die mir noch gut aus Killing Eve (2018) in Erinnerung geblieben ist, ist der Film prominent besetzt. Über die Standardzutaten eines typischen Rockerfilms geht The Bikeriders aber nicht hinaus. Wir sehen viel Klopperei, Sauferei und anderen Proletenkram, das muss man mögen. Mir waren zwei Stunden davon einfach zu lange.
https://www.imdb.com/de/title/tt21454134/ (Opens in a new window)