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Glossar

Redaktion free.fem.minds MAGAZIN

G wie Gaslighting

In der Psychologie wird mit Gaslighting eine Form subtiler psychischer Gewalt bezeichnet, die eine Person gezielt desorientiert, manipuliert, die Wahrnehmung und Realitätsempfinden zerstört. Am Ende bleibt ein völliger Verlust des Vertrauens in die eigene Urteilsfähigkeit und in den eigenen Selbstwert.

Anne Dittmann beschreibt Gaslighting in ihrem Buch „Solo, selbst und ständig. Was Alleinerziehende wirklich brauchen.“ (Kösel. 2023) so: „Wer einen andere Person gaslightet, manipuliert sie mit Vorwürfen, verdrehten Tatsachen, Lügen – bis sie das Gefühl hat, dass ihre eigene Wahrnehmung falsch ist oder sogar denkt, verrückt zu sein.“ Betroffene psychischer Gewalt berichten von Situationen, in denen ihnen sprichwörtlich alle Beweise für Drohungen, Gewalt, Fremdgehen oder Diebstahl vorliegen und der Täter es dennoch schafft, diese Realität so lange in Frage zu stellen und die Verantwortlichkeiten zu verschieben, bis die Betroffene sich und ihrer Wahrnehmung misstraut. Vielleicht ist es ja doch anders, vielleicht habe ich es provoziert. Vielleicht sagt er ja doch die Wahrheit. Er hat es geschafft, dass sie ihrem eigenen Urteil und selbst den klaren Beweisen nicht mehr vertraut. Was folgt: Er gibt ihr die Schuld. Sie sei zu misstrauisch, feindselig, einschränkend.

Ja, sie sei überhaupt erst Schuld an der Situation. Das ist Gaslighting. Gaslighting ist nicht nur Lügen. Es ist Verheimlichen, Lügen und dann den anderen glauben machen, dass er selbst das Problem ist. Leugnen, den anderen seiner Realität berauben und ihn dann zum eigentlichen Verursacher des Problems zu erklären. Nicht der Betrug ist das Problem, sondern dass sie so misstrauisch ist. Er schlägt nur zu, weil sie nicht aufhört zu provozieren.

Gaslighting-Rhetorik Nr. 1: Du bildest dir das alles nur ein.

Gaslighting hat so viele Gesichter, dass die Opfer nie genau wissen, ob sie nun ihren Beweisen vertrauen sollten oder nicht doch verrückt sind, wenn der andere alles so vehement weiterhin abstreitet. Gaslighting funktioniert deshalb so gut, weil Täter sehr oft selbst glauben (wollen), was sie sagen. Sie sind nicht nur überzeugend. Sie sind gefährlich überzeugt. Langfristig raubt Gaslighting schleichend sprichwörtlich den Verstand. Und wer sich dann fragt, was nun an den vorliegenden Beweisen „schwer“ genug wiegt, den Missbrauch zu beweisen, ist – ohne es zu merken – dem Täter längst schon wieder ins Netz gegangen. Die normale Reaktion auf Gaslighting ist sich immer wieder erklären, immer wieder darlegen, warum man es doch richtig sehen muss, was der andere da tut. Für Täter ist das der Move, mit dem sie ihre Opfer genau da haben, wo sie sein sollen: im Erklärmodus. Denn jedes Gespräch, jede Nachfrage, jede Schilderung lässt dem Gaslighter mehr Raum, die Tatsachen zu verdrehen und sich selbst als Opfer darzustellen. Außenstehende können oft nicht nachvollziehen, wie tiefgreifend Gaslighting Opfer schädigt und welche langfristigen Folgen die Manipulation für das Nervensystem hat. Gaslighting ist Gewalt.

Gaslighting wird in Großbritannien als Teil der Coercive Control und damit als schwerer psychischer Missbrauch eingestuft. Dort sind Polizei und Behörden bereits heute in der Lage, Frauen, die davon berichten, ernst zunehmen. In Deutschland steht zwar psychische Gewalt unter Strafe, doch Opfer können diese Art von Missbrauch häufig nur schwer oder gar nicht beweisen, einfach, weil Gaslighting so wenig greifbar ist und schlicht „verrückt“ klingt.

Das sind die wichtigsten Anzeichen für Gaslighting:

Ein gutes Indiz für Gaslighting ist die eigene emotionale Erschöpfung nach Gesprächen mit dem Gaslighter. Dieser will nicht zur Klärung beitragen und so fühlen sich Opfer nach den Gesprächen verwirrt, ausgelaugt und vertrauen ihrem Bauchgefühl nicht, obwohl das lautstark ruft, dass hier etwas nicht stimmt.

Es folgen Sätze wie:

„Das bildest du dir nur ein.“

„Du bist immer so emotional.“

„XY sagt auch, dass du dich ganz schön anstellst.“ (Hier ist auch gleich noch Triangulation über Dritte im Spiel. Auch ein Tool, das Gaslighter gerne nutzen.)

Wer sich mit narzisstisch agierenden Personen auskennt weiß, Narzissten lieben Gaslighting. Meist folgt auf den Vorwurf sogenannter „Wortsalat“. Es wird so wortreich auf ein Abstellgleis geführt, dass man sich selbst wundert, wie einem das Gespräch so entgleiten konnte. Gaslighter streiten dabei nicht nur ab, sondern verdrehen die Welt. Und die Tatsachen. So sehr, dass Betroffene wirklich anfangen an sich und am Erlebten zu zweifeln. Wenn der Manipulator dann klassische Täter-Opfer-Umkehr-Strategien einfließen lässt, dann finden sich Opfer oft in der Lage wieder, wirklich zu glauben, sie seien (selbst) schuld.

Das hilft dich zu schützen:

Gaslighting ist Gewalt. Sobald du erkennst, dass hier jemand psychisch Gewalt ausübt, musst du da (möglichst schnell) weg. Distanziere dich von Menschen, die Gaslighting anwenden, hole dir Hilfe und sprich mit Dritten darüber. Du bist unsicher? Dann mach dir Notizen. Schreib alles auf. Beweise, Gedanken, Zeitpunkte, vermeintliche Zufälle. Bleib in Gesprächen bei den Fakten und diskutiere nicht.

Der Gaslighter wird versuchen, die Sachebene zu verlassen und dich als Person (Freundin, Frau, Mutter etc.) anzugreifen. Statt um seine Lügen oder Taten soll es um dich und deinen Charakter gehen. Nimm das wahr und schütze dich vor dem Kontakt.

Topic Gewalt gegen Frauen

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