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Jugend findet draußen statt – und in der Kelter

In so einen Bollerwagen passt ganz schön viel rein.
In so einen Bollerwagen passt ganz schön viel rein. Foto: Jürgen Brand

Tischtennis-Aktionstage am Freitag und Samstag in der Kelter in Stuttgart-Wangen im Rahmen des Pilotprojekts 4x4 für Jugendliche in den oberen Neckarvororten.

Von Jürgen Brand

An diesem Freitag und Samstag verwandelt sich die Wangener Kelter – zumindest ein Teil davon – in einen Tischtennis-Hotspot. An fünf Platten kann gespielt werden, es gibt eine Chill-Ecke, Essen und Getränke, eine Fotowand, sogar Trainingseinheiten mit einem Tischtennis-Trainer der Sportkultur Stuttgart (SKS) werden angeboten. Am Freitag geht es um 17 Uhr mit ein bisschen Training los, um 19 Uhr beginnt ein Turnier, um 20 Uhr die Tischtennis-Party, um 22 Uhr ist Schluss. Am Samstag wird von 11 bis 16 Uhr gespielt, gerne auch generationenübergreifend, versteht sich. Um 13 Uhr wird ein Training für Kinder angeboten, um 15 Uhr geht es wieder bei einem kleinen Turnier zur Sache. Wer sich eine Platte für eine bestimmte Zeit reservieren will, kann eine Mail an vierxvier@stjg.de (Opens in a new window) schicken oder sich direkt in der Kelter an den beiden Aktionstagen in eine Liste eintragen. Der Eintritt ist frei. Organisiert wird die Aktion von der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft (stjg) mit den Jugendhäusern der oberen Neckarvororte, also dem Café Ratz, der Villa Jo und dem Kinder- und Jugendhaus B10 im Rahmen des Projekts 4x4.

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Wenn Selina Müller und Jakob Schölkopf mit ihrem Bollerwagen losziehen, haben sie immer eine ganze Menge eingeladen. Einen Tisch, etliche Klappstühle, Bälle und noch einiges mehr. Was sie halt so brauchen, wenn sie irgendwo in einem der oberen vier Neckarvororte zu einem der Plätze gehen, wo sich Jugendliche gerne mal treffen. Das kann in Wangen am Marktplatz sein oder auch mal oben am Generationenzentrum Kornhasen, in Untertürkheim am Neckarufer oder am Karl-Benz-Platz, in Obertürkheim und Hedelfingen an anderen Orten. Das ist eines der wesentlichen Elemente des Pilotprojekts 4x4: Nicht darauf warten, dass die Jugendlichen in die Jugendhäuser kommen, sondern dorthin gehen, wo sie sich treffen.

Studie mit Wien, Helsinki, Mailand, Krems

Das Projekt ist das Ergebnis von ganz unterschiedlichen Ereignissen und Studien. Da spielt die Stuttgarter „Krawallnacht” eine Rolle, in der Regionalen Trägerkonferenz wurde Bedarf aus den Stadtbezirken angemeldet, die Studie „Youth in Urban Space” (YUS) über die veränderte Nutzung öffentlicher Räume durch Jugendliche war auch wichtig. In der Studie arbeitete die Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft mit ähnlichen Einrichtungen und Organisationen in Wien, Helsinki und Mailand unter wissenschaftlicher Leitung der Donau-Universität Krems zusammen.

Selina Müller und Jakob Schölkopf kommt mit ihrem Bollerwagen dorthin, wo sich Jugendliche treffen. Foto: Jürgen Brand
Selina Müller und Jakob Schölkopf kommt mit ihrem Bollerwagen dorthin, wo sich Jugendliche treffen. Foto: Jürgen Brand

4x4 steht dabei für ganz unterschiedliche Dinge: die vier Stadtbezirke Untertürkheim, Obertürkheim, Hedelfingen und Wangen; die vier Jugendhäuser Café Ratz, Villa Jo, den Jugendtreff Hedelfingen und B10; für vier mal Schulsozialarbeit in der Linden-Realschule, dem Wirtemberg-Gymnasium, der Auschule und der Wilhelmsschule, aktuell also der Steinenbergschule; und für vier Jahre Projektlaufzeit von 2024 bis 2028. Vier Ziele haben sich die Projektbeteiligten gesetzt: Sie wollen sogenannte „Gelegenheitsräume” für junge Menschen schaffen, unter anderem eben auch durch die Bollerwagen-Ausstattung. Sie wollen Jugendliche strukturiert unterstützen, sie – beispielsweise auch in Sportvereine – begleiten und ihnen Beteiligungsmöglichkeiten eröffnen.

Jugend findet draußen statt

Ein klarer Schwerpunkt liegt auf den „Gelegenheitsräumen”, von denen es in der Stadt bekanntlich viel zu wenige für Jugendliche gibt. „Jugend findet draußen statt”, steht groß im Projekt-Konzept. An „Orten der Erwünschtheit” wird dann auch mal ein Zelt aufgestellt, etwa am Wangener Marktplatz oder am Barbarossa-Spielplatz in Untertürkheim. Es werden kommerzfreie Orte zum Aufhalten geschaffen wie bei der Skate and Chill-Aktion in Untertürkheim. Oder es gibt Kooperationen wie bei „Nachtaktiv” in Obertürkheim.

„Wir fragen: Was hättet ihr gerne? Wir wollen aber auch wissen: Was seid ihr bereit, dafür zu tun?”

Bis Ende vergangenen Jahres hat das 4x4-Team schon bei rund 150 Stadtteilbegehungen viele Orte in den Stadtbezirken erkundet, etwa 130 Treffpunkte von Jugendlichen besucht und vier größere Aktionen organisiert. Oliver Bechen, der Leiter des Wangener B10-Jugendhauses, sieht die Rolle des Projektteams dabei nicht nur als Anwälte für die Jugendlichen, sondern auch als Vermittler. „Wir fragen: Was hättet ihr gerne?”, sagt der Sozialpädagoge. „Wir wollen aber auch wissen: Was seid ihr bereit, dafür zu tun?” Gleichzeitig sucht das Projektteam das Gespräch mit den Anwohnerinnen und Anwohnern an den Jugendtreffs, um mögliche Konfliktsituationen frühzeitig zu besprechen.

In der Wangener Kelter können alle mitspielen

Die YUS-Studie hatte ergeben, dass drei Viertel der befragten Jugendlichen ihre Freizeit im öffentlichen Raum verbringen. Jugend findet also draußen statt – aber draußen sind die Jugendlichen gerade in einer Großstadt wie Stuttgart nicht überall erwünscht. In dem Projekt sollen „Lebenswelten im öffentlichen Raum entdeckt, erschlossen und gestaltet werden”, unter aktiver Beteiligung der Jugendlichen selbst und pädagogisch unterstützt durch die Stuttgarter Jugendhaus gGmbH. Die Tischtennis-Aktionstage in der Wangener Kelter am Freitag und Samstag sind ein weiterer Schritt in diese Richtung, vor allem auch, um den generationsübergreifenden Austausch zu fördern.

Informationen über das Projekt 4x4 und die Tischtennisaktion sind auf Instagram unter vierxvier.stjg zu finden.

Geschichten-Karte

In die Karte zoomen und auf die blauen Buttons klicken, dann werden die Links zu den jeweiligen Geschichten angezeigt.

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Topic Stuttgart

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