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#58 Geistesgegenwart, Mut und Nachsicht

Gofigramm

Ein verschneiter Waldweg. Weiter vorn gabelt er sich. Auf dem Weg nach links ist am Bildrand gerade noch ein Kind in einem Schneeanzug mit einem Schlitten zu sehen.

Gestern Abend habe ich einen Spaziergang durch den verschneiten Wald vor unserer Haustür gemacht. Etwas weiter vorn auf dem Weg sah ich einen Mann und ein Kind, das Schlitten fuhr. Als ich den Mann erreichte, lächelte er mich an und sagte: Sie haben ja gar keinen Schlitten dabei. Ich musste lachen: Genau dasselbe habe ich auch gerade gedacht.

Das stimmte wirklich. Als wir vor knapp zwanzig Jahren hierherzogen, freute ich mich darauf, die steilen Waldwege mit dem Schlitten hinunterzufahren. Dazu ist es nie gekommen. Denn wie Du weißt, sind die Winter in den vergangenen Jahren meistens eher mild ausgefallen. Solch eine klirrende Kälte wie zuletzt hat es selten gegeben.

Gestern also hätte ich die Gelegenheit nutzen können, meinen alten Traum zu erfüllen. Ich habe es nicht getan. Ich glaube sogar, dass wir keinen Schlitten mehr haben. Wir haben ihn einfach nie gebraucht. Nicht schlimm. Ich habe eben einen Winterspaziergang gemacht, die eiskalte Luft genossen und den Wald, der durch den Schnee jetzt ganz anders und irgendwie aufregend aussah.

Später am Abend habe ich mich mit Freund*innen zum openSPACE online getroffen. Das ist ein Videocall, der einmal im Monat stattfindet und bei dem wir über das Leben und den Glauben sprechen. Die Teilnehmer*innen wohnen an unterschiedlichen Orten in Deutschland. Gestern sprachen wir über das Thema ‚Chancengleichheit‘: Wem werden welche Chancen im Leben zugestanden und wem nicht? Wie kommt es dazu oder warum nicht? Wir haben uns mit Aussagen konfrontiert und darüber nachgedacht, ob sie auf uns zutreffen:

* Geldsorgen spielen in meinem Leben bisher eher keine Rolle. 
* Mir war früh klar, welche Möglichkeiten der Bildung es gibt.
* Fehler oder Umwege in meinem Lebenslauf hatten keine negativen Folgen.
* Existenzängste kenne ich eher nicht.
* Ich habe Menschen in meinem Leben, die mir Möglichkeiten eröffnen können.
* Ich musste selten erklären, woher ich komme.
* Ich habe gelernt, meine Interessen selbstbewusst zu vertreten.
* Meine Lebensrealität gilt meist als „normal“.

Ein Spaziergang im Schnee zu Beginn eines neuen Jahres, das fühlt sich ein bisschen wie ein Neuanfang an. Wie ein weißes Blatt Papier. Als würde der erste Monat neue Möglichkeiten für das Jahr eröffnen. Aber die Startvoraussetzungen sind bei uns allen sehr unterschiedlich. Nicht alle haben die gleichen Chancen. Und trotzdem werden sich für uns alle in den nächsten Monaten unerwartete Gelegenheiten ergeben, bei denen es darauf ankommen wird, ob wir geistesgegenwärtig und mutig genug sind, sie zu nutzen.

Das wünsche ich Dir für das kommende Jahr: Geistesgegenwart, Mut. Und auch Nachsicht mit Dir selbst. Denn was für Dich möglich sein wird und was nicht, das wird auch von Umständen abhängen, die Du nicht oder nur wenig beeinflussen kannst.

Lass uns das Beste draus machen. Und freundlich zu uns sein, wenn es nicht hinhaut. Denn wenn auch das Schlittenfahren nie Wirklichkeit werden sollte, dann freue Dich doch wenigstens am Spaziergang und der schönen Aussicht.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

Danke für Dein Interesse! Ich bin Gofi, Künstler, lebe in Marburg und engagiere mich für den Erhalt von Kunst, Kreativität, Gemeinschaft und einer menschenfreundlichen Spiritualität. Das GOFIZINE veröffentliche ich bewusst kostenlos für alle, weil ich möchte, dass jede/r Zugang zu guten Inhalten hat, unabhängig von Einkommen und finanziellen Möglichkeiten. Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen möchtest, bin ich Dir sehr dankbar.

Podcast

Geschichten aus der Zichte: TIMTOM GUERILLA

Das Cover von 'Geschichten aus der Zichte'. Ich schaue sehr sinnig durch meine Brille in die Kamera, um mich herum ist die Schrift verteilt, wobei das Wort 'Zichte' wie ein traditionelles Kneipenschild gestaltet ist. Vielleicht erinnerst Du Dich daran, dass die Zichte die Kneipe aus meinen Huchting-Geschichten ist. (Opens in a new window)

In diesem Podcast veröffentliche ich meine Romane als Hörbücher.

Du kannst ihn hören, wenn Du mich mit einem monatlichen Betrag bei Steady unterstützt. Dabei spielt es keine Rolle, wie groß der Beitrag ist. (Zum Podcast gelangst Du, wenn Du auf das Bild klickst oder auch auf Spotify (Opens in a new window).)

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Podcast

openSPACE: Fremd hier, fremd dort - Warum Dazugehören mehr ist als Herkunft

In dieser Folge sprechen wir darüber, was es bedeutet, sich fremd zu fühlen – hier wie dort – und warum Dazugehören weit mehr ist als Herkunft. Was prägt unser Gefühl von Heimat und welche Rolle spielen dabei Biografie, Identität und persönliche Erfahrungen? In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns im Talk von Gofi und im anschließenden Austausch und gehen der Frage auf den Grund, wie Zugehörigkeit entsteht, verloren geht oder neu gefunden werden kann. Ein interessanter Gedanke dabei ist, ob wir wirklich fremd sind oder nur fremdgemacht werden. Wann fühlst Du Dich wirklich zugehörig – und was braucht es für Dich, um anzukommen?

https://youtu.be/kt_LxARsDCI?si=yV9wbrVbXmPwPnME (Opens in a new window)

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