Servus, ihr Helden der absurden Geschichte!
Hier ist eure Tonya. Heute machen wir endlich Nägel mit Köpfen für unser großes Treffen im Mai – ich brauche eure Mithilfe, damit wir bei unserer kleinen Expedition nicht vor verschlossenen Türen stehen. Außerdem feiert eine brandneue Rubrik Premiere, in der ich regelmäßig auf die bizarrsten Schlagzeilen der Gegenwart zeige. Wir starten direkt mit einem kulinarischen Abenteuer der besonders haarigen Art.
In der aktuellen Podcast-Folge wird es derweil ziemlich glänzend, auch wenn wir lernen, dass man nicht jedem himmlischen Versprechen blind vertrauen sollte. Und im Quickie reisen wir auf die britischen Inseln zu einem „Verbrechen“, das eine ganze Nation in den Wahnsinn getrieben hat. Viel Spaß beim Lesen, Hören und Planen!

Steady-Freuden
Vielen Dank an:
Johannes, Jasmin, Korbinian, Patrick, Britta, Enrico, Milena, Lara, Simon, Jos, Dario, Nathalie, Katja, Isabella, Tina, Jeanine, Mike, Tim, Anne, Roland, HG, Amira, Kay, Andrea, Eva, Franz, Hartmut, Stephan, Andreas, Michaela, Hendrik, Cookie, Jochen, Sarah, Falk, Prokrastinator, Susanne, Katrin, Bjoern, Yvonne, Noah, Stephan, Samantha, Kai, Amelie, Marthe, Barbara, Sven, Olivier, Felix, Janine, Timo, Tobias, Hanne, Julius, Michael und Edith.
Danke euch allen – ohne euch wäre das hier nur halb so dumm und gar nicht so heldenhaft.
Ein wenig Hausmeisterei
Heute dreht sich weiterhin alles um das Heldendumm-Treffen mit Episodenschauplatzbegehung und anschließendem Café-Aufenthalt.
Das Datum steht schon mal fest: Wir sehen euch am 24. Mai 2026 in Wesel. Die genaue Adresse steht zwar intern schon fest, jedoch müssen wir der Location noch im Vorfeld mitteilen, wie viele Menschen kommen. Und da kommt ihr ins Spiel!
Wir möchten euch bitten - wenn ihr fest plant zu erscheinen - euch einmal unter dem folgenden Link anzumelden:
Sobald wir eine erste Einschätzung der Teilnehmeranzahl haben, werden wir die restlichen Schritte mit der Location abklären und euch die exakte Adresse und den Zeitplan des Tages mitteilen. Im besten Fall wissen wir schon zum kommenden Newsletter mehr.
Und bis dahin – es gibt was neues im Newsletter!
Wilde Zeiten
Heute starten wir mit einer neuen Kategorie: “Wilde Zeiten”. Warum? Naja, wir leben in einer schrägen Welt und da ständig Kuriositäten passieren, die zumindest eine Erwähnung finden sollten, mache ich hier genau das. Ich zeige mit meinem knochigen Finger auf Dinge, die ihr sehen solltet. Und wir beginnen mit der folgenden Meldung:
In Shelburne, Vermont, hat ein Waschbär den St. Patrick’s Day wohl etwas zu wörtlich als „Cheat Day“ interpretiert und sich ein Erdnussbutterglas als stylischen, aber leider unzerstörbaren Helm übergezogen. Dass er mit dem Ding auf dem Kopf direkt mal knapp acht Meter hoch auf einen Baum flüchtete, machte die Rettung durch die örtliche Feuerwehr erst so richtig heroisch – Leiter raus, Glas ab, Würde weg. Falls wir tatsächlich Hörer in Vermont haben: Bitte, Leute, schraubt eure Deckel fest oder spült die Gläser aus! Es ist schon peinlich genug, wenn man mit dem Kopf im Snack feststeckt, da muss man nicht auch noch die gesamte Brandwache mit Leitern und Schlingen aufmarschieren lassen, während man oben im Geäst seine bisherigen Lebensentscheidungen überdenkt.

Quelle: Shelburne Fire Department via Instagram (Opens in a new window)
Reingehört?
Nicht alles was glänzt, ist Gold. Spätestens nach der letzten Episode sollte das allen klar sein. Die Engel lassen euch aber mitteilen:
Hört jetzt rein in »Die gelben Engel« (Opens in a new window)!
(Opens in a new window)Heldendumm Quickie: Der Mann der England kastrierte
Es gibt Berge. Und dann gibt es das, was die Briten auf ihrer Insel so haben. Wenn wir ehrlich sind, ist die Topografie des Vereinigten Königreichs eher eine Ansammlung von leicht missglückten Maulwurfshügeln, die sich wichtigmachen wollen. Der stolze Höhepunkt dieses geologischen Elends ist der Scafell Pike im Lake District. Er ist der höchste Berg Englands. Atemberaubende 978 Meter ragt er in den grau verhangenen Himmel. 978 Meter! In den Alpen gilt das als ein etwas steilerer Parkplatz. In Nepal würde man sich nicht einmal die Mühe machen, das Ding in eine Karte einzuzeichnen.
Es ist, wenn man sich diese Hügellandschaft so ansieht, wirklich kein Wunder, dass England nur Eddie the Eagle hervorgebracht hat. Wenn das deine Trainingsgrundlage ist, dann ist Skispringen eigentlich nur kontrolliertes Hinfallen von einem etwas höheren Maulwurfshügel. Es fehlt schlicht die Fallhöhe für echte Helden.
Doch für die Engländer ist der Scafell Pike ein Nationalheiligtum. Es ist ihr Everest. Ein Ort, an dem man sich in Funktionskleidung schmeißt, um stolz auf einem Haufen Steine zu stehen und sich zu fühlen wie Reinhold Messner nach einer Kiste Earl Grey. Und genau hier beginnt unsere Geschichte um ein Verbrechen, das eine ganze Nation in Schockstarre versetzte.
Zeitsprung ins Jahr 2015. Wir befinden uns in einer Galerie in London. Die Crème de la Crème der Kunstwelt nippt an lauwarmem Sekt und starrt andächtig auf einen Sockel. Darauf: Ein Stein. Ein verdammt kleiner Stein. Vielleicht zwei Zentimeter groß. Das Ding sieht aus wie der Kiesel, den man sich aus dem Schuh pult, nachdem man einmal über einen Schotterweg gelaufen ist. Aber dieser Kiesel hat eine Geschichte. Er trägt den dramatischen Titel „The Intruder“ – der Eindringling. Und er ist dascorpus delicti eines Skandals, der die englische Seele bis ins Mark erschütterte.
Auftritt: Oscar Santillan. Ein ecuadorianischer Künstler, der sich vorgenommen hatte, die Arroganz der alten Kolonialmächte auf eine sehr... nun ja, spezifische Art herauszufordern. Oscar war kein Bergsteiger, er war Konzeptkünstler. Aber er hatte eine Vision. Er wollte sich mit der überwältigenden Natur des britischen Weltreichs messen. Also reiste er zum Lake District, stapfte auf den Scafell Pike und tat das Undenkbare.
Oscar Santillan behauptete, er habe die aller-, aller-, allerhöchste Spitze dieses Berges gestohlen. Er habe sich einen Hammer und einen Meißel geschnappt und – zack – dem höchsten Punkt Englands die Krone geraubt. Zwei Zentimeter Gestein. Die absolute Spitze. Ein Diebstahl von nationaler Bedeutung! Es war, in Oscars Augen, ein symbolischer Akt. Ein Akt, der zeigen sollte, wie verletzlich und konstruiert unsere Vorstellung von Grenzen, Eigentum und Nationalstolz eigentlich ist. Er hatte dem alten Imperium sprichwörtlich das Dach geklaut.

Als Oscar seine Tat verkündete und die Kunstwelt feierte, brach die Hölle los. Und wenn ich sage Hölle, meine ich den geballten, teegetränkten Zorn des britischen National Trusts, des Tourismusverbands des Lake Districts und tausender wütender Wanderer. Es war ein Shitstorm, gegen den die aktuelle Wetterlage auf dem Mount Everest ein laues Lüftchen ist. Die Schlagzeilen schrien: „Ausländischer Künstler kastriert Englands höchsten Berg!“ Sie forderten seine Verhaftung. Es gab Morddrohungen. Die Leute wollten ihn lynchen.
Oscar saß in London und sah zu, wie seine Karriere gleichzeitig explodierte und implodierte. Die Briten verstanden keinen Spaß, wenn es um ihre Hügel ging. Für sie war er kein Künstler, sondern ein Vandale, ein Schänder, ein Dieb, der den heiligen Gral des britischen Bergsport-Tourismus geschändet hatte. Die Debatte wurde absurd. Experten wurden befragt, ob der Berg nun kleiner sei (ja, um zwei Zentimeter). Juristen zerbrachen sich den Kopf, ob man jemanden wegen Diebstahls von Staatsgebiet anklagen kann. Die Polizei ermittelte tatsächlich.
Und während die Nation tobte und nach Oscars Kopf (oder zumindest nach seiner Abschiebung) verlangte, tat unser Held etwas, das die ganze Sache von einer Tragödie in eine Komödie verwandelte. Ein Wunder, das zeigt, dass die größten Heldendummheiten oft die besten Geschichten schreiben.
Er hatte den Stein nämlich die ganze Zeit über im Museum gehabt.
Der Kiesel, der da auf dem Sockel lag, war die angebliche Bergspitze. Oscar hatte den Diebstahl begangen und den Kiesel ausgestellt.
Ob die Engländer jemals ihre Spitze zurückerhielten ist nicht bekannt. Üblicherweise gehen Objekte wie diese, in den Besitz von privaten Sammlern oder Gallerien. Vielleicht taucht er ja irgendwann in einer Auktion auf und dann darf sich einer von euch über ganz England stellen.
Was bleibt uns von dieser Geschichte? Erstens: Man nimmt niemals einem Engländer seinen Berg weg, egal wie klein er ist. Zweitens: Wenn man Kunst machen will, die Schlagzeilen macht, behauptet man einfach, man hättest ein Stück Land gestohlen. Und drittens: Oscar Santillan hat uns gezeigt, dass der wahre Gipfel der Dummheit nicht der Diebstahl war, sondern die Panik derer, die glaubten, dass ein fehlender Zentimeter Fels den Untergang des Abendlandes bedeutet.
Und das war’s schon für diese Ausgabe!
Bleibt heldenhaft,
Tonya Bone-ita Riesenhuber
P.S.: Was ist der Lieblingsfilm eines Skeletts?
Bone Identity 🥸🩻
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