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Das Schwein ist niemals nur ein Schwein

Werft eure Perlen nicht vor die Säue! (Evangelium nach Matthäus 7,6).

🎨 Das Thema dieser Woche ist unangenehm, denn es geht um die Verachtung einiger Menschen gegenüber anderen, die durch ein Tier symbolisiert wird: das Schwein. Vielleicht regt es zum Nachdenken an, über historische Situationen zu sprechen, die vielen der aktuellen Situationen ähneln.

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Liebe Kunstfreundin, lieber Kunstfreund,

unter den Tieren, die den Menschen seit jeher begleiten, ist das Schwein vielleicht das polemischste, da es mit Vorstellungen von Unreinheit, Erniedrigung und dem Verlust der Menschlichkeit verbunden ist.

In der jüdischen Tradition gilt es symbolisch als „unreines” Tier. Als unrein gelten diejenigen, die nicht gut in die vorgeschriebenen Klassifizierungen passen. Das Schwein wird ausgeschlossen und sein Verzehr ist verboten. Damit wird es zu einem Identitätsmerkmal.

Sowohl das mittelalterliche Christentum als auch der Nationalsozialismus nutzten das Schwein als Waffe, um Juden zu demütigen und ihnen ihre Würde zu nehmen. Doch auch unter Christen waren Schweine ein Zeichen für spirituelle Ausgrenzung. In der Mythologie steht das Schwein für den Verlust der Menschlichkeit.

Diese Woche betrachten wir einige Bilder, nicht um das Tier zu analysieren, sondern um zu sehen, wie es das Ausgeschlossensein symbolisiert: vom Gesetz, vom Glauben oder von der Menschheit ausgeschlossen. Leider hat die Kunst aktiv dazu beigetragen, diese Verachtung historisch aufzubauen.

Das Schwein als antisemitische Propaganda

Judensau. Kapitell in der Kirche St. Marien in Wittenberg.

Die Verbindung von Juden und Schweinen in der christlichen Kultur entstand nicht aus Unwissenheit, sondern war Teil einer Strategie der Demütigung, um das Judentum abzuwerten.

Im deutschsprachigen Raum tauchte die „Judensau” im 13. Jahrhundert in Reliefs und Manuskripten auf. Die Figuren waren an ihren spitzen, obligatorischen „Judenhüten” klar zu erkennen und wurden dargestellt, wie sie Milch von dem Tier tranken, seinen After untersuchten oder ihren Kopf unter dessen Bauch steckten. Damit wurde eine direkte Verrohung der Juden in einem Spottbild erreicht.

Dieses Kapitell ist noch heute an der Fassade der Kirche St. Marien in Wittenberg zu sehen. Dies vermittelt einen Eindruck davon, wie sehr diese Darstellungen in der Volksvorstellung normalisiert waren. Ihre Funktion war pädagogisch, jedoch im schlimmsten Sinne: Sie lehrten, andere als unwürdig anzuerkennen.

Der Nationalsozialismus belebte diese Symbolik wieder, und bis heute ist das Wort „Judensau” eine der schwerwiegendsten antisemitischen Beleidigungen.

In Spanien gab es zwar kein ähnliches Bild, aber die zum Christentum konvertierten Juden wurden als „Marranos” bezeichnet. Der Begriff, der auch „Schwein” bedeutet, implizierte eine Ausgrenzung: Man warf ihnen Unwürdigkeit vor und zweifelte an ihrer Aufrichtigkeit.

Zu bedenken ist, dass es viele Konversionen gab, da sie obligatorisch waren. Im Jahr 1492 gipfelte die Verfolgung schließlich in der Vertreibung von fast 200.000 nicht konvertierten Juden aus dem Land, angeordnet von den Katholischen Königen.

Topic Kunst und Objekte/Tieren

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