Liebe Freundinnen und Freunde,
diesen ZDF-Dokumentarfilm von Johannes Hano solltet Ihr nicht verpassen! Heute Abend (13.5.2025) um 20.15 Uhr im Zweiten Programm oder später in der ZDF-Mediathek: „Putins Helfer. Trump, Musk und der Kreml“.
Jonathan Buma erzählt darin, dass er als für die Spionageabwehr zuständiger Special Agent des FBI beobachtet habe, wie sich russische Agenten an Tech-Milliardäre wie Elon Musk oder Paypal-Gründer Peter Thiel heranmachten und systematisch deren Firmen infiltrierten. Die Vorwürfe des ehemaligen FBI-Mannes wiegen schwer: "Ich denke, das repräsentiert das größte Versagen in der Geschichte der amerikanischen Spionageabwehr."
Das alles würde die US-Regierung offenbar lieber geheim halten. Kurz vor dem Interview mit dem ZDF wurde Buma festgenommen. (Opens in a new window) Er musste seinen Pass abgeben und kam gegen eine Kaution von 100.000 Dollar vorübergehend wieder frei. Ihm wird vorgeworfen, dass er Journalisten geheime Informationen über Spionageabwehroperationen des FBI übergeben wolle.
https://www.zdf.de/video/dokus/zdfzeit-106/putins-helfer-100 (Opens in a new window)In den wenigen Monaten seit Donald Trumps Amtsantritt wurden hochqualifizierte, erfahrene FBI-Agenten, die auf die Abwehr russischer Spionage spezialisiert waren, aus dem Dienst gedrängt oder gezielt angegriffen. FBI-Spionageabwehraktionen, die sich mit Russland beschäftigen, werden runtergefahren. Im März 2025 wurde James Dennehy, der Chef der Spionageabwehr des New Yorker FBI-Büros, gefeuert. Aufgrund seiner Ermittlungen wurden wenige Monate zuvor fünf russische Agenten angeklagt.
“Make Russia great again”
Alle Cyberoperationen gegen Russland wurden ausgesetzt und der dafür zuständige NSA-Chef General Timothy D. Haugh im April gefeuert. All das nützt Putin. Genauso wie die Abschaffung von USAID. Denn die die Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe diente dazu, den Einfluss der USA im globalen Süden mittels Softpower (Opens in a new window) zu vergrößern und Fluchtursachen zu verringern. Die faktische Abschaffung der Agentur hinterlässt eine Lücke, die Russland und China hilft, ihren Einfluss zum Beispiel in Afrika zu vergrößern. Die Ukraine wurde von Trump verraten, statt auf die Seite der Angegriffenen stellt er sich auf die Seite des Angreifers. Sogar die NATO-Mitgliedschaft der USA wird von Trump und Musk in Frage gestellt. Das wahre Motto von Trump, Musk und Vance scheint “Make Russia great again” zu sein.
Die ZDF-Doku geht der Frage nach, warum die Trump-Regierung das alles für Putin macht. Der konservative Journalist und frühere Redenschreiber von George W. Bush, David Frum, glaubt nicht, dass Trump erpresst wird. „Man kann jemanden nicht erpressen, der kein Schamgefühl hat.“ Es sei wohl eher eine Mischung aus Korruption, Ideologie und Eitelkeit, glaubt Frum. Oder wurde Trump sogar in den 1980er-Jahren als KGB-Agent rekrutiert, wie es der ehemalige KGB-Offizier Yuri Shvets in der Doku behauptet?
Schon im Februar hatte Alnur Mussayev, ein anderer hochrangiger ehemaliger KGB-Offizier, auf Facebook erklärt, der KGB habe Donald Trump 1987 als Agenten angeworben. Er behauptet, der sowjetische Geheimdienst habe Trump den Codenamen “Krasnov” gegeben. Ein Gerücht, das schon länger kursiert.
Überlappende Interessen von Tech-Bros, Trump und Putin
„Es ist offensichtlich, dass es eine Übereinstimmung der Interessen gibt zwischen den Tech-Bros, Trump und seinem Gefolge und dem Kreml. Und sie stimmen in einer Weise überein, die Europa gegenüber äußerst feindlich ist. Europa wird im Grunde als Beute betrachtet, es muss alles ertragen was sie ihm zufügen“, sagt der Rechtsanwalt Scott Horton.
Es gäbe eine Überlappung der Interessen, meint auch Frum. Trump wolle diejenigen bestrafen, die ihn verärgert haben und das Gefühl der Machtausübung genießen. Putin wolle die NATO zerschlagen, um die relative Macht Russlands zu stärken. Musks Interesse liege vor allem darin, die Regulierungsmacht der Europäischen Union zu brechen. „Wenn es gelänge, die EU zu lähmen, zu verkleinern oder aufzulösen, so dass jedes Mitgliedsland dem Beispiel der USA folgen muss, wo die Technologieunternehmen die Regeln machen, die sie wollen, dann ist es das was Musk will."
Trump, Musk und Putin arbeiten also Hand in Hand, um das zu zerstören, was Ihre Macht begrenzt: Den demokratischen Rechtsstaat, Gewaltenteilung (checks & balances) und die Europäische Union. Das hatte Robert Habeck bereits vor fünf Monaten in seiner Neujahrsansprache ganz ähnlich formuliert:
„Wenn Elon Musk, ausgestattet nicht nur Milliarden und Abermilliarden, sondern auch mit ungebändigter Kommunikationsmacht, zur Wahl der AfD in Deutschland aufruft, ist das nicht aus Unkenntnis der AfD. Es hat Logik und System. Musk stärkt die, die Europa schwächen. Ein schwaches Europa ist im Interesse von jenen, für die Regulierung eine ‚unangemessene‘ Begrenzung ihrer Macht ist. Aber es braucht die Begrenzung der Macht.“
https://youtu.be/TstYjL1K27Y (Opens in a new window)Europa darf nicht naiv sein. Wer glaubt, man könne mit Trump Deals machen und müsse nur dessen Eitelkeit schmeicheln, der verkennt die wahren Interessen seines Regimes: Trump, Musk, Thiel und Putin geht es um die Zerstörung der liberalen Demokratien. So ist der eigentliche Erfinder von Musks DOGE ein antidemokratischer und rassistischer Blogger namens Curtis Guy Jarvin, auch bekannt unter dem Pseudonym Mencius Muldbug. Seine antidemokratischen Ideen sollen großen Einfluss auf Peter Thiel haben, auch mit US-Vizepräsident J.D. Vance soll er befreundet sein.
Europa muss Trump und Putin deshalb mit Stärke und Geschlossenheit entgegentreten. Der gemeinsame Besuch von Starmer, Macron, Tusk und Merz in Kiew war dafür ein guter Anfang.
Die rechtswidrigen Zurückweisungen von Schutzsuchenden an den deutschen Grenzen dagegen sind nicht hilfreich. Bereits in der ersten Woche nach der Kanzlerwahl haben Kanzler Merz und Innenminister Dobrindt damit sämtliche Nachbarländer gegen Deutschland aufgebracht. Der Chef der Schweizer Sozialdemokraten warf der Bundesregierung sogar ein „trumpeskes“ Vorgehen vor; leider hat er damit nicht Unrecht. Die Grenzkontrollen und illegalen Zurückweisungen gefährden nicht nur den Zusammenhalt Europas, sie sind auch nutzlose Symbolpolitik. Denn Schlepper und Kriminelle haben schnell ausgekundschaftet, wo kontrolliert wird und wo nicht. Darunter zu leiden haben aber vor allem Berufspendler:innen und Tourist:innen.
Herzliche Grüße,
Euer Yves Venedey
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