Inzwischen bin ich seit gut 13 Jahren Journalist. Damit meine ich, dass ich in der Zeit seit Ende Februar 2010 meinen Lebensunterhalt ununterbrochen zu einem erheblichen Teil bis vollständig mit Journalismus verdiene.
Ich liebe diesen Beruf.
Einer der Gründe für diese Liebe ist ein recht egoistischer: Journalistisch zu arbeiten hat mich persönlich reifen lassen. Denn guter Journalismus – und vor allem guter politischer Journalismus – verlangt den Menschen, die an ihm arbeiten, immer wieder ab, das eigene Urteil über die Welt zu hinterfragen.
Das ist eine Zumutung, vor allem am Anfang des Berufslebens. Politiker X, den man vielleicht in der eigenen vorjournalistischen Zeit immer für einen ausgemachten Haubentaucher gehalten hat, erlebt man im Hintergrundgespräch als reflektierten Menschen, der mit seinen Entscheidungen mehr ringt, als man sich das je hätte vorstellen können. Und wenn man das Wahlprogramm von Partei Z, die man daheim am Küchentisch so oft als Deppenverein beschimpft hat, systematisch studiert, entdeckt man Argumente und Einwände, die so hirnverbrannt doch nicht sind.
Wer eine gute Journalistin, ein guter Journalist sein will, sollte immer wieder einen oder gar ein Dutzend Schritte weg vom Gegenstand der eigenen Arbeit machen – und sich überlegen: Habe ich etwas übersehen? Ist ein Sachverhalt wirklich so einfach, eine Situation wirklich so schlimm oder so schön, handelt eine Person wirklich so klug oder so dumm, wie ich bisher gedacht hatte?
Es ist ein Privileg, sich diese Fragen in der eigenen Arbeitszeit stellen zu können. Es ist ein demokratisches Privileg, die Antworten dann in die eigene Arbeit einfließen lassen zu dürfen.
Und diese Fragen regelmäßig zu stellen, verbessert eben nicht nur die eigene journalistische Arbeit. Es ist ein fabelhafter Beitrag zur eigenen Reifung, zur crescita personale, wie das auf Italienisch heißt.
Womit wir beim cinepanettone wären.