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Meer-Montag #40 - Schwimmende Väter im Tarnanzug

In unseren Meeren gibt es etwa 50 bis 80 Arten verschiedener Seepferdchen und es werden immer wieder neue entdeckt. Mit ihrer aufrechten Schwimmposition, den winzigen Flossen und der langen Schnauze begeistern sie viele Menschen und sind spannende Bewohner des Ozeans. Werfen wir also mal einen Blick auf das, was sie so besonders macht.

1. Vaterschaft und Brutpflege durch das Männchen
Bei Seepferdchen ist es das Männchen, das die befruchteten Eier trägt und die Jungen zur Welt bringt — ein ziemlich ungewöhnliches Merkmal in der Tierwelt. Die Weibchen übertragen ihre Eier über einen Schlauch, den man Ovipositor nennt, in eine spezielle Bruttasche des Männchens. Dort werden die Eier dann befruchtet und über den Zeitraum der Embryonalentwicklung versorgt. Das Männchen reguliert in dieser Zeit unter anderem die Zusammensetzung der Flüssigkeit in der Bruttasche – sowohl in Bezug auf den Salzgehalt als auch die Sauerstoffversorgung und nähert die Eigenschaften der Flüssigkeit immer mehr dem Wasser des Ozeans an. Nach einer Tragzeit, die je nach Art unterschiedlich lang dauern kann, gebärt das Männchen die vollständig entwickelten Jungtiere.

2. Anpassung durch Körperbau und Schwanz
Seepferdchen besitzen anstelle von Schuppen knöcherne Platten, die ihren Körper umgeben und ihn schützen, gleichzeitig aber die Beweglichkeit einschränken. Der Schwanz kann fest um Algen, Korallen oder anderes Meeresgehölz gewickelt werden, um sich gegen Strömungen zu sichern, zu ruhen oder zu lauern. Außerdem spielt der Schwanz eine wichtige Rolle während der Balz: Weibchen und Männchen verhaken ihre Schwänze miteinander und “tanzen” gemeinsam durch das Wasser, bevor das Weibchen die Eier überträgt.

3. Monogamie und Partnererkennung
Einige Seepferdchenarten sind monogam, zumindest während einer Fortpflanzungsperiode. Nach dem Schlüpfen der Jungen kann das Männchen direkt wieder Eizellen empfangen und manche Arten legen sich bei diesen aufeinanderfolgenden Brutzyklen auf eine*n Partner*in fest. Zum Beispiel hat man bei der Zwergseepferdchenart Hippocampus zosterae genetisch nachgewiesen, dass ein Männchen in einer Bruttasche nur Eier einer weiblichen Partnerin trägt. [1] Bei einer anderen Art, Hippocampus erectus, wurde erforscht, wie Weibchen ihren Partner erkennen: Es zeigte sich, dass der Geruch (olfaktorische Signale) eine wesentliche Rolle spielt – selbst wenn visuelle oder Verhaltenshinweise blockiert werden. Dies unterstützt stabile Paarbindungen. [2]

4. Micro-Pferdchen
Hippocampus denise gehört zu den kleinsten Arten der Seepferdchen und lebt vor der Küste Indonesiens. Die Größenangaben erwachsener Tiere schwanken aber scheinbar erreichen sie typischerweise eine Länge von ca 1,34 bis 2,4cm. Bei ihrer Entdeckung 2011 wurden sie voerst für Jungtiere einer anderen Art gehalten.

5. Unsichere Zukunft
Viele Seepferdchenarten leben in sehr spezifischen Lebensräumen wie Seegraswiesen, Mangrovenwäldern und Korallenriffen. Diese Ökosysteme werden jedoch durch Küstenbebauung, Verschmutzung und die Klimakrise belastet, stark beschädigt oder gar zerstört. [3] Die kleinen Meerestiere werden außerdem nicht nur gezielt gefangen (z. B. für die Aquarienbranche, als Souvenirs oder in der traditionellen Medizin), sondern oft als Beifang bei Fischfangmethoden wie Garnelen‑Schleppnetzfischerei gefangen. Diese Methoden zerstören zudem häufig den Meeresboden bzw. Riffe und Seegraswiesen, in denen die Tiere leben. Aufgrund fehlender Daten ist es oft schwer, genaue Aussagen über die Populationen der Seepferdchen zu machen. Zwei Arten im Mittelmeer gelten auf der IUCN Roten Liste bereits als "potentiell gefährdet” [4]

6. Nahe Verwandte
Viele Sowohl der Kleine und Große Fetzenfisch, als auch der Rote Seedrache gehören wie Seepferdchen zur Familie der Syngnathidae und sind somit enge Verwandte. Beide Gruppen zeichnen sich durch einen röhrenförmigen Schnabel ohne Zähne, den gepanzerten Körper und die besondere Fortpflanzungsweise aus, bei der das Männchen die Eier trägt. Fetzenfische ähneln in ihrem Erscheinungsbild stark Tang oder Algen, was ihnen eine ausgezeichnete Tarnung in Seegraswiesen oder Tangfeldern bietet – ähnlich wie sich Seepferdchen perfekt in Korallen oder Seegras tarnen. Anders als Seepferdchen können Fetzenfische ihren Schwanz allerdings nicht zum Festhalten verwenden, da er nicht greiffähig ist. Trotz ihrer engen Verwandtschaft besetzen sie also unterschiedliche ökologische Nischen, teilen aber viele biologische Merkmale und sind beide empfindlich gegenüber Umweltveränderungen.

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[1] Genetic evidence for monogamy in the dwarf seahorse, Hippocampus zosterae (Opens in a new window)

[2] Female lined seahorses (Hippocampus erectus) recognize their mates based on olfactory cues (Opens in a new window)

[3] Why are seahorses in danger? (Opens in a new window)

[4] The IUCN Red List of seahorses and pipefishes in the Mediterranean Sea (Opens in a new window)

Topic Meer-Montag

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