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Wirtschaftsmotor DZA

HINTERGRUND / WISSENSCHAFT IN DER OBERLAUSITZ

  1. September 2025

Das Zentrum für Astrophysik ist bis jetzt die einzige Großansiedlung in Ostsachsen.  Und muss daher eine Reihe von Aufgaben gleichzeitig erfüllen - von denen Spitzenforschung nicht die wichtigste ist.

Von Christine Keilholz

So soll Ostsachsens größtes Forschungszentrum aussehen, wenn es das alte Kahlbaum-Klinikum bezogen hat. Grafik: DZA
So soll Ostsachsens größtes Forschungszentrum aussehen, wenn es das alte Kahlbaum-Klinikum bezogen hat. Grafik: DZA

Das Universum ist in Bewegung - und Görlitz ist mittendrin. Soeben hat das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA) in Görlitz die Internationale Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft ausgerichtet. Um die 200 Gäste aus ganz Deutschland waren angemeldet, um sich über „The restless Universe“ auszutauschen, so der Titel der Tagung. Drei Tage lang ging es um die ganz großen Fragen und um die astrophysikalischen Prozesse in ihren unvorstellbaren Zeitebenen: von kurzlebigen Ereignissen wie einer Supernova bis hin zur langen Entwicklung von Galaxien.

Auch die Astroforschung selbst braucht ihre Zeit. 100 Jahre hat es gedauert, dass die Astronomische Gesellschaft erstmals wieder in Sachsen zusammenkam - nach 1924 in Leipzig, als noch keine Rakete ins All kam und noch kein Mensch auf den Mond. Sachsen holt sich damit ein Fachgebiet zurück, das Konjunktur hat. Milliardäre lassen sich Raumschiffe bauen und das Bundesforschungsministerium trägt neuerdings das Wort Raumfahrt im Namen. Astroforschung hat Glamour und wirft immer auch Praktisches ab für Normalsterbliche. Wie die Teflonpfanne, die es ohne die Nasa nie gegeben hätte.

Das macht Astroforschung zur perfekten Branche für den Strukturwandel. Man zeige hier, wie Gründer Günther Hasinger unterstreicht, „dass exzellente Wissenschaft in der Lausitz beheimatet sein kann“. Davon zu überzeugen ist die Hauptaufgabe dieser größten Wissenseinrichtung östlich von Dresden. Denn abgesehen von der glanzvollen Spitzenforschung muss das DZA vor allem der Motor der Strukturentwicklung im Osten Sachsens sein.

Gigantismus in der Oberlausitz

Das DZA ist eine Chiffre für den Strukturwandel in Sachsen geworden. Dass es gelungen ist, dieses Milliardenprojekt heimzuholen, ist allein schon ein Erfolg für die Landesregierung. Als es 2022 genehmigt wurde, war es die größte Forschungsansiedlung, die zu haben war. Mit den Projektmitteln und den Strukturmitteln im Rücken ergab sich die Chance, etwas von Größe und Besonderheit aufzuziehen.

Das DZA wird mit dem Atom-Ei in Bayern verglichen oder dem Cern in der Schweiz. Beide haben es geschafft, ländliche Gegenden in Magnete für internationale Fachleute zu verwandeln. Wer in dieser Liga spielen will, muss eine Forschung aufzuziehen, die es so nur hier gibt. Insofern war es ein Glück, dass von den sechs Projekten, die vor drei Jahren in der Endauswahl für das Großforschungszentrum standen, die Astrophysik den Zuschlag bekam. Dem Vorhaben wohnte ein Gigantismus inne, der bis heute nicht so recht in die Oberlausitz passt.

Doch die Oberlausitz hat sich arrangiert. Aus einem einfachen Grund: Das DZA ist bis jetzt die einzige Großansiedlung im sächsischen Teil der Lausitz geblieben. Cottbus hat das Bahnwerk, das schnell emporwuchs und schon jetzt Industriejobs bereitstellt. Cottbus hat die Medizin-Universität mit einem direkten Nutzen für jeden Lausitzer, der ab und an einen Doktor braucht. In Ostsachsen hingegen gibt es nur das DZA als Großansiedlung - und die muss alle diese Funktionen erfüllen.

Praxisbezug betonen

Die Oberlausitz wartet noch auf eine Industrieansiedlung, die die Glasindustrie, Waggonbau und Braunkohle ersetzen kann. Dass auch eine Wissenschaftsansiedlung wie das DZA ähnliche Struktureffekte bringen kann, ist nicht leicht vermittelbar. Schon gar nicht, wenn sie nach den Sternen greift, statt sich mit den Sorgen der heimischen Wirtschaft zu befassen. Deshalb betont die Einrichtung stets ihren Nutzen für den heimischen Arbeitsmarkt. Kürzlich wurde der 100. Mitarbeiter eingestellt. Bis Ende des Jahres 2025 sollen ein Dutzend weitere Stellen besetzt werden, insbesondere im Bereich der Radioastronomie und Verwaltung.

Als Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) jüngst im Dresdner Landtag die Lage der sächsischen Forschung erläuterte, widmete er sich intensiv dem DZA. Um Sternenforschung ging es in der Fachregierungserklärung weniger - mehr an „Lösungen für Herausforderung der Daten und Informationstechnik“, an denen das Zentrum arbeitet. Gemkow präsentierte das DZA als eine Einrichtung, Grundlagenforschung betreibt für Zukunftsbranchen, „die schon heute wesentliche Grundlage für unseren Wohlstand sind“. Das Untergrund-Forschungslabor, das in Ralbitz-Rosenthal im Kreis Bautzen entstehen soll, ermöglicht die Entwicklung immer kleinerer Mikroelektronik-Produkte. Es ist aber auch die Voraussetzung dafür, dass Sachsen auch das Einstein-Teleskop bekommen kann, um das ein europaweiter Wettbewerb läuft.

Bis zur Gründung finanziert sich das Zentrum über eine Projektförderung an die TU Dresden und das Deutsche Elektronensynchrotron DESY vom Bundesforschungsministerium. In Görlitz ist das Zentrum vorerst in der alten Post untergebracht. Die vorgesehene Residenz, das Kahlbaum-Areal, hat der Freistaat vor einem Jahr gekauft. Auch das ist eine Aufgabe für das Zentrum: Das alte Klinik-Gelände zu ertüchtigen, für das sich Jahrzehnte lang keine Nutzung gefunden hat.

Topic Wissenschaft und Bildung

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