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Eine Vision für den ORF im digitalen Zeitalter

Am 1. März 2024 durfte ich im Presseclub Concordia einen einstündigen “Impuls für den ORF” beisteuern, dessen Titel ich später auch zum Motto dieses Blogs gemacht habe: wie der ORF vom Platzhirsch zum Förster eines dezentral-offenen Medienökosystems werden kann.

https://www.youtube.com/watch?v=aKA0N-i90TY (Opens in a new window)

Ich dokumentiere hier eine gekürzte und leicht überarbeitete bzw. aktualisierte Textfassung auch als Beitrag zur Strategiedebatte im Rahmen der Neubestellung der ORF-Generaldirektion am 10.6.2026, der etwas über die kurzfristig dominierenden Fragen wie Strukturreform und Direktionsbesetzung hinausweist.

Mein Ausgangspunkt ist demokratische Öffentlichkeit – was ist der Beitrag von Medien, vor allem öffentlich-rechtlichen, für eine robuste, vielfältige Demokratie? Eine demokratische Öffentlichkeit entsteht im Zusammenspiel unterschiedlicher medialer Akteure. Man kann sie nicht an einen einzigen delegieren – es wäre ein Albtraum, gäbe es nur öffentlich-rechtliche Medien.

Es gibt privat-kommerzielle Anbieter, öffentlich-rechtliche und nichtkommerzielle Medien. Dazu kommen niederschwellige publizistische Aktivitäten – Blogs, Social-Media-Kanäle mit großer Reichweite. All das gab es schon länger, aber seit 30 Jahren hat sich etwas verändert: Alle medialen Akteure erreichen ihr Publikum zunehmend über digitale Plattformen – Facebook, YouTube, X/Twitter, Instagram, TikTok und Co.

Diese Plattformen sind global, größtenteils nicht in Europa zu Hause. Auf ihnen treffen alle medialen Angebote zusammen, und es herrscht ein Aufmerksamkeitswettbewerb nach der Logik: Wer am lautesten schreit, wer die Empfehlungsalgorithmen am besten bedient, wer die meisten Interaktionen erzeugt – der gewinnt. Der Hintergrund ist simpel: Profitlogik. Je länger die Leute auf der Plattform sind, desto mehr Werbung lässt sich verkaufen.

Diese Logik führt zu Entwicklungen, die vielleicht nicht geplant waren, die wir aber alle beobachten: Polarisierung, Echokammern, Desinformation, Radikalisierung. Und was all diese Plattformen eint – YouTube, X, Facebook, Instagram, TikTok – ist: Sie sind zentralistisch, werbefinanziert, proprietär. Ein Unternehmen legt die Regeln fest.

Das soll kein Plädoyer gegen diese Plattformen an sich sein, sondern gegen ihre Alleinherrschaft. Ich selbst nutze sie, sie bereichern mein Leben. Aber man könnte sich ganz vieles davon sparen und es mit einem Foto von Elon Musk erklären: Er hat gezeigt, dass ein reicher Typ einfach herkommen, Twitter übernehmen, die Regeln ändern und tausende gesperrte Nazis wieder freischalten kann. Allein weil das möglich ist, sollten wir ernsthaft fragen: Wollen wir wirklich die Gestaltung unserer demokratischen Öffentlichkeit an diese Plattformen delegieren?

Was macht der ORF?

Angesichts dieser Situation: Was macht der ORF? Die gute Nachricht ist, dass er überhaupt wieder etwas machen darf – und das verdanken wir dem VfGH. Zwei Urteile haben hier den Weg freigemacht: Das erste zur “Streaminglücke” (Opens in a new window) führte zu einem neuen ORF-Gesetz mit mehr Spielraum im digitalen Bereich – meiner Meinung nach noch immer zu wenig, aber mehr als zuvor. Das zweite hat die Aufsichtsgremien für verfassungswidrig erklärt (Opens in a new window), was für meinen Titel nicht irrelevant ist: Ein Förster kann seine Rolle nur glaubwürdig ausfüllen, wenn er unabhängig ist. Deshalb ist die Frage der Gremienordnung keine triviale.

Ich möchte mich heute aber auf den ersten Bereich konzentrieren: Wie kann der ORF einen besseren Beitrag zur demokratischen Öffentlichkeit im digitalen Raum leisten? Wenn er die Herausforderung der Digitalisierung nicht besser annimmt, wird er an Bedeutung verlieren – und das ist demokratiepolitisch bedenklich.

Der ORF hat nun 2024 zumindest die Beta-Version des ORF-Players gelauncht, nach zehn Jahren Entwicklung. Und wer sich diese Screenshots anschaut, hat vielleicht ein Déjà-vu. Tatsächlich ist die Ähnlichkeit mit Netflix kein Zufall – das sagte der damalige Generaldirektor Roland Weißmann selbst (Opens in a new window): Der ORF-Player soll eine Art „österreichisches Netflix” werden.

Weißmann ist damit nicht allein. Auch der von mir sehr geschätzte Intendant des Hessischen Rundfunks (HR), Florian Hager, lässt sich in seinem Antrittsinterview zitieren mit: „Ich beneide Netflix um manche Möglichkeiten.” (Opens in a new window) Netflix ist der Orientierungspunkt, wenn öffentlich-rechtliche ihre Onlineangebote neu aufstellen. Und genau dieses Vorbild möchte ich stark in Frage stellen.

Netflix ist das falsche Vorbild

Netflix ist ein Online-Portal – ein reiner, unilateraler Ausspielkanal. Die große Stärke des Internets war immer der Rückkanal: Dinge empfangen und antworten. Das ist auch für demokratische Meinungsbildung relevanter denn je. Bei Netflix? Keine Kommentare, kaum Interaktion, keine öffentlichen Profile, kein Upload. Es ist ein Closed Shop.

Man könnte sagen: Ist Netflix nicht das erfolgreichste Streamingprodukt? Schauen wir uns die RTR-Zahlen für Österreich 2023 an (Opens in a new window): Disney+ liegt bei 20 %, Amazon Prime bei 40 %, Netflix bei 42 %. Die ORF-Mediathek schlägt Netflix bei der reinen Nutzung mit 44 %. Warum orientieren wir uns also nach unten? Es fehlt noch der Elefant im Raum: YouTube – mit 76 % Reichweite, fast doppelt so viel wie Netflix.

Wenn wir YouTube als Vorbild nähmen statt Netflix, müsste der ORF-Player ganz anders aussehen: Kommentare, Interaktion, öffentliche Profile, Upload-Möglichkeit. YouTube hat Plattformcharakter – das unterscheidet es grundlegend von Netflix.

Ich habe diese Idee nicht selbst erfunden – geklaut vom Medienwissenschaftler Hermann Rotermund, der geschrieben hat: Ein Medienangebot, das demokratischen Idealen verpflichtet ist, täte gut daran, sich am Modell YouTube zu orientieren, nicht an Netflix (Opens in a new window).

Ich höre den Einwand: Ein öffentlich-rechtliches YouTube aufbauen – das klingt absurd. Sascha Lobo, den ich sehr schätze, hat das als „grotesken Airbus-Quatsch” bezeichnet (Opens in a new window): Geld wird reingeblasen, und am Ende wird nichts daraus. Er hat in einem Punkt vollkommen recht: Die Fantasie, die großen Plattformen durch öffentlich-rechtliche zu ersetzen – das wäre wirklich grotesker Airbus-Quatsch. Das ist nicht mein Vorschlag.

Aber: Es kann dennoch Sinn machen, ein öffentlich-rechtliches Angebot mit Plattformcharakter zu etablieren – als Ausweichroute (Opens in a new window), als Alternative. Das war immer schon der Gedanke des dualen Systems: ein Gegengewicht zu profitorientierten Medien, das einer anderen Logik folgt. Diese andere Logik fehlt im Bereich der Online-Plattformen – zumindest mit der Reichweite, die öffentlich-rechtliche Medien hätten.

Das Fediverse als Alternative

Jetzt stellt sich die Frage: Wie soll das funktionieren? Auf der einen Seite globale Giganten, auf der anderen ein Flickenteppich lokaler Anbieter. Können solche Nischensender je mit globalen Plattformen mithalten?

Meine Antwort: Ja – und zwar indem man eine andere Logik fördert und gleichzeitig den scheinbaren Bug der regionalen Kleinteiligkeit zum Feature macht. Denn die großen Plattformen haben ihr Problem mit Polarisierung und Radikalisierung auch deshalb, weil sie zentralistisch sind: Alle Menschen aus allen ideologischen Ecken werden dort zusammengeführt. Es gab immer Kellernazis – aber Twitter hat ihnen ermöglicht, aus dem Keller heraus global zu rekrutieren. Bei einer dezentralen Plattform funktioniert das anders.

Ich verwende jetzt ein Wort, das nicht alle kennen: das Fediverse (Opens in a new window) – ein Kofferwort aus „Federation” und „Universe”. Ein föderiertes Universum: ein Netzwerk dezentraler, aber miteinander kompatibler Social-Media-Dienste. Wer das nicht versteht, dem empfehle ich als Analogie E-Mail. E-Mail ist protokollbasiert, offen, gehört niemandem. Ob ich bei Gmail, GMX oder dem Mailserver meines Arbeitgebers bin – ich kann mit jeder Person mailen. Das Fediverse ist die Idee, dieses Prinzip auf soziale Netzwerke anzuwenden: für Twitter-Äquivalente, YouTube-Äquivalente, Instagram-Äquivalente.

Das klingt utopisch? Ist es nicht. Seit 2023 gibt es ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt, an dem ZDF, Schweizer SRG, belgische und sogar eine kanadische öffentlich-rechtliche Anstalt gemeinsam arbeiten – den Public Spaces Incubator (Opens in a new window). Ziel: die bereits vorhandenen Mediatheken in dieses dezentrale soziale Netzwerkkonzept zu integrieren, so dass die Leute im Fediverse sind, ohne es zu merken. Die Durchschnittsnutzerin muss das nicht verstehen – entscheidend ist, dass Inhalte und Kommentarfunktionen auf offenen Protokollen, offener Software und offenen Standards implementiert werden.

Und jetzt der Betriebswirt in mir: Es ist auch ökonomisch sinnvoll. Was mich wirklich nachts beschäftigt: ZDF, ARD, SRG und ORF entwickel(te)n parallel proprietäre Software mit denselben Funktionen – Videoplayer, Kommentarfunktion, Startseite, Content Delivery. Das Rad wird ständig neu erfunden. Genau deshalb setzen ARD und ZDF bei der Zusammenführung ihrer Mediathek-Software auf eine gemeinsame Open-Source-Basis mit Namen “Streaming OS” (Opens in a new window).

Die Förster-Rolle

Jetzt zum Kern: Wie verhält sich das zur Rolle des ORF? Warum ist das realistischer als irgendein grotesker Airbus-Quatsch? Weil diese Technologie schon existiert und funktioniert. Mein Vorschlag ist nicht, dass der ORF von Null an Alternativen entwickelt. Ich möchte, dass der ORF – wie auch ZDF und SRG – sich in dieses Netzwerk einklinkt. Nicht beherrscht, nicht neu erfindet, sondern mit- und weiterentwickelt.

Wenn der ORF zum Förster wird, was ist dann der Wald? Der Wald sind zunächst die anderen Öffentlich-Rechtlichen. Der ORF ist in einer globalisierten Welt zu klein, um alleine voranzukommen. Dabei gibt es bereits Kooperationstradition im Programmbereich – 3sat, gemeinsame fiktionale Produktionen wie Tatort, den ESC. Warum nicht auch im Bereich digitaler Infrastruktur?

Ich weiß, warum das bislang nicht passiert ist: Es ist mühsam. Es ist schon schwer genug, sich intern auf etwas zu einigen. Aber das Schöne an Open Source ist: Ich muss mich nicht einigen. Wenn ich auf offener Software aufbaue, können andere sie nutzen, ohne mich zu fragen. Ich muss die Einigung nicht ex-ante haben, ich kann sie ex-post haben. Ich fange einfach an.

Neben den Öffentlich-Rechtlichen gibt es weitere Akteure: nichtkommerzielle Medien. Sie werden zunehmen – in Österreich ist es durch die Gemeinnützigkeitsreform leichter geworden, über Spenden ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Spendenfinanzierte Medien gewinnen an Bedeutung (Opens in a new window). Dazu kommen Hochschulen, der Kultursektor – Inhalte, die nischenorientiert, aber bisweilen exzellent sind.

Damit kommen wir zur Kuratierungsfrage: Es gibt hunderte exzellente Lehr- und Lernvideos auf YouTube von einzelnen Lehrerinnen und Lehrern. Die zu finden ist eine eigene Kompetenz. Wenn öffentlich-rechtliches Schulfernsehen immer noch zum Auftrag gehört – warum nicht auch kuratieren statt alles selbst machen? Inhalte von außen hereinholen, aber auch Inhalte freigeben.

Freie Lizenzen und Wikipedia

Mit freigeben meine ich mehr als Inhalte auf einer Netflix-artigen Plattform ausspielen. Ich meine: unter einer freien Lizenz veröffentlichen, die Weiternutzung durch Dritte ermöglicht. Und zwar kompatibel mit der reichweitenstärksten nichtkommerziellen Plattform der Welt, die in ihrer Bedeutung noch immer unterschätzt wird: Wikipedia.

Wikipedia hat nicht nur selbst riesige Reichweite, sondern beeinflusst maßgeblich jedes Google-Suchergebnis. Und selbst im Zeitalter von KI gilt, dass das Vernünftigste, was aus ihr kommt, mit Wikipedia-Daten trainiert wurde. Die Bedeutung von Wikipedia-Wissen für unser Weltwissen kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Und öffentlich-rechtliche Inhalte würden dort perfekt dazupassen.

Es gab in Österreich bereits eine Initiative: „ORF wie Wiki” (Opens in a new window) – Wiki im Sinne von: Leute können beitragen, und man macht Inhalte frei zugänglich, damit andere damit etwas tun können. Wikimedia Österreich hat Wikipedianer:innen und nichtkommerzielle Medienmacher:innen eingeladen zu sagen, warum sie sich mehr ORF-Inhalte unter freier Lizenz wünschen: für bessere Wikipedia-Artikel, für die freie Medienszene, als Mittel gegen Desinformation. ORF produziert vor allem Bewegtbilder – Wikipedia ist stark bei Texten. ORF muss Inhalte teilweise depublizieren – Wikipedia hält sie dauerhaft online. Wikipedia und der ORF wären ein Traumpaar, es fahlt nurn an der Realisierung.

Eine wesentliche Hürde dabei: Wenn man freie Lizenzen wählt, fällt die Verwertungskaskade weg und damit in manchen Bereichen mögliche Wiederholungshonorare. Man bräuchte also einen Bonus für freie Lizenzierung – aber das wäre aufkommensneutral gestaltbar und könnte einfach auf Ebene der Redaktionen entschieden werden.

Das Schöne an diesem Vorschlag: Das ansonsten so rigide ORF-Gesetz verbietet es nicht. Man muss nicht auf eine Gesetzesänderung warten.

Fazit

Was zeichnet die großen kommerziellen Big-Tech-Plattformen aus? Ein individueller Aufmerksamkeitswettbewerb: Jeder kann es schaffen, wenn man nur laut genug ist. Das führt zu Polarisierung, Desinformation, Radikalisierung.

Aber es gibt etwas, was Wikipedia und öffentlich-rechtliche Medien gemeinsam haben, im totalen Gegenteil zu Big Tech: den Zwang zum Kompromiss. Ein ORF sollte nicht von einer Partei kontrolliert werden, sondern unterschiedliche Perspektiven sollten in der Aufsicht zusammenkommen – mit qualifizierten Mehrheiten für wichtige Entscheidungen.

Bei Wikipedia wiederum gibt es zu jedem Thema genau einen Artikel. Man muss sich einigen. Das ist nicht immer schön, führt zu Editierkriegen – aber am Ende steht zumindest Transparenz, kein Drüberfahren. Das ist das Gegenteil von YouTube, wo der Lauteste dank völlig undurchsichtiger Algorithmen gewinnt.

Wenn der ORF eine dezentrale Plattformstrategie auf Basis offener Software, offener Standards und offener Lizenzen verfolgen würde, würde er nicht den „jeder kann es schaffen”-Ansatz fördern, sondern das Potenzial solidarischer Aufmerksamkeit. Gemeinsam sind wir stark. Ein Ökosystem von gemeinwohlorientierten Medien, die sich wechselseitig verlinken, einander Bühnen bieten – und damit öffentlich-rechtliche Netzwerkeffekte (Opens in a new window) ermöglichen. Solche Netzwerkeffekte sind die Voraussetzung, um im digitalen Aufmerksamkeitskampf überhaupt relevant zu bleiben.

Dann ist da kein Platzhirsch mehr, sondern der ORF als relevanter Player in einem Medienökosystem. Ein Förster, der Anreize setzt, Bühnen bietet – und die Regeln festlegt, nach denen auf diesen Bühnen gespielt wird.

Das würde bedeuten: eine demokratische Logik, komplementär zur Profitlogik der Plattformen. Algorithmen, die einem demokratischen Auftrag folgen (Opens in a new window), nicht einem Profitinteresse. Eine Aufsicht, die demokratisch rückgebunden ist, aber nicht parteipolitisch dominiert – mein Vorschlag: ein substanzieller Teil der Aufsichtsmitglieder per Losverfahren bestimmt (Opens in a new window), wie wir es aus der Justiz kennen.

So ein gemeinwohlorientiertes Medienökosystem muss dezentral gedacht werden – nicht top-down, sondern bottom-up. Der ORF liefert Angebote, die genutzt werden können. Verteilte Kontrolle, lokale Timelines, die miteinander sprechfähig sind und auf offenen Standards ein föderiertes Ökosystem bilden. Offen für Vielfalt nicht-kommerzieller Modelle: spendenfinanziert, abonnementbasiert, haushaltsabgabenfinanziert. Aber auch offen für Kooperation mit privaten Medien (Opens in a new window).

Und schließlich: Es kann nicht sein, dass Menschen, die über ORF-Inhalte diskutieren wollen, dafür zu kommerziellen Plattformen wechseln müssen. Ich investiere in Inhalte, die Leute zu mir bringen – und wenn sie sich dann darüber austauschen wollen, schicke ich sie zu X oder Instagram. Das ist Vergeudung öffentlich-rechtlichen Geldes.

Einiges davon lässt sich auch unter den gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen schon realisieren, für anderes wird es Gesetzesänderungen brauchen. Sich dafür einzusetzen und Wege zu finden, ist eine zentrale Aufgabe für die neue ORF-Führung.

Epilog: Es geht – ein Beweis

Das klingt alles schön, aber ist es realistisch? Ein letztes Beispiel (Opens in a new window): Das ZDF hat 2020 begonnen, Erklärvideos zur Klimakrise aus der Reihe „Terra X” unter einer Wikipedia-kompatiblen freien Lizenz zu veröffentlichen. Fünf Videos am Anfang – Versuch, ob der Himmel auf den Kopf fällt. Diese Videos fanden in kürzester Zeit Eingang in alle relevanten Wikipedia-Artikel zur Erderhitzung, wurden in verschiedene Sprachversionen übersetzt. Nach einem halben Jahr war klar: Es läuft. Seitdem veröffentlicht das ZDF jeden Monat mehrere Videos unter dieser Lizenz. Inzwischen: mehrere Millionen Views pro Monat – allein für diese ZDF-Videos.

Die ARD hat das auch versucht, aber mit einer restriktiveren, nicht-Wikipedia-kompatiblen Lizenz: all pain, no gain. 2023 hat man das erkannt und umgestellt (Opens in a new window). Heute ist das Erklärvideo der Tagesschau zum deutschen Wahlsystem frei lizenziert in der Wikipedia eingebunden.

Das zeigt: Was ich erzählt habe, ist keine Fantasie, keine Utopie. Es ist eine Realutopie. Und es wird Zeit, dass wir in diese Richtung voranschreiten.

Transparenzhinweis: Die Textfassung basiert auf einem Transkript, das Andreas Sator dankenswerterweise mit Hilfe von Claude (Opens in a new window) in Vorbereitung für eine Aufzeichnung seines Podcasts “Erklär mir die Welt” (Opens in a new window) erstellt hat.

Topic ORF