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20.000 Zeichen für Antisemitismus – kein Platz für Biller

Ein medialer Offenbarungseid

Es gibt Momente, in denen eine Redaktion ihre Maske fallen lässt. Der Fall Maxim Biller ist so ein Moment. Während ZEIT ONLINE einen 20.000 Zeichen langen Porträt- und Verteidigungstext über Melanie Schweizer publiziert – eine ehemalige Beamtin, die die israelische Armee mit Nazis vergleicht und den Staat Israel als „genozidales, koloniales Apartheid-Regime“ diffamiert – wird eine pointierte, polemische, ja unbequeme Kolumne Maxim Billers kurzerhand aus dem Netz gelöscht. Nicht korrigiert. Nicht diskutiert. Depubliziert. Als hätte sie nie existiert.

Wer Israel delegitimiert, darf bleiben

Melanie Schweizer ist kein Einzelfall, sondern Prototyp des neuen linken Aktivismusjournalismus. Ihre Karriere führt vom Amman Center for Human Rights Studies direkt ins Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Dort posiert sie mit Wassermelonen-Ohrringen – ein bekanntes Symbol der antisemitischen Israel-Delegitimierungsszene – und nutzt ihre Position als Beamtin, um offen gegen den Staat zu agitieren, dem sie Loyalität schuldet. Auf ihrem öffentlichen X-Account schreibt sie:

„The IDF are Jewish Nazis. Committing a Holocaust.“


„Israel is a colonial genocidal apartheid ethno-state.“

In linken Zirkeln wird so etwas als „kritisches Bewusstsein“ gefeiert. Bei X bleibt es stehen. Bei der ZEIT bekommt man dafür einfühlsame Porträts. Und eine Bühne von über 20 Minuten Lesezeit. Biller hingegen? Weg. Nicht wegen eines Formfehlers. Sondern, weil er ein Tabu gebrochen hat: Er hat Israel verteidigt – und zwar auf jüdische, spitze, schmerzhafte Weise. In Deutschland ist das offenbar untragbar geworden.

Vom Intellektuellen zum „Content Creator der Betroffenheit“

Die Schweizer-Reportage ist ein Musterbeispiel neuer Moralkuration. Die Heldin: eine palästinasolidarische, linksaffine Akademikerin, mit Prädikatsexamen und Hund. Die Gegenspieler: Bürokratie, Repression, natürlich: BILD. Es ist das Drehbuch einer Betroffenheitsästhetik, die nicht nach Wahrheit fragt, sondern nach Haltung. Und Haltung heißt heute: Kampf gegen Westen, Kolonialismus, Israel. Der moralische Kurzschluss ist perfekt.

Wer seine Beamtenpflichten verletzt, Beschwerden an die dpa schickt, mit der Autorität des Ministeriums politische Briefe unterzeichnet und Israel als Täternation markiert, wird zur Märtyrerin erklärt. Wer hingegen – wie Biller – auf die mediale Allianz westlicher Intellektueller mit der Hamas-Propaganda hinweist, wird gelöscht. Depubliziert. Exkommuniziert.

Der Fall Biller – Eine letzte Bastion fällt

Billers Text war keine diplomatische Analyse, sondern ein Aufschrei. Seine These: Der Westen hat nicht verstanden, dass er längst zum Werkzeug der Hamas geworden ist – moralisch, diskursiv, ästhetisch. Sinwar hat gewonnen, schreibt Biller. Nicht militärisch. Aber im Bewusstsein der postkolonial-verblendeten Wohlstandseliten.

Und was tut ZEIT ONLINE? Sie löscht den Text. Unter Verweis auf „Redaktionsstandards“, die interessanterweise beim Schweizer-Stück offenbar ausgesetzt waren. Dort finden sich keine Triggerwarnungen für Holocaustvergleiche, keine Distanzierungen von radikalen Aussagen, keine kritischen Rückfragen zu ihrem „Konzentrationslager“-Post. Stattdessen: Tee im Café, Hundeleine mit Melonenanhänger, ein bisschen Sophie-Scholl-Nostalgie.

Der Aktivismus frisst den Journalismus

Was sich hier vollzieht, ist keine Panne, sondern ein Paradigmenwechsel. Die ZEIT – einst Aufklärungsorgan – ist zum pädagogischen Organ geworden. Der Journalismus wird moralisiert, das Ressort „Diskurs“ durch „Haltung“ ersetzt. Kritik wird nicht mehr diskutiert, sondern ausgeblendet. Billers literarische Spitzen? Zu hart. Seine Sprache? Zu jüdisch. Seine Pointe? Nicht vermittelbar für die Empörungspädagogik der Gegenwart.

Man stelle sich vor: Ein Text, der als jüdische Antwort auf linken Antisemitismus gedacht ist, wird von einer Redaktion entfernt, die sich für besonders sensibel gegenüber Antisemitismus hält. Das ist keine Ironie. Das ist der Kollaps.

Die große Umkehrung

Ein linker Aktivismus, der sich für Antirassismus und Menschenrechte hält, ist längst zum Kulturträger eines neuen Antisemitismus geworden – über Umwege, über Narrative, über Diskursverschiebungen. Biller spricht von „willigen Kollaborateuren“. Er meint: Journalisten, Intellektuelle, Künstler. Sie nennen es „Israelkritik“. In Wahrheit ist es: Täter-Opfer-Umkehr.

Die gute Nachricht: Seine Kolumne lebt – im Netz, in Diskussionen, als Symbol. Die schlechte: Wer nach ihm kommt, wird es sich zweimal überlegen. Das „Canceln“ ist nicht die Strafe – es ist die Warnung.

Und die ZEIT?

Die ZEIT hat eine Entscheidung getroffen. Sie publiziert ein 20.000-Zeichen-Porträt über eine Ex-Beamtin, die sich offen antisemitisch äußert – und löscht gleichzeitig einen jüdischen Intellektuellen, der in seiner bitteren Klarheit den Finger in die Wunde legt.

In einer freien Gesellschaft gibt es keine Garantie auf Zustimmung. Aber es muss eine Garantie auf Widerspruch geben. Wenn ein jüdischer Autor einen Text veröffentlicht, der unbequem ist, dann ist es die Pflicht einer Redaktion, diesen Text zu verteidigen – nicht, weil sie ihn in jedem Punkt teilt, sondern weil sie an die Idee von Öffentlichkeit glaubt.

Die ZEIT hat diese Idee verraten. Sie hat Melanie Schweizer verteidigt – und Maxim Biller gelöscht. Damit hat sie uns allen etwas gezeigt: Nicht, wie weit wir gekommen sind. Sondern, wie weit wir bereit sind zu gehen – wenn es darum geht, dem moralischen Zeitgeist zu dienen.

Biller hat verloren.

Und doch hat er gewonnen.

Denn in einer Zeit, in der alle alles sagen dürfen – solange es das Richtige ist –, ist der, der das Falsche sagt, der letzte Verteidiger der Wahrheit.

Topic Gesellschaft

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