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Versagt – Performative Israelsolidarität

Es gibt sie, die performative Israelsolidarität. Sie erzeugt in der eigenen Bubble viel Aufmerksamkeit, mehr aber auch oft nicht. Die Diskussion um die Kunstakademie Düsseldorf hat das gezeigt. 👉 Hier der neue Blogbeitrag zum Thema (Opens in a new window).

Weitere (kurze) Meldungen

Jean Améry und der 7. Oktober

Tina Sanders nimmt im Magazin Medaon die Gedankenwelt Jean Amérys – Schriftsteller, Holocaust-Überlebender, intellektueller Einzelgänger – in den Blick und zeigt, warum sein Denken heute mit neuer Dringlichkeit gelesen wird. Seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 haben viele seiner Überlegungen eine beunruhigende Resonanz erhalten, als hätte Améry die seismischen Verschiebungen unserer Gegenwart bereits vor Jahrzehnten vorausgeahnt.

Améry, der als säkularer Jude, Widerstandskämpfer und Folterüberlebender eine ungewöhnliche biografische Schärfe in seine Essays einbrachte, entwickelte Begriffe wie »Weltvertrauen«, »Ressentiment« und die Figur des »Katastrophenjuden«. Mit ihnen beschrieb er nicht nur, wie Gewalt den Einzelnen zeichnet, sondern wie sie die Ordnung der Welt selbst zu kippen scheint – wie sie jenes leise, fundamentale Gefühl zerstört, dass die Welt im Großen und Ganzen verlässlich sei.

Sanders zeigt, dass Amérys Sprache in die Gegenwart hineinreicht, fast als Kommentar zu Ereignissen, die er niemals erlebt hat. Viele Jüdinnen und Juden berichten seit dem 7. Oktober von einer erneuten existenziellen Erschütterung, einem Gefühl der Haltlosigkeit, das über politische Debatten hinausgeht. Ob durch offene Feindseligkeit, durch politische Reaktionen oder durch den Tonfall öffentlicher Diskussionen – es ist das plötzliche, schockhafte »Aus-der-Welt-Fallen«, das Améry einst als sein Lebensgefühl beschrieb. Sein Gedanke, erst durch die Erfahrung der Verfolgung »zum Juden gemacht« worden zu sein, gewinnt in diesem Licht neue Aktualität: Er liefert einen begrifflichen Schlüssel für das, was viele heute in einem anderen historischen Moment, aber in erstaunlicher struktureller Ähnlichkeit empfinden.

Der Artikel erinnert zudem daran, dass Améry früh und unmissverständlich sowohl den europäischen als auch den arabischen Antisemitismus analysierte – und ebenso den sich formierenden Antizionismus in Teilen der Linken. Diese Themen, die seither nie verschwunden sind, erscheinen heute erneut im Zentrum politischer und kultureller Auseinandersetzungen. Sanders deutet sie nicht als bloße Wiederkehr alter Muster, sondern als Wiederaufstieg jener tiefen tektonischen Brüche im jüdischen Selbstverständnis, die Améry intellektuell kartografierte.

Indem sie Amérys Gedanken auf die gegenwärtigen Debatten legt, zeigt Sanders, wie sein Werk eine Art geistigen Resonanzraum bildet: kein Trostraum, aber ein Raum des Verstehens. Ein Raum, der hilft, das heutige jüdische Erleben nicht als isolierte emotionale Reaktion zu lesen, sondern als Echo jener existenziellen Erfahrungen, die Améry mit literarischer Präzision und philosophischer Härte festgehalten hat.
👉Jean Améry und der 7. Oktober 2023: Das Leiden der „Katastrophenjuden“ | Medaon (Opens in a new window)

Chumasch mit Kommentar von Rabbiner Lord Jonathan Sacks (z’l) – kompakt und nicht kompakt

Der Koren-Verlag hat vor einiger Zeit den Chumasch mit einem Kommentar von Rabbiner Lord Jonathan Sacks (z’l) veröffentlicht. Rabbiner Sacks war ein meisterhafter Kommentator des Chumasch und des wöchentlichen Abschnitts.

Den Chumasch hat Koren in zwei Editionen veröffentlicht. Einer für Nordamerika (derzeit ausverkauft) und einer für Großbritannien (👉 The Koren Humash (UK Edition) – Koren Publishers (Opens in a new window)). Die UK-Edition hat mehr Seiten, ist aber kompakter und handlicher. Das liegt daran, dass Koren hier auf den (nur hebräischen) Raschikommentar und Onkelos verzichtet hat. Es gibt kleinere Anpassungen im hebräischen Text der Torah an den Minhag Anglia (andere Aufrufe). Insgesamt macht die UK/GB-Ausgabe einen smarteren Eindruck. Wer allerdings denkt, er könne das Buch einfach so bestellen, der irrt! Koren verlangt eine britische Adresse für den Versand. Warum ist nicht ganz klar. Aber psst – es soll angeblich über andere Onlineversender von Büchern bestellbar sein… amaz…
Eine längere Rezension wird es mit Sicherheit bald im Blog geben.

Neuerscheinung: False Facts and True Rumors

False Facts and True Rumors von Rabbiner Daniel Z. Feldman untersucht die Halachot zu Laschon HaRa und überträgt diese auf unsere moderne, technologisch geprägte Kommunikationswelt.

Das Buch behandelt u. a. folgende Kernfragen und Themen:

Wie kann es verboten sein, wahre Fakten zu erzählen?
Rabbi Feldman erklärt, warum auch wahrheitsgemäße Aussagen moralischen oder sozialen Schaden anrichten können und daher nach halachischer Sicht problematisch sind.

Schutz der Unschuldigen und gesellschaftliche Verantwortung.
R. Feldman zeigt, wie man durch verantwortungsbewusstes Sprechen sowohl Einzelpersonen schützt als auch die Gemeinschaft stärkt.

Anwendung auf Alltagssituationen: Die Regeln der angemessenen Rede werden auf Bereiche wie Dating, Ehe, Therapie, geschäftliche Interaktionen oder sogar auch auf Comedy angewandt.

Privatsphäre & moderne Medien: Das Buch analysiert, wie soziale Medien, Internetkultur, Journalismus und politische Kommunikation sowohl beeinflusst werden als auch selbst Einfluss darauf nehmen, wie wir sprechen und Informationen verbreiten. Im Grunde genommen eine elaborierte Version von »Tzipporim« (👉 was ist das, Tzipporim? (Opens in a new window)) ;-)

Erhältlich 👉 bei Koren (Opens in a new window)

Neuerscheinung: The True Power of Speech

Bücher zu Laschon haRa haben offenbar Konjunktur (es ist ja auch eine herausfordernde Zeit). Zeitgleich bringt Feldheim ein Buch zum Thema auf den Markt:
The True Power of Speech ist eine tiefgehende Untersuchung der Mitzwa von Schemirat HaLaschon – also des achtsamen Umgangs mit der eigenen Sprache. Das Buch zeigt die Wirkung von Worten und erklärt, wie Laschon Hara nicht nur Menschen schadet, sondern auf universeller Ebene Auswirkungen auf Seele und die Grundpfeiler der Schöpfung haben kann.

Rabbiner Kessin beschreibt die inneren Mechanismen und versteckten Folgen negativer Rede, den Zusammenhang zwischen Sprache, Exil und Erlösung, wie die Vermeidung von Laschon Hara zu spirituellen Höhen führt, bis hin zu außergewöhnlicher Belohnung in der Olam haba (seiner Meinung nach), wie eine kollektive Verbesserung von Sprache sogar die Ankunft des Maschiach beschleunigen könnte.

Wo ist der Unterschied?


Rabbi Daniel Feldman richtet in False Facts and True Rumors den Blick nach vorne, mitten hinein in unsere hektische Informationsgesellschaft. Immer mit der Frage: Was macht diese Information mit anderen Menschen?

Rabbi Mendel Kessin dagegen zoomt in The True Power of Speech weit hinaus. Für ihn ist Sprache nicht nur ein ethisches Werkzeug, sondern eine Kraft, die kosmische Systeme bewegt. Worte können die Seele aufrichten oder schwächen, die Struktur der Wirklichkeit beeinflussen und sogar eine Rolle in der Erlösung spielen. Während Feldman fragt: Was passiert in der Gesellschaft? fragt Kessin: Was passiert auf universeller, ja himmlischer Ebene?

Beide Bücher teilen dasselbe Fundament – Laschon HaRa als moralische Herausforderung –, aber sie führen auf sehr unterschiedliche Wege: Feldman bietet Orientierung im Alltag, Kessin eröffnet eine spirituelle Reise. Wer also wissen möchte, wie man heute klug und fair kommuniziert, greift zu Feldman. Wer verstehen will, warum Worte überhaupt so mächtig sind, findet in Kessin ein Tor zu größeren Zusammenhängen. Vielleicht etwas zu groß.

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