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StreetLetter #26: Festhalten, was es irgendwann einmal nicht mehr gibt

Als ich vor etwa fünfzehn Jahren hier in meinem Viertel im tiefen Frankfurter Westen in einer engen Dachwohnung gewohnt hatte, gab es nicht besonders viele Möglichkeiten, sich im Sommer irgendwo draußen hinzusetzen. Hier im Malocherviertel gibt es keine Cafés, auch Parks mit Bänken sind rar gesät, und dann haben die natürlich auch kein Klo. Irgendwann fand ich die Strandbar “Orange Beach”, eher ein Kiosk am Main mit einem Haufen Sand daneben, dazu ein paar Stühle und Bänke, ein Wirt, ein Hund und ein ziemlich wild zusammengewürfelter Haufen Gäste.

Der Orange Beach bekam recht bald einen geradezu legendären Ruf, weil es im Gegensatz zu den Bänkerschuppen und Hipsterläden so angenehm unprätentiös zuging. Egal, wer man war, wie man rumlief, und auch fast egal, wieviel Geld man hatte – Bier gabs zum Kioskpreis, dazu Wochenends eine Wurst vom Grill. Die Leute kamen zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Kanu – oder mit der Segelyacht und legten am Ufer an.

Ich hatte damals gerade meine Leica M9 relativ frisch, war ahnungslos und schwer in das Gerät verliebt, schleppte es überall mit herum – und so eben auch zum Orange Beach, wenn ich dort wochenends aufschlug, mit einem Buch oder zum Babbeln, manchmal auch mit Badeanzug (der Main ist sommers erstaunlich gut temperiert). Dann begann ich mein Volontariat bei der F.A.Z. im Gallus und fuhr jeden Morgen und jeden Abend mit dem Fahrrad dort vorbei, und abends blieb ich dort öfter noch hängen. Besonders, wenn das Wetter gut war und mich daheim ohnehin nur eine viel zu heiße Dachwohnung erwartete.

Schon seit Jahren, eigentlich seit Bestehen des Orange Beach, geht das Gerücht, die Bahn wolle die Eisenbahnbrücke erweitern, die sich so eindrucksvoll dort über den Fluß spannt. Die Brücke prägt das Strandleben sehr, denn über die Jahre kamen immer mal neue Graffitis am Brückenpfeiler hinzu wie eine neue Tapete, und ständig ratterten die Züge über das Eisen und sorgten für Gesprächspausen. Man unterhielt sich immer im Takt der Bahn.

Nun ist es so weit, Ende des Jahres ist endgültig Schluß. 2026 ist Baubeginn für die Brückenerweiterung, die ICEs brauchen endlich eine eigene Trasse, um sich um Frankfurt herum nicht dauernd zu verspäten. Für den Frankfurter Westen ist das ein harter Schlag, denn es gibt ja sonst kaum etwas. Wo soll man sich denn jetzt treffen? Wo kostet das Bier sonst noch drei fuffzig? Wo ist es egal, wer man ist und wie man aussieht? Eilends wurde eine Petition aufgesetzt, siebentausend Unterschriften hat sie, die Stadtpolitik will sich nun kümmern, der Beach ist Chefsache, Alternativen werden geprüft.

Aber die Zeiten unter der Brücke werden vorbei sein. Es fiel mir zu, als Eingeborene des Frankfurter Westens einen Abschiedsartikel zu schreiben. Ich erwähnte, daß ich auch so etwas wie ein privates Fotoalbum habe. Und so kam es, daß ich die Bilder, die ich ab etwa 2011 gemacht habe, alle wieder hervorholte.

Da waren sie wieder, die Gäste. Manche sind schon vor Jahren gestorben. Andere sind weggezogen, und einige sind noch da. Niemals hätten sie für einen Fotografen posiert, aber ich war ja nur die, die hier auch immer rumhing, halt eben mit Kamera. Irgendeine Macke hatte jeder, und ich eben die Kamera.

Nie hätte ich gedacht, daß diese Fotos mal für irgendwas gut sein würden. Wir waren doch nur ein paar Verrückte am Ufer, auf einem Haufen Sand, neben einem Kiosk. Aber da ist eben auch der legendäre Ruf dieser Strandbar, die jeder mochte, und daher entstand diese Zeitungsseite.

“Dann nehmen wir gar keine von den Fotografenbildern”, sagte die Redakteurin, und so geschah es auch.

(Nur echt mit mindestens einem grindigen Hipstamatic-Bild)

Viele Fotos würde ich heute anders machen. Aber irgendwie ist es auch egal – sie zeigen etwas, was bald weg ist und so nicht mehr wiederkommt.

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Die guten Bilder

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Das hier mit den Ballons hat Tanja bei meinem Workshop Ende August gemacht und ich find’s richtig gut!

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