Liebes Taubenschlag-Publikum,
vorab in eigener Sache: am kommenden Wochenende findet am Freitag und Samstag das DEGETH (Opens in a new window)-Festival statt. Wir berichten im Vorfeld und währenddessen auf Instagram, im nächsten Newsletter gibt es ein paar Highlights zusammengefasst.
Soviel vorab:
Los geht’s am 17.10. um 14 Uhr, zu Ende geht’s mit Preisverleihung und Party am 18.10., Ort wie immer das Bürgerhaus Unterföhring in München.

Standardmäßig dabei sind wieder Gestus und Frankendeaf Show Nürnberg. Rafael-Evitan Grombelka, der 2022 den Preis für den besten Schauspieler abräumte, kehrt als Regisseur für das neu gegründete Juteo Theater zurück. Gespannt darf man auch sein auf Tausendsassa Dominik Nimar in der Regie. Für Verwirrung sorgen dürfe Pinocchio. Hier handelt es sich nicht um die DGT-Dunkelkammer Pinocchios, sondern um ein eigenes Stück. Auch Mathias Schäfer sollte man nicht verpassen. Leider absagen musste Romeo & Jules, eine Neuinterpretation des klassischen Stoffs von Shakespeare. Das DEGETH-Team verspricht aber Ersatzprogramm. Alle Gruppen kann man sich hier (Opens in a new window) angucken.
Also folgt uns rein auf Instagram (Opens in a new window), falls noch nicht geschehen.
Veranstaltungsankündigung - Anmeldefrist bis 17. Oktober! - :
Vortrag: Intersektionale Antisemitismuskritik
Datum: Montag, 20. Oktober 2025
Uhrzeit: 18:00–20:00 Uhr
Ort: Online (Zoom)
Veranstalter: Jewish Intersectional
Mit DGS-Verdolmetschung
Der Vortrag richtet sich an alle Interessierten.
Jüdinnen*Juden bleiben im intersektionalen, feministischen Aktivismus oft unsichtbar. Obwohl Antisemitismus ein globales und intersektionales Problem ist, werden jüdische Perspektiven in feministischer und antirassistischer Arbeit meist ausgeblendet – manchmal sogar durch die Reproduktion antisemitischer Muster.
In unserem Vortrag fragen wir: Woran liegt dieser Ausschluss?
Und: Wie kann intersektionaler Feminismus so weitergedacht werden, dass er Antisemitismuskritik einschließt?
Anmeldung bis zum 17. Oktober 2025 per E-Mail an anmeldung@jewishintersectional.de (Opens in a new window) oder über das Anmeldeformular (Opens in a new window): www.jewishintersectional.de/vortrag-anmeldung (Opens in a new window)
Bitte angeben, ob eine DGS-Dolmetschung benötigt wird.
Szenenwechsel: bei der DGB-Bundesversammlung am 27./28. September waren wir nicht dabei, aber dafür Sehen statt Hören mit 15 interessanten Minuten.
Dauerbrenner: Kulturtage in Friedrichshafen.
Der aktuelle Präses Ralph Raule erklärt, wieso der DGB immer noch ausgebremst ist, Schuld sind mal wieder die Kulturtage.
“Vielleicht waren einige bei den Kulturtagen in Friedrichshafen dabei und haben die Situation vor Ort erlebt? Genau das spiegelt sich auch in den Belegen wider.”
“Es war Chaos.” Könne man, so Raule, gar nicht anders sagen.
Tja nu. Stimmt ja allerdings auch, selbst wenn Sehen statt Hören damals noch nicht so den kritischen Blick auf die Großveranstaltung hatte. (Zum Vergleich hier der Beitrag von damals (Opens in a new window) - könnte man vielleicht auch noch einmal einen Extra-Bericht drüber machen…)
Helmut Vogel, sein Vorgänger, kann es gut begründen: durch den Personalschwund und die Ausdünnung des Präsidiums, bei der auch noch der damalige Kassenwart Thomas Worseck aus gesundheitlichen Gründen abtrat, wurde dem DGB quasi der buchhalterische Rücken gebrochen, weil sich alle verbliebenen Kräfte auf die Kulturtage konzentrierten. Da gerieten die Belege unter die Räder und das Präsidium Raule darf es ausbaden. Das ist kein Pappenstiel, denn von der Buchhaltung hängt die Förderwürdigkeit ab. Also kurz: Würde man einen Verein fördern, der keine Belege beinander halten und Mittelverwendung nachweisen kann? Eben nicht.
So bremsen die Kulturtage jetzt gewissermaßen immer noch den Dachverband aus.
Ein Spiel, das sich seit Jahrzehnten wiederholt, aber zumindest scheint man jedes Mal der Ausgliederung an eine gGmbH näher zu kommen, die sich dann um Veranstaltungen wie die Kulturtage kümmert, so dass der DGB verstärkt die Interessen der Community politisch vertreten kann.
Immerhin: Das finanzielle Polster, welches das Präsidium Vogel aus der großen DGB-Finanzkrise (Ältere erinnern sich) erarbeitet hat, ist immer noch vorhanden, Vogel kann also auf ein unterm Strich eher positives Erbe blicken, auch wenn die Kulturtage inhaltlich-organisatorisch eher eine Bruchlandung waren.
Das aktuelle Präsidium hat jetzt sowohl die gGmbH (inzwischen unter dem Namen “Bli-Baam”) gegründet als auch einen Aufsichtsrat installiert, zumindest zu zwei Dritteln. Sascha Nuhn und Cortina Bittner sind bereits am Start, die dritte Person wird noch gesucht. Ralph Raule ist optimistisch, dass die Firma ihre Arbeit dieses Jahr noch aufnehmen kann, um die Verbandsarbeit zeitgemäßer aufzustellen. Das heißt: Weniger Last für die Leute im Ehrenamt, mehr Unterstützung durch bezahlte Profis.
Dann ging es auch um die Aufarbeitung des Leids durch den Oralismus – die “Entschuldigung von Hamburg” soll weiter verfolgt werden, z.B. durch eine Aufnahme der Anerkennung des Leidens in das Opferentschädigungsgesetz. Raule betonte auch noch einmal, dass Entschuldigungen der anderen Bundesländer ein guter Weg wäre, um die Anerkennung der DGS als Minderheitensprache langfristig zu erreichen bzw. diese vorzubereiten.
Die Berichterstattung über die Bundesversammlung kann man hier (Opens in a new window) anschauen (15 min), im zweiten Teil berichtet Ace Mahbaz über Visual Vernacular (auch 15 min).
peer-to-peer Beratung bei Problemen im Internet
gibts bei JUUUPORT, jetzt auch mit JUUU-Sign in DGS vertreten. Eine DGS-to-DGS-Beratung wird noch aufgebaut, Interessierte können sich aber für kostenlose Workshops anmelden. Zielgruppe sind in beiden Fällen Jugendliche mit DGS-Kompetenz, Infos hier, mit vielen DGS-Videos (Opens in a new window).
Maartje de Meulder hat einen Artikel zum Ferndolmetschen mit AR-Brillen veröffentlicht, also Brillen wie Google Glass oder Apple Vision Pro, die über das, was die Nutzenden sehen, eine Fernverdolmetschung (Video Remote Interpreting, VRI) legen, so dass man gleichzeitig den Blick schweifen und trotzdem immer die Verdolmetschung im Blick haben kann.
Zwei interessante Punkte, die Meulder auch schon mal aufgearbeitet hat: Die Blick-Arbeit ist beim Ferndolmetschen generell weniger belastend für die Tauben Menschen. Außerdem schwächeln Avatare bei Feinarbeit wie Fingeralphabetisieren immer noch stark, aber sind bei groben Bewegungen wie denen der Arme mittlerweile recht verständlich.
Zur Blickarbeit hat Oya Ataman eine schöne Zusammenfassung (Opens in a new window)der Vorarbeit von de Meulder zu dem Thema geschrieben übrigens.
Zurück zum AR-Dolmetschen: Wie gut funktioniert das mit dem Overlay? Erstmal ganz gut, ist aber wie Ferndolmetschen anstrengend sowohl für Dolmis als auch Deafies. Hinzu kommt das Gewicht der Technik, potentielle technische Störungen, Inkompatibilität mit Hörgeräten. Ein Problem ist auch die soziale Akzeptanz von Gesprächsteilnehmenden, die AR-Brillen tragen. Bekanntermaßen etablierte sich im Silicon Valley für Google Glass-Träger schnell der neue Begriff “Glassholes”. Die Brille floppte und fristet ein Nischendasein in der Industrie, wo man vor allem Bedienungsanleitungen parallel zur Arbeit an Maschinen einblenden kann. Also schon nützlich, aber nicht grade alltagstauglich. Meta/Facebook arbeiten grade an kompakteren Modellen, die aber vor allem ohne Display auskommen bisher. Soll sich aber ändern.
Die Studie ist zwar nur begrenzt aussagekräftig – wenig Teilnehmende und nur eine Brillentechnik – aber trotzdem interessant als Vorbereitung auf die Zukunft, die da kommen mag und spätestens seit Corona nicht mehr wegzudenken ist.
Hier der ganze Artikel:
https://dl.acm.org/doi/10.1145/3742886.3756738 (Opens in a new window)In München gibt’s auch andere Veranstaltungen mit DGS, die nicht das DEGETH sind, kann man hier z.B. für den Gasteig nachgucken:
https://www.gasteig.de/veranstaltungen/?date_start=20251022&date_end=20251026&general=mit-gebaerdensprache (Opens in a new window)Technik kann vergehen, Sprache bleibt bestehen. Die Selbsthilfegruppe für CI-Träger in Hochrhein wird “nach dem letzten Workshop zum Thema ‘Gebärdensprache’ am 18. Oktober aufgelöst.” Jedenfalls berichtete das der Südkurier am 8. Oktober.
Spaß beiseite: Der wahre Grund war, dass keine neue Gruppenleitung gefunden werden konnte.
Neu eingestiegen? Die alten Newsletter gibt’s hier: klick (Opens in a new window)
Grüßt:
Wille
P.S.: Heike Heubach sieht noch “viel Luft nach oben” bei der Förderung von Wohnheimplätzen für Studierende. Das sagte sie der taz (Opens in a new window). Man glaubt es kaum: Gehörlose werden auch zu Themen befragt, die nix mit Gehörlosigkeit zu tun haben. Der Deutsche Bundestag macht’s möglich.
P.P.S.: Kuriose Regelung in Österreich: Wenn ein schwerhöriger Mensch sein Testament diktiert und es dann unterschreibt, muss eigentlich festgehalten werden, dass die schwerhörige Person das diktierte Testament selber noch einmal gelesen hat, bevor es unterschrieben wird. Das berichtete die Tageszeitung Die Presse am 13. Oktober in Bezug auf einen Fall, wo ein Testament beinahe ungültig gewesen wäre. Hoppla.
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