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Wie ein Pferd die ganze Familie glücklich machte

Wenn die Kinder ein Haustier wollen- was tun? Ich wollte eigentlich gar keins. Dann kaufte Opa Islandpony Tandri. Und plötzlich stellte sich eine ganz neue Harmonie ein. Ja, das letzte Kind hat Fell- und 4 Hufe.

Gestatten: Tandi, das neue Familienglück! Ich bin ein Isländer-Opa, habe alle Geduld der Welt und mache alle glücklich!

Ich war eigentlich überhaupt nicht dafür. Nicht auch noch die Verantwortung für ein Tier, bitte! Wir haben drei Mädels zu Hause. Das reicht doch eigentlich. Dachte ich. Außerdem gab es da immer wieder diese Albträume mit Hühnern, die ich vergessen hatte, als wir in den Urlaub geflogen sind. Nein, wir hatten nie Hühner. Nur diesen Traum hatte ich ein paar Mal.

Aber zurück zum Pferd: Mein Vater, alter Cowboy, hatte seinen geliebten Paul einschläfern lassen müssen. Eine Seele von einem Pferd. Wir waren alle so traurig, selbst ich heulte Rotz und Wasser. Dann stellte sich heraus, sein zweites Pferd, Sunny, darf nicht alleine gehalten werden. Ist in Deutschland verboten. Und so begann die Suche nach dem Beistellpferd. Für mehr war in unseren Köpfen auch kaum Platz: Schule, Tennis, Wing-Tsun, Klavier, wir hatten zu dem Zeitpunkt nicht zu wenig Hobbys. Opa kam bald mit einem Welsh-Pony um die Ecke. Ein bildhübsches Tier, Augen wie die Plastikpferde von "My Little Pony", (Wer kennt es noch, Kinder der 80er?), aber nicht ausgebildet und mit 4900 Euro auch nicht wirklich ein Schnäppchen. Püppi hieß das Pferchen, alle fanden es süß, aber eigentlich war es ein Tussi-Pferd. Hübsch, aber nix dahinter. Beim Probereiten tippelte es nervös im Paddock, denn reiten war es nicht wirklich gewöhnt. Ich sagte zu meinem Vater: "Wir sind hier nicht bei Germany´s next Top-Hottehü, wir brauchen ein älteres, geduldiges Reitschulpferd, das mit Kindern kann, gutmütig ist und einfach lieb." Danach rief ich bei einem Islandpferdehof an, deren Besitzer ich kannte, weil unsere größte Tochter dort schon zauberhafte Reiterferien verbracht hatte. Bullerbü auf Hufen quasi. Und tatsächlich bot man uns genau so ein Pony an: Isländer Tandri. Ursprünglich sogar Turnierpferd, dann Reitschulpferd, inzwischen etwas zu alt für die Herde, weil man da immer ums Futter kämpfen muss. Schlagartig waren alle verliebt, der Deal eingefädelt, 500 Euro sollte der fellige Freund kosten, eine Schutzgebühr, dass wir ihn nicht zum Abdecker fahren. Als wir heimfuhren und planten, wie wir den Offenstall ausbauen, fühlte ich Druck. Druck, das Tier regelmäßig zu bewegen, sich zu kümmern, den Kindern Reitunterricht zu geben, da ich ja selbst jahrelang geritten war. Lust hatte ich schon, aber reiten ist auch ein Zeitfresser.

4 Wochen später kam Tandri dann zu uns. Und meine Bedenken lösten sich in Luft auf. Mein Mittelkind, das sich so gar nicht an die Grundschule gewöhnen konnte und oft beim Manualtherapeuten war, ging in ihrer neuen Rolle als Pferdebesitzerin total auf. Nach der Schule war sie als erstes im Stall, mistete aus, holte frische Heu und kontrollierte, ob genug Wasser da war. Nachmittags ging sie freiwillig putzen und reiten und abends brachte sie unser neues Familienmitglied "ins Bett", also in den Offenstall, bevor sie selbst Zähne putzte. Zum Therapeuten sind wir seitdem nicht mehr gegangen, denn die Verspannungen kamen nicht mehr wieder. Die Kinder waren ständig draußen, endlich, denn vorher waren sie Stubenhocker. Es kamen auch mehr und mehr Freunde vorbei, Jungs wie Mädels, alle wollten reiten. Und zum Glück war unser Ferienhof-Opa ja einiges gewohnt.

Würde ich inzwischen zum Tier raten? Ja, aber sicher! Unserer Familie hat dieses Pony einfach nur gut getan. Unser Kind, das immer etwas länger braucht, hat nun einen neuen besten Freund. Und die anderen beiden gönnen ihr das Vorrecht von Herzen. Es fühlt sich fast so an, als hätte dieses Pony eine Lücke geschlossen, von der wir vorher gar nicht wussten, das es sie gab.

Wann ein Haustier Sinn macht - und wann nicht

Aber Moment mal. Bevor ihr jetzt alle losrennt und euch einen Wellensittich kauft: Es gibt schon ein paar Dinge zu bedenken. Ich war ja selbst skeptisch. Drei Kinder, Schule, Tennis, Wing-Tsun, Klavier - wer braucht da noch ein Tier? Dachte ich. Aber manchmal täuscht man sich eben.

JA zum Haustier, wenn:

  • Euer Kind Struktur braucht, so wie meine Mittlere, Theresa. Nach der Schule erstmal zum Stall, ausmisten, Heu holen, Wasser kontrollieren. Plötzlich hatte sie einen festen Tagesablauf. Ohne dass ich sie dazu zwingen musste.

  • Ihr ein Kind habt, das sich schwer tut. Bei uns war es die Grundschule, bei euch ist es vielleicht was anderes. Tiere urteilen nicht. Sie finden dich auch toll, wenn du in Mathe ´ne Vier geschrieben hast oder beim Therapeuten warst.

  • Euer Kind Verantwortung lernen soll. Ein Pony putzt sich nicht selbst. Und wenn man das Futter vergisst, schauen einen große Augen vorwurfsvoll an. Das wirkt.

  • Ihr Stubenhocker zu Hause habt. Bei uns waren sie vorher kaum rauszukriegen. Seit Tandri da ist, sind sie ständig draußen. Auch die Freunde haben jetzt noch einen Grund mehr, vorbeizukommen.

  • Ihr merkt plötzlich, dass da eine Lücke ist, die ihr gar nicht kanntet. So ging es uns jedenfalls.

NEIN zum Haustier, wenn:

  • Ihr schon mit dem normalen Chaos überfordert seid. Ein Tier macht nicht weniger Arbeit, sondern mehr. Auch wenn die Kinder schwören, sich alleine zu kümmern. Spoiler: Tun sie nicht.

  • Ihr nicht das Geld habt. Tandri kostete nur 500 Euro, aber der Stallumbau, das Futter, der Tierarzt... Das läppert sich. Ohne Opas Wunsch und die Notwendigkeit hätten wir auch nicht darüber nachgedacht.

  • Ihr zu viele Hobbys habt. Ich dachte auch, wir platzen aus allen Nähten. Aber manchmal sortiert sich das von selbst. Die Mädels haben andere Sachen dafür aufgegeben.

  • Ihr euch nicht sicher seid. Dann wartet lieber. Tiere spüren Zweifel. Und sie haben ein Recht auf Familien, die sie wirklich wollen.

Warum Tiere manchen Kindern so gut tun

Was ist denn nun passiert bei uns? Warum hat sich mein Mittelkind so verändert? Die Verspannungen waren weg, der Therapeut überflüssig, plötzlich hatte sie einen besten Freund. Und die anderen beiden gönnten ihr das sogar!

Ich glaube, Tiere sind ehrlich. Tandri war völlig egal, dass meine Tochter mit der Schule auf Kriegsfuß stand. Er fand sie trotzdem toll. Jeden Tag. Bedingungslos. Das ist was anderes als wir Eltern, die ständig nachfragen: "Wie war's denn heute?" und dann doch ungewollt ein bisschen enttäuscht gucken.

Außerdem machen Ponys nicht das, was man von ihnen will. Manchmal hat Tandri einfach keinen Bock. Dann steht er da und rührt sich nicht. Egal wie sehr man bettelt. Das ist erst mal frustrierend, aber Kinder lernen dadurch Geduld. Und dass nicht alles nach ihrem Kopf geht.

Bei Theresa konnte ich sehen, wie sie selbstbewusster wurde und eine neue Identifikationsmöglichkeit hatte. Plötzlich war sie diejenige, die wusste, wie man ein Pony putzt. Die anderen Kinder fragten sie um Rat. Sie war die Expertin. Das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas richtig gut zu können, hat ihr unfassbar gut getan.

Und wenn sie einen miesen Tag hatte? Dann ging sie zu Tandri, erzählte ihm alles. Das Pony hörte zu, ohne zu bewerten. Ohne Ratschläge zu geben. Manchmal ist das genau das, was Kinder brauchen. Einen Zuhörer, der einfach da ist.

Übrigens ist das nicht nur so ein Bauchgefühl von mir. Eine Studie hat ergeben, dass sich 75 % der Kinder, die mit Haustieren aufwachsen, an ihr Tier wenden, wenn sie sich emotional belastet fühlen. Tandri war also auf einmal ein Ansprechpartner mehr.

Und noch was Interessantes: Erwiesenermaßen sinken Herzschlag und Blutdruck von Kindern, sobald ein Tier in der Nähe ist, wenn die Schultasche geöffnet und die Bücher zum Lernen herausgeholt werden.

Auch spannend: Eine Studie der Universität Bonn zeigt, dass besonders Katzen bei der Bewältigung von Lebenskrisen eine große Hilfe sein können. Demnach spenden die Mauzis psychisch Erkrankten Trost und Lebensfreude und wirken der Einsamkeit entgegen. Das gilt übrigens nicht nur für Katzen. Psychotherapeuten der Medizinischen Hochschule Hannover fanden heraus, dass die Begegnung mit Tieren positive Effekte auf den Heilungsprozess von depressiv Erkrankten hat. Das Stimmungsbild der Betroffenen war noch drei Wochen nach dem Tierkontakt wesentlich heller.

Klingt alles sehr wissenschaftlich, aber im Grunde bestätigt das nur, was wir als Familie erlebt haben.

Das Kleingedruckte

Aber ich will auch ehrlich sein: Tiere sind kein Wundermittel. Wenn ein Kind professionelle Hilfe braucht, dann ersetzt kein Pony den Therapeuten.

Was ich gelernt habe: Man nichts erzwingen. Meine anderen beiden Töchter mögen Tandri auch, aber diese besondere Verbindung haben sie nicht. Ist auch okay so. Jedes Kind ist anders.

Und falls ihr euch jetzt fragt, ob es unbedingt ein Pferd sein muss: Natürlich nicht! Der Grundgedanke funktioniert auch mit Kaninchen, Hunden oder sogar Wellensittichen. Es geht darum, dass das Kind Verantwortung übernimmt und bedingungslose Liebe erfährt. Das schaffen auch kleinere Tiere.

Nur eins ist natürlich klar: Am Ende sind immer die Eltern verantwortlich. Auch wenn die Kinder schwören, sich um alles zu kümmern. Tun sie nämlich nicht immer. Und dann steht ihr da und fragt euch, warum ihr euch das angetan habt. Ich geh´ dann mal fröhlich die Helme, das Putzzeug und ein paar qualmende Socken in Stiefeln einsammeln.

Topic MOMLIFE & FAMILIE

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