
Neulich kamen wir auf das Thema Supermodels. Mein Mann und ich haben über die 90er gesprochen, über den Duft von CKone, die Ära der Supermodels, die irgendwann einfach total vorbei war. Zeit für ein paar Gedanken zu wandelnden Schönheitsidealen.
Kürzlich fragte ich meine große Tochter Karlotta, 15, ob Sie wüsste, wer die Supermodels waren. Sie fragte nur: „Kendall Jenner?“ Ich konnte nur entrüstet „Nein, ganz sicher nicht.“ sagen. Natürlich nicht, weil sie die Ära der Supermodels nicht kennt, nicht kennen kann, sondern weil Kendel Jenner einfach mal eine ganz andere Nummer ist.
Sie steht für Follower, Plastik und Spritzen, auch für ein beeindruckendes Geschäftsmodell, klar, aber eben ein anderes. Während Cloooodia, Naomi, Christy, Cindy und Linda in den 90ern ja einfach Naturschönheiten waren, und durch Sport und gesunde Ernährung gesund und schlank aussahen, ist heute das Hinspritzen und Hinoperieren völlig normal. Und je länger ich darüber nachdenke, ist es fast absurd: In den 90ern gab es auch diesen Trend, dünn sein zu wollen. Kate-Moss-dünn, auch etwas drüber, keine Fage. Ich war selbst ziemlich engagiert, täglich joggen und habe irgendwann gemerkt, dass ein Apfel und eine Banane am Tag nicht funktionieren. Also habe ich wieder normal gegessen, mich normal bewegt und war zufrieden. Sicher kann man da auch übertreiben, keine Frage. Aber in der jetzigen Gegenwart ist es völlig normal, sich als Ersatzteillager zu betrachten: Dir gefällt deine Nase nicht? Operieren! Deine Brüste sind zu klein? Operieren! Du willst gerne Schlauchbootlippen ausprobieren? Aufspritzen! Alles kein Problem. Nasen, Brüste und Lippen gibt es am Fließband, wenn du etwas Kleingeld übrig hast. Dann frage ich mich: Ist es das, was wir unseren Kindern vermitteln wollen? Sogar Hinternimplantate sind ja heute kein ungewöhnlicher Hingucker mehr. Dazu kommen noch Filter, die über jedes Bild gelegt werden. Natur gibt es nicht mehr. Eigentlich ganz schön pornoid. Und der Film läuft 24/7 in unseren Apps. Clooodia & Co gab es nur einmal monatlich in der Vogue, die meine Mama kaufte und aus der ich Collagen für unsere Freundebücher und Briefhefte in meinem Zimmer bastelte. So harmlos dagegen!
Kendal Jenners Body ist ein Kunstprodukt. Es geht nicht um schlank und gesund, es geht um künstlich-perfektioniert. Social Media verzerrt unser Selbstbild- gilt auch für Erwachsene, aber die sind immerhin schon groß. Was ich mich frage: Was macht das mit den jungen Menschen? Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Plastische Chirurgie von 2023 hat Social Media für über 70 % der jungen Patientinnen einen Einfluss auf den OP-Wunsch. Längerer Konsum von derartigen Inhalten können zu Depressionen, Realitätsverlust, Ess- und Körperwahrnehmungsstörungen führen. Besonders betroffen: Junge Mädchen.
Jetzt gibt es natürlich tolle Tipps, wie man damit besser umgehen kann: Accounts entfolgen, wenn man sich nach dem Scrollen schlecht fühlt, die Bildschirmzeit bewusst planen und Pausen einlegen, hinterfragen, was man sieht, sich mit Filtern beschäftigen und sich insgesamt mehr mit realen Menschen umgeben. Logisch, wer will schon über seinen Avatar leben? Aber ganz frei werden wir uns davon bestimmt nicht machen. Schön wäre, wenn wir zu unserer Natur zurückfinden würden. Eigentlich ist der Trend ja schon vorprogrammiert, aber wer weiß, ob wir ihn noch erleben? Der OP- und Optimierungstrend ist momentan scheinbar auf dem Höhepunkt, aber es gibt auch schon Kritik und erste Gegenbewegungen. Häufiger liest man, alle sähen gleich aus. Immer mal wieder zeigen sich Influencer auch ungeschminkt, wobei sie nicht sooo ungemacht aussehen, aber es ist ein Anfang. Und mein Teenie liebt gerade den Clean girl look, der auch Natürlichkeit und mentale Balance statt Perfektion anpeilt. Erste Tendenzen also spürbar. Anti-Schönheit wird es nie geben, aber Raum für Authentizität. Trotzdem überkommt mich fast etwas Wehmut, wenn ich mir alte Modestrecken der 90er angucke oder Fotos von Lady Di. Neulich zeigte ich Karlotta ein paar Bilder der Kennedys, speziell von Caroliyn Bessette-Kennedy. Es war eine Bilderstrecke auf Instagram. Und Karlotta sagte:“ Sehr cool, sehr classy! Und so natürlich und stilvoll!“
„Und nicht so nackt!“ ergänzte mein mittlere Tochter Theresa, 8.
Es bleibt Hoffnung.
Date
July 30, 2025
Topic
MINDSET & PERSPEKTIVE
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