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THOW Newsletter | Ausgabe 6 🕊️ Werkstattbrief 454 • Wie ein König

Der Text in THOW 454 stellt drei Fragen, ohne sie zu benennen. Ich möchte sie hier mit euch teilen.

Erste: Was ist der Mensch, wenn er alles hat? Die Antwort kommt in Vers 7–10 — nicht als Urteil, sondern als Beobachtung. Sattheit enthüllt. Wer genug hat, will mehr. Wem es zu wohl ist, dem jucken die Finger. Das war im Paradies nicht anders. Der Mensch hätte der Versuchung widerstehen können — und wäre damit frei geworden, weil er die Prüfung bestand. Er tat es nicht. Seitdem ist der lange Weg die einzige Alternative. Nicht Strafe — der lange Weg zum selben Ziel: Gemeinschaft mit Gott "nach seinem Ebenbild". Damit wir am Ende wieder da sind, wo Adam und Eva waren, um uns nun anders zu entscheiden. Doch dazwischen brauchte es nun das Kreuz.

Zweite: Warum suche ich Gott erst in der Not? Vers 13–15 gesteht es ohne Beschönigung. Die Umkehr im Wohlergehen findet meist nicht statt — nicht weil sie unmöglich wäre, sondern weil der Mensch keine Notwendigkeit verspürt. Der verlorene Sohn kehrte nicht um, bevor er bei den Säuen landete. Er hätte es früher gekonnt. Das ist kein Mechanismus. Das ist Bestandsaufnahme. Weil der Mensch sich der göttlichen Natur selbst entäußerte und sie nun wieder finden muss, indem er sich dagegen entscheidet ein gefallener Mensch zu sein mit allen seinen Sehnsüchten. Indem er die Gnade annimmt, eine zweite Chance zu haben. Indem er wieder Kind Gottes wird.

Dritte: Was ist Königswürde, wenn sie im Ablegen der Krone besteht? Vers 19–22 trennt Würde von Privileg. Was abgelegt wird, ist die Selbstherrlichkeit — nicht das Amt. Was bleibt, ist Verpflichtung, Dienst, Verkörperung. Christus machte Wein aus Wasser, feierte mit Freunden, weinte mit Bedürftigen. Königtum lässt sich nicht aus Lehrbüchern lehren. Es muss gelebt werden. Beurteilt von einem König, der nicht auf die Krone sieht, sondern auf das Herz. Gelebt in einer Beziehung, nicht in einem Dekret.

Der Text betet, was er beschreibt: Lehre mich! Es ist kein Programm. Es ist eine Bitte — und darin bereits Antwort. Ich bin bereit den langen Weg zu gehen! Ich will ihn nicht abkürzen, um es mir einfacher zu machen. Aber ich will ihn verkürzen, indem ich schneller lerne. Weil ich verstehe, nicht weil ich leide. Weil ich es verinnerlicht habe, nicht weil der Druck von außen groß genug ist. Weil ich Christus anziehe.

Gott mit euch!
Topic Werkstattbriefe

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