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Bandenkrieg im Ländle

Logo »TITANIC-Wochenrückblick. Der endgültige Newsletter«

Liebe Leser*innen,

seit Tagen ist es schon auffallend ruhig und ereignislos im Bundestag: Niemand weint in der Kantine, weil Alois Rainer den letzten Schokopudding ergattert hat, niemand versucht, Lars Klingbeil einen angelutschten Finger ins Ohr zu stecken, und niemand bekommt einen Schreikrampf, wenn jetzt nicht sofort alle Syrer abgeschoben werden. Die wunderbare Ruhe hat einen verblüffenden Grund:

Carsten Linnemann schaut in die Kamera und lächelt verhalten, dazu der Text: "Fast menschlich, bei Ekeln beliebt: Shein stoppt Verkauf von Sexpuppe mit kindlichem Aussehen."
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Während ganz Berlin aufatmet, muss die Baden-Württembergische KriPo erstmal tief ausatmen, und zwar aus Überforderung. Denn im Ländle herrscht Bandenkrieg. Der TITANIC-Wochenrückblick erklärt, warum:

Diese Gründe sind am wahrscheinlichsten:

  • Eine Bande hat vor ihrem Vereinsheim die Kehrwoche nicht eingehalten

  • Die Mutter eines ranghohen Bandenmitglieds wurde als »Schafferle« bezeichnet

  • Eine Lösegeldzahlung wurde nicht wie vereinbart verzinst und obendrein zwei Tage zu spät überwiesen

  • Ein Bandenmitglied beschallte aus seiner A-Klasse heraus nach 22 Uhr die andere Bande mit »Die da« von Fanta 4

  • Ein Bandenmitglied wurde vergiftet (Käsespätzle mit Margarine zubereitet statt mit Butter)

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Doch nicht nur im Ballungsraum Stuttgart lauern überall Gefahren, auch draußen in der Natur ist niemand mehr sicher:

Gezeichneter Cartoon: Eine Person schlendert mit den Händen in den Hosentaschen über einen Feldweg, neben dem ein Verkehrsschild steht, auf dem ein stilisiertes Rhönrad abgebildet ist. Von hinten nähert sich eine gereizt schauende zweite Person, die der ersten zuruft: "Hallooo! Runter vom Rhönradweg!"

Ob zu Land oder zu Wasser, überall kann man überrollt, ertränkt oder von einer Kanone kaputtgeschossen werden. Darauf freut sich schon Kolumnenveteran Torsten Gaitzsch:

Torsten Gaitzsch trinkt eine Tasse Kaffee und schaut in die Kamera

Heute: Seeschlachten und Gefängnisinseln

Mein Ex-Kollege und lieber Weggefährte Leo Fischer sagte einst, ein Bonmot A. Einsteins variierend: »Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber ich weiß, womit sie im vierten Weltkrieg kämpfen werden – mit Phaserkanonen und Blastergewehren.«

Na ja, wie der seit etlichen Wintern bang bzw. hufenscharrend erwartete WK III vonstatten gehen wird, kann sich einigermaßen lebhaft ausmalen, wer die gegenwärtigen Einzelkonflikte auf der Welt extrapoliert: Schmutzig wird er sein, asymmetrisch geführt, mit dem Joystick statt im Schützengraben ausgefochten, Rakete gegen Abwehrsystem statt Mann gegen Mann.

Wenn ich mir etwas für den dritten/Dritten Weltkrieg wünschen dürfte, dann, dass er ausfällt, ersatzweise aber, dass er zu ein paar geilen Seeschlachten mit ehrwürdigen Schlachtschiffen führt! Zweihundert Jahre nach der Schlacht von Navarino, dem letzten ausschließlich mit Segelschiffen durchgeführten Gefecht, ist es mal wieder an der Zeit für Szenerien, die unsereins nur von opulenten Turner-Gemälden kennt. Noch zwei Jahre bleiben den Kriegsparteien in spe, eindrucksvolle Flotten aufzustellen, die dann bspw. im Mittelländischen oder Steinhuder Meer aufeinandertreffen können.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ein Faible für altmodische Konzepte habe (mit neuem Twist!), weswegen ich an dieser Stelle gerne nachschiebe, dass ich – ungeachtet einer Nähe zu gewissen Fantasien des Ekels Donald Trump (Stichwort Alcatraz) – auch die Rückkehr von Gefängnisinseln begrüßen würde. Selbstverständlich möchte ich nicht, dass jemand auf einer solchen bis an sein Lebensende schmort. Aber etwa einen Jugendlichen, der zu einem Freizeitarrest verurteilt worden ist, würde ein Wochenende auf einem Knast-Eiland doch bestimmt hinreichend beeindrucken. Als deutsche »Teufelsinsel« böte sich die zuletzt unter Tourismuseinbruch und Vernachlässigung leidende Hamburger Insel Neuwerk an. »Aber es gibt doch bereits eine Gefängnisinsel in Deutschland!« werden Sie jetzt einwenden: Hahnöfersand. Die liegt allerdings in der Elbe und hat damit kaum das Zeug zur Legende. Neuwerk wiederum wurde ins Wattenmeer geflanscht, auch nicht gerade abschreckend. Aber was sollen wir machen, Helgoland zwangsräumen? Die Île d’If besetzen? Wir haben ja nicht mal eine taugliche Armada.

Wer auf eine Gefängnisinsel gebracht wird, kann sich gleich zwei klassische hypothetische Fragen auf einmal stellen: 1. Welches Buch würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen? 2. Welches Buch würdest du mit ins Gefängnis nehmen? Letztere hat Nicolas Sarkozy neulich beantwortet: »Der Graf von Monte Christo«. Wie passend! Außerdem will der in Ungnade gefallene ehemalige französische Präsident irgendeine Jesus-Biographie wegschmökern und natürlich selbst ein Buch schreiben. Das ist der Promibonus: Bist du berühmt genug, kannst du deinen Zellenaufenthalt direkt nach der (garantiert vorzeitigen) Entlassung wenigstens noch kommerziell verwerten. Was dem wegen wiederholten Automatenaufbrechens 18 Monate absitzenden Ganoven-Ede durch den Kopf geht, interessiert hingegen kein Schwein. Nun, vielleicht werden bald standardmäßig Kurse für kreatives Schreiben in den hiesigen JVAs angeboten und eine Flut von Knacki-Memoiren überrollt uns. Die konkurrieren dann mit den unvermeidlich kommenden Weltkriegstagebüchern.

Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:

Ihre TITANIC-Redaktion

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Hamburger Allee 39
60486 Frankfurt am Main

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