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#Klimafolgen #Anpassung #Unicef-Report
Die kleinsten Fußabdrücke der Welt
Weltweit gibt es fast kein Kind mehr, das nicht von der Klimakrise betroffen ist. Zeit, dass wir die jungen Generationen besser schützen – und endlich mitreden lassen.

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, sind da noch ziemlich intensive Gefühle, Gerüche und Bilder. Wie ich Detektivgeschichten auf Kassette anhöre, wie ich Diddl-Blätter tausche, wie ich mit Taschenlampe unter der Decke Jim Knopf lese, der Piniengeruch beim Campen in der Toskana, wie endlos sich die Ferien anfühlen können, das Freibad, die schrumpelige Haut und das Kaugummi-Eis.
Die meisten von uns wissen bestimmt noch, wie schön es sein kann, Kind zu sein. Manchmal sehnen wir uns vielleicht sogar in unsere frühen Jahre zurück – und trotzdem fehlt es uns manchmal ganz schön an Mitgefühl für die, die heute Kinder sind.
Wie sonst lässt sich erklären, wie Kinder in unserer Gesellschaft behandelt werden?
Sie werden zum Spielen auf eingezäunten Sandhaufen abgesetzt, damit sie nicht überfahren werden. Sie werden kaum vor die Tür gelassen, bekommen Bildschirme in die Hand gedrückt und verlieren dadurch den Kontakt zur Natur. Sie werden in stickige Klassenzimmer gesperrt, wo sie zu konkurrierenden Einzelkämpfer*innen erzogen werden, die ihre Fantasie lieber schleunigst gegen stumpfen Fleiß eintauschen sollten.
Eine Umfrage unter Kindern (Opens in a new window) in zehn Ländern weltweit ergab, dass 84 Prozent der Befragten mindestens mäßig besorgt über die Klimakrise sind, 59 Prozent sind sehr oder extrem besorgt. Viele erleben Klima-Angst bis hin zu Depression. Und im aktuellen Schulbarometer (Opens in a new window), einer repräsentativen Umfrage, die jährlich in deutschen Schulen durchgeführt wird, gaben Lehrer*innen an, dass Kinder zunehmend aggressiv, unmotiviert und psychisch belastet sind.
Wir stehlen den Kindern die Welt (Opens in a new window) und wundern uns dann, dass sie am Rad drehen. Dabei wäre doch der offensichtliche erste Schritt in Richtung einer besseren Zukunft, sich um diejenigen zu kümmern, denen sie gehört – und das sind nunmal die jungen Generationen. Wir müssen Kinder endlich ernst nehmen.
Wir haben an dieser Stelle eine kleine Überraschung für Dich. Du kennst doch sicher die Bürgerwerke – der Ökostromversorger unterstützt unser Projekt schon seit vielen Jahren. Mit dem Bürgerwerke-Team haben wir jetzt ausgemacht: Wer aus der Treibhauspost-Community mit seinem Stromtarif zu den Bürgerwerken wechselt, bekommt 50 Euro geschenkt. Das ist doppelt gut, denn wer von dort Strom bezieht, fördert damit den Bau neuer Solar- und Windkraft-Anlagen in Bürger*innen-Hand.
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Der Children’s Climate Risk Report
Vor kurzem erschien ein neuer Bericht von Unicef (Opens in a new window), der Klimafolgen für Kinder analysiert. Die Kernaussage: Weltweit sind fast alle Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren) von der Klimakrise bedroht. Fast alle.
Die häufigsten Risiken für junge Menschen sind Dürren, extreme Hitze und Überschwemmungen – beziehungsweise eine Kombination aus all dem. Im Bericht ist die Rede von „Kaskaden an multiplen, sich überschneidenden Gefahren“.
Eine Dürre zum Beispiel könnte eine solche Kaskade auslösen, wenn sie Ernten vernichtet und Hunger auslöst, gleichzeitig aber auch Waldbrände begünstigt. Ein Waldbrand wiederum verschmutzt die Luft, die Kinder einatmen. Und er lässt karges Land zurück, das heftige Regenfälle nicht mehr abfedern kann. Die Gefahr für Sturzfluten steigt, diese können Häuser, Schulen oder Krankenhäuser zerstören, wodurch wiederum Schutz und Chancen für Kinder wegfallen.

Das klingt vielleicht nach unwahrscheinlichem Horrorszenario. Doch die Risiken sind für viele Kinder völlig real. Für ganz schön viele, um genau zu sein. Im Bericht heißt es, dass fast die Hälfte aller Kinder in Gebieten leben, in denen sie mindestens drei Klimarisiken gleichzeitig ausgesetzt sind. Das sind 1,1 Milliarden Kinder.
Kinder sind besonders anfällig
Kinder stecken Klimafolgen deutlich schlechter weg als Erwachsene. Sie schwitzen zum Beispiel weniger, ihre Körper erhitzen sich schneller.
Für sie ist es besonders anstrengend, wenn die Sonne so knallt wie letzte Woche in großen Teilen Europas. Unvorstellbar, wie es sich zum Beispiel für Kinder in Indien oder Pakistan anfühlen muss, wo in den vergangenen Wochen die Thermometer bis zu 50 Grad (Opens in a new window) anzeigten.

Bei Starkregen oder Stürmen dagegen sind Kinder anfälliger für Unterkühlung. Sie haben zudem weniger Kraft als Erwachsene, um Wind oder Hochwasser standzuhalten. Ihr Risiko ist damit höher, sich zu verletzen oder zu ertrinken.
Dann ist da noch die Sache mit den Lungen: Weil sich die bei Kindern noch entwickeln, atmen sie viel schneller als Erwachsene und nehmen deutlich mehr Schadstoffe auf, zum Beispiel den Rauch bei Waldbränden oder Staub und Schmutz, der von Stürmen in die Luft gewirbelt wird.
Und das sind nur die körperlichen Folgen. Was ist mit der emotionalen und psychischen Belastung? Ich kann mir das Trauma gar nicht ausmalen, das eine Zehnjährige durchleben muss, die wegen einer Flut von einem Tag auf den anderen ihr Zuhause verliert, fliehen muss und ihre Freundinnen und alles, was ihr lieb ist, zurücklassen muss.
Apropos Flucht: Schaut man in die Nachrichten, könnte man denken, dass Krieg und Konflikte die häufigste Fluchtursache sind. Tatsächlich passierte es 2024 aber mehr als doppelt so oft (Opens in a new window), dass Menschen (innerhalb ihres Landes) wegen Naturkatastrophen vertrieben wurden. Und die werden erwiesenermaßen durch die Klimakrise intensiver und wahrscheinlicher – gut veranschaulicht ist das in dieser Übersicht über Attributionsstudien von Carbon Brief (Opens in a new window).

Wie gut Kinder Klimafolgen bewältigen können, hängt laut dem Unicef-Report stark davon ab, wie viel Zugang sie zu elementarer Grundversorgung haben, also zum Beispiel zu Krankenhäusern, Schulen, Wasser oder gesunder Ernährung. Je weniger davon für Kinder verfügbar ist, desto stärker ist ihr Leben durch Klimafolgen gefährdet.
Wassermangel zum Beispiel ist eine der unmittelbarsten Klimafolgen. Die Zahl der Menschen (Opens in a new window), die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, ist in den letzten Jahren zwar gesunken. 2024 waren unter ihnen aber immer noch 634 Millionen Kinder.
Und die Klimakrise wird es nicht einfacher machen, nicht nur wegen Hitze und Dürren. Starkregen und Fluten zum Beispiel können Sanitäranlagen beschädigen und Abwässer und Müll in Gewässer spülen und sie verseuchen. So wie 2022 bei der großen Flutkatastrophe in Pakistan (Opens in a new window).
Damals verloren über fünf Millionen Menschen den Zugang zu sauberem Wasser. Insgesamt waren von der Flutkatastrophe 33 Millionen Menschen betroffen, die Hälfte davon waren Kinder.
Erst vor gut einem halben Jahr reichten übrigens 39 Bäuer*innen aus Pakistan Klage gegen RWE (Opens in a new window) und den Zementhersteller Heidelberg Materials ein. Sie sehen eine Teilschuld für die Fluten bei den Konzernen und fordern insgesamt rund eine Million Euro Entschädigung.
Auch der fehlende Zugang zu Bildung macht Kinder anfälliger für Klimafolgen – weil ihre Chancen sinken, sich eine stabile Zukunft aufzubauen. Allein im Jahr 2024 konnte wegen Hitze oder Stürmen für 242 Millionen Schüler*innen kein Unterricht stattfinden. Erst kürzlich wurde im französischen Soustons (Opens in a new window) der Schulbetrieb an zwei Tagen unterbrochen, weil die Grundschule ein Glasdach hat und sich das Gebäude auf 53 (!) Grad erhitzte. Ein Kind wurde ohnmächtig, mehrere erbrachen sich.

In Ländern wie Somalia, Niger, Tschad, Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik ist die Grundversorgung für Kinder weltweit am schlechtesten. Die Vulnerabilität von Kindern – also ihre Verletzlichkeit – gegenüber Klimafolgen ist dadurch dort am höchsten.
In Deutschland ist die Grundversorgung vergleichsweise gut. Aber auch hier sind laut den Daten von Unicef (Opens in a new window) fast alle Kinder mindestens einem Klimarisiko ausgesetzt (knapp 98 Prozent). Zwei von drei Kindern sind mindestens zwei Risiken gleichzeitig ausgesetzt – am häufigsten ist die Kombination aus Hitzewellen und Dürren (so wie wir es gerade erst erlebt haben).
Was sich Kinder wünschen, wenn man sie fragt
Es ist absurd, wie sehr Kinder schon jetzt unter der Klimakrise leiden, während alte weiße Männer (und Frau Reiche) in klimatisierten Räumen sitzen und entscheiden, neue Gaskraftwerke zu bauen oder Verbrennermotoren und fossile Heizungen weiter zu erlauben – kurz: denjenigen die Zukunft zu verbauen, die bei all dem kein Wort mitreden dürfen.

Kinder haben am wenigsten zur Klimakrise beigetragen, gleichzeitig sind sie es, die am meisten ausbaden müssen. Trotzdem werden sie kaum gehört. Wir nehmen Kinder zwar im besten Fall als vulnerable Gruppe wahr, aber nicht als politische. Dabei sind Kinder keine passiven Opfer, sie sind selbst Akteure, die ein Recht auf Mitgestaltung haben.
Wir müssen Kinder mit an den Tisch holen. Aber wie kann das genau aussehen? Nehmen wir das Beispiel der Stadtplanung. Viele Städte sind nicht für Kinder, sondern vor allem für lebensgefährliche Blechkisten gebaut. (2024 kamen auf ein Kind in Deutschland fünf zugelassene Autos.) Dabei zeigen Studien und Befragungen immer wieder, wie man Kinder in die Stadtplanung einbeziehen kann – und vor allem: was sie sich unter einer lebenswerten Stadt vorstellen.
In einer norwegischen Studie (Opens in a new window) zum Beispiel haben Forscher*innen mit Kindern Rundgänge gemacht und Interviews geführt. Die Kinder sollten ihre Ideen und Wünsche zudem aufzeichnen und mit Lego nachbauen. Heraus kam, dass sie sich vor allem mehr Grünflächen wünschen, mehr Raum zum Spielen, mehr Orte für die ganze Familie und mehr Sicherheit, etwa auf ihrem Schulweg.
In einer aktuellen Befragung in Hannover (Opens in a new window) waren die Ergebnisse ähnlich. Kinder wünschen sich sichere Schulwege, weniger Verkehr, mehr Grünflächen und sie wollen in Entscheidungen besser einbezogen werden. In Münster (Opens in a new window) wünschen sich Kinder zudem mehr Bäume, Schattenplätze, saubere Parks, Trinkwasserspender, sichere und breite Fahrradwege, besseren ÖPNV, mehr Platz zum Spielen und weniger Autos.
Kinderrechte zwischen Belgershain und Brasilien
In manchen kleinen Projekten werden Kinder sogar bereits beteiligt, so wie in Belgershain bei Leipzig (Opens in a new window). Dort soll die Grundschule klimafit gemacht werden. Um die Kinder in die Planung einzubeziehen, sollten sie ihre Wünsche aufmalen und Modelle für einen Pausenhof basteln, auf dem sie gerne Zeit verbringen würden.

Ein weiteres Vorzeige-Beispiel ist der Jugendklimarat Bremerhaven (Opens in a new window). Etwa 20 Schüler*innen werden für zwei Jahre als Ratsmitglieder gewählt und treffen sich in regelmäßigen Sitzungen. Dabei entwickeln sie eigene Projekte, die von der Kommune finanziell unterstützt werden. Sie haben zum Beispiel schon ein Repair-Café ins Leben gerufen, Bäume gepflanzt, Wiesenblumen ausgesät und eine Aktion gegen Plastiktüten gestartet.
Außerdem dürfen die Schüler*innen an den Sitzungen des Bau- und Umweltausschusses teilnehmen und dort mitreden. Zu ihren Forderungen gehören: saubere Energie für Bremerhaven, ein Bike-Sharing-Projekt, ein verbesserter Busverkehr und eine autofreie Innenstadt.
Kinder besser zu schützen und sie mitreden zu lassen, ist kein Nice-To-Have. Es sind ihre unveräußerlichen Rechte – und die sind schwarz auf weiß in der UN-Kinderrechtskonvention (Opens in a new window) festgeschrieben. Da steht zum Beispiel drin, dass Kinder ein Recht auf Spiel haben, auf eine saubere Umwelt, auf Gleichberechtigung und auf Mitsprache.
Der Kinderrechtskonvention sind übrigens 196 Staaten beigetreten, mehr als bei allen anderen UN-Konventionen. Genau hier liegt für mich eine große Hoffnung: Kinder zu schützen, ist doch eigentlich ein No-Brainer – etwas, worauf sich alle einigen können.
Und Ausreden gibt es längst keine mehr, denn Beispiele, wie Kinderschutz in der Klimakrise gehen kann, gibt es genug. Unicef etwa setzt sich dort ein, wo es Kinder am härtesten trifft: In Pakistan fördert die Organisation flächendeckend Solarenergie. Durch die verlässliche Energieversorgung können zum Beispiel Schulen und Krankenhäuser gekühlt und Impfungen sicher gelagert werden.
Und im Irak hat Unicef Systeme zur Behandlung von Abwasser installiert. Dieses kann dadurch wiederverwertet werden, Umweltverschmutzung und Wasserknappheit sinken, wodurch Millionen Menschen, darunter viele Kinder, mit Wasser versorgt werden können.
(Opens in a new window)Eines der ältesten Projekte, das Klimaschutz international und gemeinsam mit Kindern angeht, stammt vom Städtenetzwerk „Climate Alliance“. Schon 2002 hat das Netzwerk die Bildungsinitiative „Green Footprints (Opens in a new window)“ gestartet, bei der inzwischen fast vier Millionen Kinder mitgemacht haben.
Die Idee: Kinder bekommen für klimafreundliches Verhalten in ihrem Alltag Punkte. Für jede Strecke, die sie zum Beispiel zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Zug zurücklegen, sammeln sie einen grünen „Footprint“. Dadurch lernen sie spielerisch, wie sie in der Klimakrise aktiv werden können.
Gleichzeitig wird ihre Stimme in der internationalen Klimapolitik gehört: Letztes Jahr übergaben Jugenddelegierte die gesammelten Footprints symbolisch an die Teilnehmer*innen der Klimakonferenz COP30 in Brasilien – und machten damit klar, dass Kinder weltweit eine Zukunft einfordern.
Vielen Dank fürs Lesen! Aus der Treibhauspost-Community hören wir ziemlich oft, dass Kinder für viele der größte Antrieb sind, um sich für Klimaschutz einzusetzen. Kennst Du noch andere mutmachende Projekte mit Kindern oder Jugendlichen in Deiner Nähe, die wir in unserer nächsten Ausgabe mit der Community teilen können? Antworte uns einfach auf diese Mail oder schreib an hallo@treibhauspost.com (Opens in a new window).
Zum Schluss noch ein Shoutout an alle Mitglieder, die diese Ausgabe möglich gemacht haben. Wenn auch Du mit uns zusammen die Klimafahne hochhalten willst, werde jetzt Treibhauspost-Mitglied und unterstütze unseren Klimajournalismus mit ein paar Euro im Monat. Vielen Dank!
Unser Klimasong diesmal heißt New World Water (Opens in a new window), vom US-amerikanischen Rapper Mos Def, der heute unter dem Namen Yasiin Bey bekannt ist.
‘Cause while these knuckleheads is out here sweatin’ they goods
The sun is sitting in the treetops burnin’ the woods
And as the flames from the blaze get higher and higher
They say, ‘Don’t drink the water! We need it for the fire!’
Die nächste Treibhauspost bekommst Du am 18. Juli.
Herzliche Grüße
Manuel
(Opens in a new window)👨🏻🎨 Illustration wie immer in Handarbeit von Manuel
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