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Nacht voll Schatten (24/50)

Ein Rätsel, liebe Koapier-Community,

zum Start in dieses Kapitel: Was haben die deutsche Band Blumengarten (“Du bist gut genug”) und die niederländische Partyband Snollebollekes (Opens in a new window) (“Links - rechts (Opens in a new window)”) gemeinsam?

Sie stehen auf der Rückseite des Themas, das uns Peter Wittkamp diese Woche schenkt:

Peter hat sich für uns in die Welt der eingedeutschten Cover-Versionen eingearbeitet. Dabei geht es um Lieder, die als englischsprachige Version erfolgreich waren - und nun eine deutsche Fassung bekommen (hier im Newsletter schon in der Version von DJ Ötzi Thema (Opens in a new window)).

Bei Blumengarten und Snollebollekes liegt der Fall genau anders rum: sie sind in ihre Heimatland populär - und werden jetzt in die Welt getragen. Blumengartens “Du bist gut genug” ist das bekannteste Meme dieser Tage (Opens in a new window) und der niederländische Fangesang von Snollebollekes wird gerade auch in den USA gehüpft. Das ist so ansteckend, dass nach der EM in Deutschland Ikke Hüftgold eine deutsche Fassung (Opens in a new window) des niederländischen Originals (Opens in a new window) auf den Markt brachte - obwohl es keinen Unterschied gibt zwischen rechts und links in den Niederlanden und in Deutschland.

Bei meinem Lieblings-Cover der Woche gibt es einen Unterschied - aber das erfahrt Ihr ganz am Ende dieses Newsletters.

Eine gute Woche wünscht:
Dirk

P.S.: Nächste Woche feiert dieser Newsletter 25. Kapitel-Geburtstag. Zum Jubiläum würde ich gerne eine kleinen Instagram-Account starten - würde mich sehr freuen, wenn du @kopieren_kapieren (Opens in a new window) hier folgst!


Schatten/Nacht

“Nacht Voll Schatten” (Opens in a new window) von Juliane Werding, die deutsche Version von “Moonlight Shadow” (Opens in a new window) von Mike Oldfield. Vorgeschlagen von Peter Wittkamp (Opens in a new window), den ich für einen - womöglich den - lustigsten Menschen im deutschsprachigen Internet halte. Hier auf Steady schreibt er den Newsletter Wittkamps Woche (Opens in a new window) und gerade ist sein Buch “Das erzählen wir besser nicht der Mama” (Opens in a new window) erschienen.

Ich würde gerne in meinem Beitrag für deinen Newsletter voller wunderbarer Fundstücke an eine Tradition erinnern, die leider ein bisschen in Vergessenheit geraten ist.

Als ich sehr jung war, in den 80er Jahren, vielleicht auch noch in den frühen 90ern, gab es das Phänomen, dass internationale Hits gelegentlich auf Deutsch gecovert wurden. Kann halt nicht jeder Englisch.

Eine meiner Lieblingsversionen ist bis heute „Nacht voll Schatten (Opens in a new window)“ von Juliane Werding, also die Übersetzung von Mike Oldfields „Moonlight Shadow“. Es gab aber auch deutlich ungewöhnlichere Ausflüge, etwa das sensationelle Black-Sabbath-Cover „Der Hund von Baskerville (Opens in a new window)“ von Cindy und Bert oder die deutsche Version von „Paint It Black“, die Karel Gott als „Schwarz und Rot (Opens in a new window)“ eingesungen hat.

Erfreulicherweise haben sich einige spätere Bands an dieses fast vergessene Genre erinnert. Die Kölner Band Wolke zum Beispiel hatte eine Radio-Reihe namens „Popdolmetscher (Opens in a new window)“, bei der internationale Songs in sehr eigenständige, oft pianolastige deutsche Versionen übersetzt wurden. Auch auf ihren regulären Alben fand sich immer ein Song, der nach demselben Prinzip entstanden war.

Lobend erwähnen möchte ich außerdem die ebenfalls aus Köln stammende Band Erdmöbel. Diese hat gleich ein ganzes Album veröffentlicht (Opens in a new window), auf dem internationale Songs in ihrem ganz eigenen Stil auf Deutsch interpretiert werden.

Nicht zu vergessen natürlich der legendäre Perrecy, der die Smiths und Morrissey auf Deutsch und mit seiner Ukulele (!) (Opens in a new window) covert.

Weitere nennenswerte Erwähnungen:

Ich bin ein Nichts (Opens in a new window)“ – Gunter Gabriel („Creep“)

Weil mein Herz dich nie mehr vergisst (Opens in a new window)“ – Vicky Leandros („My Heart Will Go On“)

Herz aus Glas (Opens in a new window)“ – Marianne Rosenberg

Ob-La-Di, Ob-La-Da (Opens in a new window)“ – Howard Carpendale

Wunderbar ist die Welt (Opens in a new window)“ – Roy Black

Berlin, Berlin (Opens in a new window)“ – Harald Juhnke

Die Antwort weiß ganz allein der Wind (Opens in a new window)“ – Marlene Dietrich

Und für Mutige: „Menschen (Opens in a new window)“ von Thomas Anders.

Killer!

Ich finde: Es ist höchste Zeit, diese Tradition wiederzubeleben. Umgekehrt wäre es natürlich auch möglich, dass Helene Fischer endlich mal „Breathless Through the Night“ auf dem internationalen Markt ausrollt.

Kontext

(A6) Die Erkenntnis der Woche lautet: Kopierbarer Content wird durch seinen Kontext wertvoll! Wie lässt sich das schöner illustrieren als an den aus dem Kontext gerissenen eingedeutschten Versionen? Sie klingen vielleicht wie die Vorlagen - aber ihre Bedeutung entsteht nicht aus dem Inhalt. Ihre (mangelnde) Bedeutung erklärt sich aus dem Kontext.

Denn erst der Kontext schafft den Wert - deshalb ist die Kopie auch kein Raub am Original, sondern die Schaffung eines neuen Kontext’ (Opens in a new window) (Folge 9) - denn der Begriff des Raubs ist ohnehin fragwürdig (Opens in a new window) (Folge 10).

Meta-Daten schaffen Kontexte. Diese Kontexte lesen zu lernen, ist eine eigene Aufgabe. Dazu dann mehr in einer künftigen Folge zur Kopierkompetenz.

Ich habe für diesen Newsletter hier einen Instagram-Account angelegt. Und während ich das hier tippe, hat @kopieren_kapieren (Opens in a new window) tatsächlich keinen Follower. Kannst du das ändern?

Hier (Opens in a new window) geht es zum aktuellen Zwischenstand vor dem Halbzeitpfiff kommende Woche.

https://www.youtube.com/watch?v=duGAqGa5NGs (Opens in a new window)

Dass ich die Übersetzungen der Crucchi Gang ins Italienische mag, habe ich hier schon mal erzählt (Opens in a new window). Diese Woche habe ich diese wunderbare David-Bowie-Version von Francesco Wilking (Opens in a new window) in Dauerschleife gehört. Auf Instagram erklärt er wie es dazu kam (Opens in a new window).