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Sichtbarkeit ist scary – und schön

Das Logo von women & arts: Dunkellila Schrift auf helllila Grund. Um das Wort "arts" liegt ein orangefarbener Kreis.

Sichtbarkeit ist scary.

Wer sich mit seinem Gesicht, seiner Stimme, seiner Geschichte nach draußen wagt, macht sich angreifbar, verletzlich.

Das ist für Menschen, die das nie gemacht haben, schwer verständlich. Es ist leicht, vom heimischen Sessel aus die Menschen da draußen zu beurteilen. Aber wer versucht, auf Instagram sein erstes Reel zu drehen, versteht sofort, was das wirklich bedeutet: sich zu zeigen.

Öffentlich sprechen – mit und ohne Skript

Umso krasser ist die Angelegenheit, wenn wir in unserem eigenen Namen sprechen. Wenn hinter dir keine Institution steht, keine Firma, keine Gruppe von Menschen mit einem beeindruckenden Namen.

Ich habe in meiner Kirchenzeit oft vorne gestanden, am Pult. Habe Vorträge gehalten, von meinen Erfahrungen erzählt. Ich tat das mit nur wenig Herzklopfen, ich habe mich in dieser Position wohlgefühlt.

Ich habe die Bühne schon damals geliebt.

(Und deshalb hat mich der Satz “Die, die wollen, wollen wir nicht”, der im Zentrum meiner Kurzgeschichte Vergänglicher Ruhm (Opens in a new window) steht, umso härter getroffen.)

Ich schätze die Erfahrungen, die ich auf dieser Bühne sammeln konnte. Seit ich 14 war, stand ich regelmäßig – etwa alle zwei Wochen – vor Publikum und habe gesprochen, frei, mit eigenen Worten.

Was ich dabei alles gelernt habe, wird mir erst heute so richtig klar.

Doch auch, wenn ich in diesen Jahren gelernt habe, frei und spontan zu sprechen, gab es hinter mir immer ein größeres Skript, in das sich meine Rede einfügte. Es ging nicht um das, was ich wirklich dachte, fühlte, erkannte, wahrnahm. Sondern darum, eine vorgefertigte Wahrheit zu verkünden: Gottes Wort, wie es genannt wurde.

Das gab mir beim Sprechen Ruhe und Sicherheit. Ich wusste um das Skript, ich wusste um die Inhalte, ich wusste um die richtige Art und Weise.

Ich trat ans Pult und tat unvermeidlich das Richtige.

[dramatische Pause]

Bis ich mir anmaßte, in meinem eigenen Namen zu sprechen.

Über das, was ich denke, sehe, fühle.

Das Gewicht von Eigenverantwortung

Seit ich begonnen habe, über meine Erfahrungen zu sprechen, ist mir der Boden unter den Füßen weggebrochen. Die gute sichere Wahrheit, an die ich mich mein Leben lang gehalten habe, gab es nicht mehr.

Ich gebe zu, dass ich sie ab und an vermisse.

Das Gefängnis, das ich für diese Wahrheit akzeptieren musste, vermisse ich allerdings nicht.

Jeden Schritt, den ich gehe, muss ich nun selbst verantworten. Es gibt kein Skript, keine Institution, kein Anspruch auf ein höheres Wesen, das meine Sichtweise approbiert. Es gibt nur mich, meine Sicht, meine Erfahrung und all das, was ich durch Austausch mit anderen aufsauge.

Das macht Sichtbarkeit so scary.

Es ist das volle Gewicht der Verantwortung für jedes einzelne öffentlich gesprochene Wort.

Und jetzt kommt’s:

Trotz dieses Gewichts habe ich entschieden, diese Verantwortung leicht zu nehmen.

Ihr glaubt nicht, wieviel Scheiß mir in den vergangenen Jahren erzählt worden ist. Mit Rückendeckung einer mächtigen Institution, die jahrtausendelang Zeit hatte, ihre Inhalte auf solide Füße zu stellen. Hat sie aber nicht. (Liegt vielleicht daran, dass Frauen an diesen Inhalten nicht mitarbeiten durften? Kleiner Seitenhieb –)

Ich spüre also das Gewicht der Verantwortung auf meinen Schultern – aber ich lasse mich davon nicht erdrücken.

Ich spreche in meinen Texten wahrheitsgemäß von meinen Erfahrungen, meinen Eindrücken, meinen Gedanken. Einige werden sich über die Zeit verändern, andere nicht.

Ich stelle keine Doktrin für jahrtausendewährende Gültigkeit auf, bemühe nicht die Entstehung des Abendlands oder die mütterliche Ursuppe, um meine Position zu rechtfertigen.

Ich spreche. PUNKT.

Von dem Punkt aus, an dem ich gerade stehe.

(Scheint für manche schlimm genug zu sein.)

Wo wir gerade davon reden – es gibt Neuigkeiten:

Ich habe öffentlich gesprochen!

Sichtbarkeit ist scary – aber sie macht auch Spaß und ist unglaublich empowernd. Im letzten Newsletter habe ich diesen Schritt mit einem Foto angeteasert – nun ist es offiziell:

⭐️ Ich kann stolz verkünden, dass ich meinen ersten Gastauftritt in einem Podcast absolviert habe. 🤩

Wie kann sie nur? ist der Podcast von Eva Loschky – ein Talk mit Frauen, die ihre Stimme erheben und gehört werden.

Podcast-Visual von Wie kann sie nur?, dem Podcast von Eva Loschky. (Opens in a new window)

So ein gesprochenes Interview war nochmal eine ganz andere Hausnummer als meine Newsletter-Texte hier. In einem geschriebenen Text kann ich an meinen Worten feilen, bis es passt. Ein Interview ist mehr eine Performance: Du sagst etwas, und so, wie du es sagst, wird es festgehalten. Kein Zurückspulen, nochmal anhören, verändern, verbessern.

Mir hat das Gespräch großen Spaß gemacht – und doch blieb ich am Ende mit dem mulmigen Gefühl zurück: Gott, was hast du da wohl alles gesagt?! Inzwischen bin ich ganz beruhigt: Ich stehe hinter meinen Worten – und ich freue mich, wenn du für dich etwas daraus ziehen kannst.

Screenshot von der Podcast-Aufnahme: Die Gesichter von Eva Loschky und Miriam Schaan im Gespräch

Für mich war es ein würdiger Einstand – und ein sehr schönes, offenes Gespräch. Ich erzähle von meiner Geschichte, wie ich meinen Weg aus den religiösen Zwängen fand, das Schreiben neu für mich entdeckte und was das alles mit dem Mut zu tun hat, der eigenen Stimme zu folgen. Höre dir die Folge gerne an!

Hier geht’s zur Folge auf Spotify. (Opens in a new window)

Und hier bei Apple Podcasts. (Opens in a new window)

Danke an dich, liebe Eva, für die Einladung!

Und danke an alle, die meine Sichtbarkeit so wohlwollend begleiten. Ohne Rückendeckung würde das alles gar nicht gehen.

Und wenn du selbst Inhalte, Gedanke, Erfahrungen hast, die in Form von Texten raus in die Welt möchten und du dir dafür Rückenwind, Unterstützung und konkretes Knowhow wünschst, dann sieh dir hier mein Schreibcoaching-Angebot an (Opens in a new window). Ich würde mich irre freuen, dir dabei zu helfen, den Gedankenwust zu sortieren und deine ganz eigene Stimme in deine Texte zu bringen.

Wenn du auf ein Zeichen gewartet hast, um damit anzufangen: Hier ist es! ✍️💪 (Opens in a new window)

Alles Liebe

Miriam

❤️

Austauschabend für Kreative – und alle, die es gerne wären 😊

Gentle reminder: Lisa Kohl und ich richten einen besonderen Abend für die kreativen Köpfe unter euch aus:

Am Donnerstag, den 30.4. um 19.15 Uhr wollen wir mit euch über kreatives Schaffen, Sichtbarkeit und finanzielles Auskommen sprechen.

Es geht uns dabei um einen offenen, ehrlichen Austausch. Wie findet man als Kreative das eigene Publikum? Welche Möglichkeiten haben wir, uns sichtbar zu machen?

Wir wollen insbesondere auch über Mitgliedschaftsmodelle wie Patreon oder Steady sprechen und über Wege, sich auch abseits der ausgetretenen Pfade (Verlage etc.) mit seinem Schreiben (oder Malen, Singen, Tanzen, whatever) zu zeigen.

Denn eines ist sicher: Wir wollen unsere Kreativität nicht davon abhängig machen, ob uns Verlage wählen oder nicht. Wir wollen unsere Bücher nicht in den Schubladen verschimmeln lassen, nur weil sie als nicht verkaufbar gelten.

Was wir stattdessen wollen: Uns miteinander verbinden, uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam nach Wegen suchen, uns mit unserer Kunst in die Welt zu bringen.

Neugierig und in irgendeiner Weise kreativ unterwegs? (Oder noch nicht wirklich unterwegs, aber mit einem starken Wunsch dazu? Auch gut!) Komm dazu!

Der Abend ist kostenlos. Anmeldung einfach per Mail an mich, dann setze ich dich auf die Liste. Den Link zum Abend verschicke ich dann kurz vorher per Mail.

Tag: 30.4.26 (Do)

Uhrzeit: 19.15 Uhr

Ort: online

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In meiner Erzählung Vergänglicher Ruhm verarbeite ich meine Vergangenheit in einer streng religiösen Glaubensgemeinschaft.

Wir befinden uns in einer eiskalten Kirche, an einem Sonntagabend kurz vor dem Advent. Kati, ein vierzehnjähriges Mädchen, hört mit ihrer Familie den alljährlichen Adventsvortrag, den sie aus unzähligen Jahren auswendig kennt. Doch dieses Jahr hinterlassen die Worte, die sie hört, tiefe Spuren…

Zur Geschichte geht es hier entlang. (Opens in a new window)

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