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Die Größe des Augenblicks

Die Welt kann ins Wanken geraten, Systeme können zerbrechen und Gewissheiten können verschwinden.

Und doch: In einem einzelnen Menschen geht das Leben weiter.

Er steht morgens auf.

Er erinnert sich an einem Sommertag an seine Kindheit.

Er denkt an jemanden, den er verloren hat.

Er trägt eine Melodie in sich, die niemand hört.

Während da draussen vielleicht alles größer wirkt als er, ist in ihm ein eignes Universum in Bewegung.

Ein Mensch besteht nicht nur aus dem, was er tut. Er besteht auch aus dem was er erlebt.

Ein Blick aus dem Fenster. Ein leiser Gedanke, oder ein Moment, indem er spürt: ich bin hier.

Das ist keine Kleinigkeit, das ist kosmisch.

Denn für dieses Bewusstsein ist die Welt nur einmal da. Aus genau dieser Perspektive und dieser Konstellation.

Vielleicht unterschätzten wir, was ein einzelnes Leben bedeutet.

Wir reden über Gesellschaft, über Entwicklungen und über Strukturen.

Aber jedes Geschehen wird immer nur von einem einzelnen Menschen erlebt.

Mit seinem Herzschlag.

Mit seiner Angst.

Mit seinem Staunen.

Vielleicht ist das die eigentliche Größe: Nicht die Systeme, nicht die Schlagzeilen. Sondern die Tatsache, dass ein Mensch fühlt, denkt und erinnert.

Und vielleicht ist Würde nichts anderes, als das zu wissen.

(inspiriert von The Life of Cuck)

Bianka Seredinski-Holzner

Zwischenraumtexte 2026

Topic Philosophisches Essay