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Stimulanzienkonsum bei älteren Erwachsenen mit höherem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse im ersten Monat verbunden

Es dürfte bei uns noch die absolute Ausnahme sein, wenn über 65 jährige Menschen erstmals mit ADHS-Medikamenten therapiert werden. Ich habe aber in den vergangenen Wochen 2 Klientinnen neu diagnostiziert und neu eingestellt. Zugegeben : So ganz große Sorgen um kardiovaskuläre Risiken habe ich mir nicht gemacht.

Aber immerhin hatten wir neben der klinischen Untersuchung eben ein Labor und EKG vorher gemacht. Und das aus gutem Grund ...

Neue Forschungsergebnisse unter der Leitung von Mina Tadrous, Assistenzprofessorin an der Leslie-Dan-Fakultät für Pharmazie der Universität Toronto, deuten darauf hin, dass die Einnahme von verschreibungspflichtigen Stimulanzien bei älteren Erwachsenen das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse innerhalb der ersten dreißig Tage der Medikamenteneinnahme um 40 Prozent erhöht.

Die Studie wurde  in JAMA Network Open veröffentlicht und ist eine der ersten Studien, die den Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Ereignissen bei älteren Patienten trotz ihres erhöhten Ausgangsrisikos und dem zunehmenden Einsatz von Stimulanzien zur Behandlung verschiedener Erkrankungen in dieser Gruppe, darunter Depressionen, Erholung nach Schlaganfall, motorische Funktionen und Müdigkeit, untersucht.

"Der Einsatz von verschreibungspflichtigen Stimulanzien bei älteren Erwachsenen hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Daher müssen wir die mit diesen Medikamenten verbundenen Risiken auf breiter Ebene untersuchen, um das Bewusstsein der Patienten zu schärfen und die sichere Anwendung der Medikamente zu verbessern", so Mina Tadrous, Apothekerin und Leiterin der Studie.

"Wir fanden ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzrhythmusstörungen bei Patienten, die diese Medikamente innerhalb der ersten dreißig Tage nach Beginn der Einnahme einnehmen.

Um das relative Risiko von Herz-Kreislauf-Ereignissen im Zusammenhang mit der Einnahme von Stimulanzien zu bestimmen, untersuchten die Forscher Einwohner von Ontario im Alter von 66 Jahren oder älter anhand von Daten aus bevölkerungsbezogenen Gesundheitsdatenbanken vom 1. Januar 2002 bis zum 31. Dezember 2016.

Sie verglichen 6.457 ältere Erwachsene, die mit der Einnahme von Stimulanzien begannen, mit 24.853 vergleichbaren älteren Erwachsenen, die keinen solchen Konsum begannen.

Die Ergebnisse zeigten ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko in der Gruppe, die Stimulanzien einnahm.

Interessanterweise stellten die Forscher auch fest, dass das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse im ersten Monat des Konsums am höchsten war, dann aber nach 180 Tagen und auch nach einem Jahr nach dem Konsum abnahm.

Dieses abnehmende Risiko lässt sich durch eine Reihe möglicher Faktoren erklären, unter anderem dadurch, dass die Patienten, bei denen kardiovaskuläre Probleme auftraten, die Medikamente absetzten, höchstwahrscheinlich in Abstimmung mit den Ratschlägen der Gesundheitsdienstleister, sagte Tadrous.

"Wir halten diese Ergebnisse für wichtig, weil sie dringend benötigte Beweise liefern, um die Verschreibungsentscheidungen von Gesundheitsdienstleistern zu unterstützen und damit Patienten und Betreuer sich der mit diesen Medikamenten verbundenen Risiken bewusst sind und wissen, worauf sie bei der ersten Einnahme achten müssen", sagte er.

Aus meiner Sicht ist es ziemlich wahrscheinlich, dass bei diesen Klienten eben schon ohne Medikation ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko-Profil bestand. Und dann die Wirkung der Medikation auf den Sympathikus mit Blutdruck- und Pulserhöhung bzw. Gefässverengung eine Rolle spielen könnte.

Also ein guter Grund, dann doch vorher auf solche Risikofaktoren zu achten.

Insgesamt finde ich es aber gut und wichtig, auch oder gerade bei "Senioren" an das Vorliegen von ADHS und Autismus zu denken und dann auch eine Behandlung mit Medikamenten zu erwägen.

Sorgfallt ist gut und richtig.  Aber NICHT-Behandlung möglicherweise noch gefährlicher als die hier beschriebenen Auffälligkeiten in den ersten 30 Tagen der Therapie. 

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