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Eine Handvoll Bunt - zweite Ausgabe

gehört - geschmeckt - gefühlt - gerochen - gesehen

Bunter Newsletter aus der Wort & Klang Küche (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Almut Schnerring

Willkommen hier, in einer Unterkategorie unseres Wort & Klang-Küchen-Newsletters. Ihr habt’s vielleicht längst entdeckt, bei mir hat es bisschen gedauert, dass die Plattform Steady ermöglich, die eigenen Posts nach Kategorien zu ordnen. Die meisten unserer bisherigen Ausgaben drehen sich um die Rosa-Hellblau-Falle oder es geht um EqualCare und Gesellschaftskritik. Aber zu Weihnachten 25 habe ich zum ersten Mal “Eine Handvoll Bunt” verschickt, ein Newsletter außer der Reihe mit 5 Tipps: gesehen, gehört, gespürt, geschmeckt und Schnauze voll. Hier kommt Ausgabe zwei.

Foto: MentalOverLoad, ©Almut Schnerring, 2022

Und wenn Euch diese Ausgabe gefällt, gebt mir doch ein Zeichen, bzw. lass mich wissen, was Dir fehlt, denn ich möchte Dich Teil haben lassen an meiner bunten Sammlung an Klebezetteln, Erinnerungen und “nicht-vergessen”-Nachrichten.

Los gehts mit einer Handvoll Bunt:

gehört

Podcast übers Gehen

Zuhören, wie Christine Thürmer übers Wandern spricht - dazu hatte ich hier eine Empfehlung geschrieben - Christine Thürmer ist die “meistgewanderte Frau der Welt”, hat 70.000 Kilometer auf Wanderwegen in 40 Ländern zurückgelegt. Heute mag ich dem Podcast, in dem ich sie gehört hatte, keine Reichweite mehr schenken: zu viel Alltagssexismus auf Seiten des Hosts, zu wenig Bewusstsein über seine Privilegien, manchmal allzu selbstgefällig in seiner Fragestellung, und er lädt sehr viel mehr Männer als Frauen ein - also hören wir doch anderswo hin: Christine Thürmer war auch zu Gast beim Podcast von ‘Outside is free’ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre):

Ich habe ihr sehr fasziniert zugehört, vielleicht auch, weil sie so ganz anders ist als ich. Dieser Ehrgeiz, diese akribische Planung und Hartnäckigkeit - ich kann vor allem den einen Teil überhaupt nicht nachempfinden, der sich aufs Körperliche bezieht: Nass und mit Blutegeln am Körper im Wald schlafen und trotzdem am nächsten Tag kilometerweit wandern? Alleine, ohne Worte, ohne Begleitung, mehrmals im Jahr gehen, gehen, gehen, gehen…. Interessant, wie unterschiedlich Menschen ticken! Viel Spaß beim Hören. Vielleicht auch live, denn es gibt jetzt im April drei Veranstaltungen mit ihr (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)und Ende des Jahres weitere.

geschmeckt

Suppengeschichten

“Die Mutter hat zuerst nur ein kleines Stück von der Suppengeschichte erzählt, und das Kind hat zugehört. Es hat den Mund weit aufgemacht für den Löffel, und jetzt hat ihm die Suppe auf einmal gut geschmeckt. Genauso gut haben den Mäuschen die Nüsse geschmeckt.[…] Genauso gut hat dem kleinen Pferd das grüne Gras geschmeckt. Die Mutter hat noch ein Stück von der Suppengeschichte erzählt, und die Suppe hat dem Kind immer besser geschmeckt…”

Hier kommt ein Buchtipp aus der Vergangenheit. Die “Siebenundzwanzig Suppengeschichten” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)von Ursula Wölfel sind von 1968, aber bis in die 2000er wurden sie noch neu aufgelegt. Bei solchen Antiquitäten stößt man ja häufig auf übelste Stereotype, die man damals vielleicht noch nicht erkennen konnte, aber ein “Also ich habe das damals gerne gelesen” hilft hier nicht. Es braucht den neuen Blick von heute, ein Check mit der Gender-Brille. Und so viele Bücher sind auf diese Weise bei uns im Altpapier gelandet. Auch wenn sich die Geschichte in der Erinnerung so schön anfühlt - wohl weil die Nostalgie die Rosa-Hellblau-Falle verblassen lassen möchte -: es lohnt nicht! Werft weg, was alte Rollenbilder zementiert und findet was Besseres. Aber klar, es gibt Ausnahmen. Das Buch mit den Suppengeschichten ist eine davon. Ich habe sie als Kind gelesen, habe sie meinen eigenen Kindern vorgelesen, habe sie mitgenommen in meine Vorlese-Workshops für Erzieher*innen, und ich empfehle sie heute hier. Es gibt sie nur noch gebraucht zu kaufen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), aber sie sind wirklich nett: Auf jeder Doppelseite ein Bild und eine Mini-Geschichte: zum Beispiel die von der Pudding-Katze, Von der großen Matsche, und die von der Dreh-Hops-Wipp-Tute-Maschine. <3

gefühlt

Inspiration

… bekam ich durch ein Coaching bei Christiane Metzner, Gründerin von findingfutures (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), - sie ist Beraterin im Bereich Ehrenamt- & Engagementförderung für NGOs und bietet dazu auch einen Ausbildungsgang an. Und weil wir uns schon länger kennen, und sie sich mit Fragen, Zuhören und Strukturieren gut auskennt, habe ich mich über einen längeren Zeitraum hinweg mehrmals mit ihr online verabredet, auf dass sie mir jede Menge achtsame Fragen stellt und solche zur Selbstreflexion. Bei mir gings um meine vielen Jobs, Ehrenämter und aktivistischen Projekte, die ich nicht so gut unter einen Hut bekomme, wie ich es mir wünschte. Und durch das Coaching ist mir erst so wirklich bewusst geworden, wie sehr Achtsamkeit und Erfolge-Feiern zu kurz kommen bei mir: immer nur vorwärts rennen, ohne irgendwann mal auf den zurückliegenden Weg zu schauen, ohne einmal stehen zu bleiben und die Aussicht zu genießen? So geht’s jedenfalls hier nicht weiter. Diese Treffen haben viel in meinem Alltag verändert.

Und ich erzähle davon an dieser Stelle bewusst, weil Coaching nicht nur für solche Themen da ist. Es kann um jedes berufliche oder private Anliegen gehen, bei dem man Begleitung braucht – um den Weg nicht allein suchen zu müssen. Eigentlich sollte jede*r mindestens einmal im Leben die Chance auf ein Coaching haben. Hattest du schonmal eins und was hast du daraus mitgenommen?

Edit: diesen Textblock habe ich schon vor einiger Zeit geschrieben, nicht wissend, dass ich selbst in 2026 eine Coaching-Ausbildung anfangen würde: demnächst bin ich dann selbst zertifizierte systemische Coachin - erst letzte Woche habe ich mir die URL equalcare-coaching.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gebucht. Tja, so fügt sich manchmal eins zum anderen.🍀

gerochen

Nase voll

… von antidemokratischen Köpfen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Ja, ich habe wirklich sowas von die “Schnauze voll” von Menschen, die sich als “Journalist*in” einen Namen gemacht haben, um sich dann mit großer Reichweite gegen alles zu stellen, was der Pressekodex hergibt: “Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde” steht da ganz oben. Ja, auch wenn meine nach rechts abgerutschte Schul-Ex-Freundin Birgit (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) das nicht glauben würde: es gibt “Ethische Standards für den Journalismus (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)”. Aber weil sich immer weniger daran halten, frage ich mich inzwischen immer öfter, in welcher Situation es womöglich von Nachteil ist, mich auch selbst Journalistin zu nennen. Wozu überhaupt noch? Auslöser war diese fürchterliche Ausgabe der Talkshow „Caren Miosga", die rechte Narrative normalisiert und blaue Köpfe ans Mikro holt. Aber das ist ja nicht die erste Sendung dieser Art:

Die Fragestellung und die Wahl des Gesprächspartners sind Ausdruck einer weiteren Normalisierung extrem rechter, autoritärer, demokratie- und menschenfeindlicher Positionen, die derzeit nicht nur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk stattfindet.

Ich habe deshalb den Appell2026 unterzeichnet (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), und Du kannst das auch tun:

Wir fordern deshalb die Medien, insbesondere den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dazu auf

  • menschenfeindliche und antidemokratische Ideologie als solche zu benennen und nicht zu verharmlosen

  • Demokratie- und Menschenfeindlichkeit nicht als mögliche Alternative zu einer demokratischen und auf humanistischen Werten basierenden Gesellschaftsordnung darzustellen, sondern im Sinne des Programmauftrags im Medienstaatsvertrags deutlich zurückzuweisen

  • Sendezeit nicht für die Selbstdarstellung von Antidemokraten, sondern für demokratische und humanistische Diskurse zu verwenden

gesehen

Verbringt frau seine Zeit?

Ich führe Tagebuch. Also ein bisschen. Nicht sehr konsequent, und auch nicht in der herkömmliche Variante, mit der ich als Teenagerin einige grün-samtige Bücher gefüllt hatte : “Zum Frühstück das neue Müsli getestet, danach Anne getroffen, war okay. Abends zu lange ferngesehen…”, sondern ich übe mich im Festhalten von schönen Momenten, indem ich das “6-Minuten-Tagebuch - Schreib dich glücklich” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (Dominik Spenst) auf den Nachttisch liegen habe. Dazu passt: “Das gute Buch“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von ‘Ein guter Plan. Auch darin Ideen, Fragen, Listen, die einladen, nicht von Termin zu Termin zu hetzen, sondern sich Zeit zu nehmen und mal zu schauen, was einem eigentlich wichtig ist, und womit man eigentlich gerne, gar nicht, oder viel lieber die eigene Zeit verbringt.

PS. über den letzten Halbsatz gestolpert?

Erst stand da “… und womit man viel lieber seine Zeit verbringt.” Daran stört mich das “man”, aber ich habe mich dagegen entschieden, jedes Mal alle “man”-Stellen umzuformulieren, sondern nur dann, wenn ich schnell eine Lösung finde. An der Stelle dachte ich, lass ich’s jetzt mal wieder sitzen. Aber dann ging’s ja weiter, denn auf ein “man” folgt hier grammatikalisch logisch: “seine Zeit”. Und das kam mir dann doch zu absurd vor, denn ich verbringe definitiv niemals “seine” Zeit, sondern in erster Linie MEINE! Das nur am Rande ;-)

Alles Gute in die Runde,

bunte Grüße und einen Sack voll Wahlfreiheit

schickt

Almut

Termine

Sehen wir uns? - Save the Date oder/und verschenke ein Ticket:

Almut Schnerring
Fotocredit: Xenia Gromak

Sujet Handvoll Bunt

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