Hier auf Steady beantworte ich einige eurer Fragen mit meinem Hintergrund eines Studiums der Neurowissenschaften und kognitiven Psychologie, einer Ausbildung zur Trageberaterin und Babykursleiterin, meinem gesammelten Wissen aus etwa 250 Büchern zum Thema Erziehung und meinen Erfahrungen, die ich in den letzten acht Jahren als Mutter gesammelt habe. Ich bin keine Psychologin und kein Coach. Wenn euch eine Situation so sehr belastet, dass sie eure Gedanken den ganzen Tag über beeinflusst, möchte ich euch bitten, euch professionelle Hilfe zu suchen. Ich kann euch die innere Arbeit mit eurem Päckchen an Erfahrungen, Verletzungen und Traumata nicht abnehmen. Was ich aber versuchen kann, ist euch ein paar Gedanken und Impulse mitzugeben, die euch vielleicht helfen können, eure eigene Lösung zu finden. Und wenn ihr euch mit dem, was ich schreibe, überhaupt nicht identifizieren können solltet, dann ist auch das ein wichtiges Zeichen. Ich bin keine „Expertin“ und habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Was ich anbieten kann, ist eine (hoffentlich) empathische Antwort aus wissenschaftlichem und persönlichem Hintergrund.
Wer mir auch schreiben möchte, wendet sich bitte an anna.brachetti@posteo.de. Ich bearbeite dienstags und donnerstags eure Briefe. Schreibt bitte auch dazu, ob ich eure Nachricht und meine Antwort darauf anonymisiert (*Namen werden verändert) veröffentlichen kann.
Vielen Dank für das Vertrauen!

Bild: Chiara Doveri
Liebe Anna,
Wir sind vor Kurzem in eine Reihenhaussiedlung gezogen. Meine Tochter ist 6 Jahre alt und fordert seit längerem schon gewisse Freiheiten ein. Zum Beispiel läuft sie seitdem sie 5 Jahre alt ist alleine über die Straße oder geht auch schon mal alleine zum Bäcker, der bei unserem alten Zuhause gleich nebenan war. Auch einen kurzen Teil des Kita Wegs geht sie alleine. Wir wohnen jetzt in einer Sackgasse, die man von unserem Haus aber nicht gut einsehen kann. Die meisten Kinder die hier wohnen sind 7 oder 8 Jahre und spielen auf der Straße oder auf einem Grashügel nebenan. Ich habe meine Tochter bis jetzt auch immer alleine rausgehen lassen, habe ihr aber gesagt, dass sie nur bis dorthin darf, wo die Sackgasse aufhört. Auch die anderen Kinder dürfen nicht weiter. Wir wohnen mitten in Berlin und es sind auch einige Hauptstraßen in der näheren Umgebung. Meine Tochter hat hier auch ganz gut Anschluss gefunden und spielt mit vielen Kindern. Jetzt ist es aber schon 3x innerhalb kürzester Zeit passiert, dass wir sie nicht mehr auf der Straße oder dem Hügel gefunden haben. Normalerweise schauen wir alle 10 Min nach ihr. Der Schock war natürlich groß. Wir haben ihr erklärt, wie wir uns dabei fühlen. Haben auch gesagt, dass sie gerne auch mal eine gewisse Strecke alleine gehen darf, aber sie das vorher mit uns absprechen muss. Sie hat jedesmal zu uns gesagt, dass sie es versteht, sie es jetzt nicht mehr machen wird, doch leider hält sie sich nicht daran. Wir haben nun beschlossen, den Radius, in dem sie sich bewegen kann, einzuschränken, so dass wir sie vom Haus aus noch sehen können. Ich hab ihr auch gesagt, dass wir das üben müssen, dass sie sich an unsere Abmachungen hält und solange das nicht klappt, wie leider einen Schritt zurück machen müssen. Habe ihr natürlich altersgerecht von den Gefahren erzählt. Da sagt sie aber bloß, dass sie auf sich alleine aufpassen kann und das schon schafft.
Was würdest du mir raten?
Viele Grüße,
Matilda*