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#21: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube

Foto von Sean auf Unsplash

NRW will Olympia, doch will Olympia NRW? Und wie viel Ambiguitätstoleranz braucht es, um das alles auszuhalten?

Jetzt ist es amtlich, wie Jörg Schönenborn in der ARD sagen würde: Die Bevölkerung aus 16 nordrhein-westfälischen Kommunen hat sich für die geplante Olympia-Bewerbung der Region “KölnRheinRuhr” ausgesprochen. (In Herten gingen nicht ausreichend Wahlzettel ein, deswegen ist die Stadt raus.)

2036, 2040 oder 2044 sollen also auf Wunsch der 1,4 Millionen Menschen, die abgestimmt hatten, Sportwettkämpfe in NRW stattfinden. Vielleicht schickt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) aber auch eine andere Stadt ins Rennen, wer weiß das heute schon. Im September soll dann eine Entscheidung fallen.

Die Wahlbeteiligung lag damit etwa bei einem Drittel. 68 Prozent hatten mit “Ja” abgestimmt. Das sind knapp zwei Prozentpunkte mehr als in München, dort waren im vergangenen November 66 Prozent Zustimmung verkündet worden. Von Hamburg und Berlin wissen wir noch nicht, wie die Bevölkerung eine Bewerbung finden würde.

Für die taz habe ich den gestrigen Abend verfolgt. Während Ministerpräsident Henrik Wüst von einem phänomenalen Ergebnis spricht, ist der Blick auf die nackten Zahlen etwas näher an der Realität: In Köln, dem Zugpferd der Bewerbung, stimmten nur 57 Prozent dafür. Das sind zwar immer noch 184.523 Menschen, aber 136.998 waren dagegen. Ist das das wirklich so phänomenal? (taz.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))

Die NRW-Kampagne, finanziert und orchestriert von der Staatskanzlei in Düsseldorf, kostet alleine schon für die Stadt Köln 2,5 Millionen Euro. Die Kosten für den gesamten Bewerbungsprozess (München, Hamburg, Berlin und die NRW-Kommunen) sollen laut Sportschau bei 50 Millionen Euro liegen. Viel Geld also.

In der öffentlichen Werbung für den Ratsbürgerentscheid schlug das Ganze dann teilweise auch seltsame Blüten:

https://bsky.app/profile/arnesteinberg.bsky.social/post/3miyln67pns2c (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Kritik an der Bewerbung gab es durchaus: Satiriker Jan Böhmermann hatte diese recht deutlich in seinem Podcast geäußert, worauf Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester reagierte. (koeln.t-online.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))

Das Bündnis “NOlympia Köln“, bestehend aus mehreren Organisationen, versuchte in einem ungleichen Wahlkampf über die negativen Seiten einer Bewerbung zu informieren. Für die taz habe ich zwei der Vertreter getroffen. (taz.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))

Torsten Burmester möchte nun mit den Kritikern das Gespräch suchen. Im Juni soll das finale Konzept aus NRW beim DOSB eingereicht werden.

Für die nordrhein-westfälische Landesregierung, insbesondere für den mutmaßlichen nächsten Kanzlerkandidaten der Union, ist die Bewerbung ein nützlicher Hebel, um die Menschen mit einem positiv konnotierten Thema anzusprechen – während um uns herum die Welt Tag für Tag Horrornachrichten bereithält. Auch für Kölns OB ist es hilfreich, sich mit seinem Herzensprojekt von den finanziellen und realpolitischen Problemen seiner Stadt abzulenken.

Die Bundesregierung hat ebenfalls Freude daran, die Begeisterung für die Olympischen und Paralympischen Spiele zu schüren – ohne genau zu wissen, welche Kosten auf sie zukommen werden. (taz.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))

Ich weiß nicht, wie es euch geht – aber ich habe nicht genügend Ambiguitätstoleranz, um eine politisch massiv unterstützte Olympia-Bewerbung für eine ferne Zukunft mit maroden Sporthallen und Schwimmbädern in der Gegenwart in Einklang zu bringen.

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