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Wer hat’s erfunden? Die Socken in den Sandalen?

Kennt jemand die Antwort? Oder wäre es eine gute Frage für „wer wird Millionär?“ Die Antwort dürfte Millionen deutscher, Klischee-geplagter Touristinnen und Touristen gefallen. Denn sie sind vollkommen unschuldig. Besser noch, sie sind Bewahrer einer sehr alten Tradition. Alle Fritz, Hans, Bernds, Ernas und Gerdas, die jahrzehntelang im Urlaub wegen Sandalen mit Socke gemobbt wurden können sich freuen. Historische Quellen, die wissenschaftlicher Prüfung standhalten, belegen das.

 

Aber der Reihe nach. Griechische Sockenhersteller haben sich bemüht, die Tradition des Kleidungsstücks zu erforschen. Ihnen ging es darum, die Herkunft des beliebten Kleidungsstücks zu dokumentieren. So lese ich auf der Homepage des Sockenfabrikanten Pournara den entscheidenden Hinweis: „Bindet euch passende Sandalen um die Füße, die aus dem Fell eines gewaltsam getöteten Ochsen gefertigt und innen mit Filz gefüttert sind.“ Der Satz steht in Hesiods „Werke und Tage“

 

Der antike Dichter war im Nebenjob Hirte in Böotien in Askra am Fuße des Helikon. Er lebte in der Zeitperiode um 750 bis 700 vor Christus. Also ist er zeitlich nach dem sagenhaften Homer, dessen Ilias und Odyssee einzuordnen. In Vers 542 von „Werke und Tage“ findet sich die Patentanmeldung der deutschen touristischen Klischeekleidung. Dort gibt Hesiod seinem Bruder Persis den Tipp, Sandalen zu tragen und die Füße darin mit Filz einzuwickeln. Dass er aus der Erfahrung des harten antiken Hirtenlebens Persis eine Reihe von Bekleidungsanweisungen für das reale Überlebensszenario in der Kälte gibt, liefert den Liebhabern der Geschichte weitere Informationen.

 

Für uns wichtig bleibt, dass der damalige Filz Stoff aus gepressten Tierhaaren oder Borsten war. Und damit haben wir unsere erste Socke. Woher aber stammt das Wort? Also „Socke“ und nicht das mit dem Begriff verbundene Kleidungsstück? Auch hier führt die Spur zu den Hellenen. Das Wort Socke geht auf das lateinische „soccus“ zurück. Es war eine Art leichtem Schuh oder Pantoffel. Ein Kleidungsstück, das der sowohl von den alten Griechen als auch von den Römern, insbesondere im Theater, getragen wurde. Aus dem Lateinischen kam das Wort als „socc“ ins Altenglische. Im Mittelenglischen wurde dann „socke“ daraus. Allerdings hat auch das lateinische „soccus“ griechische Wurzeln. Hier haben wir als Urahnen das Wort «συκκός»  (sykkos), das den phrygischen Schuh bezeichnete.

 

Nun nutzen die Griechen aber nicht Socke oder ein ähnliches Wort für ihre Fußbekleidung. Sie bezeichnen sie als «κάλτσα» (Kalza). Der Ausdruck stammt vom mittelgriechischen Wort κα(λ)τσα (ka(l)tsa), einem Lehnwort aus dem Italienischen – von „calza“. Das italienische „calza“ wiederum leitet sich vom lateinischen calcea. Das stammt nun als Ableitung vom calceus, einem Ausdruck für Fußbekleidung. Somit nutzen die deutschen, Socken tragenden Touristinnen und Touristen auch noch das wahre griechische Worte.

Ich gebe zu, dass ich persönlich diese Art der Bekleidung nicht besonders schön finde. Aber, mit derartigem Wissen ausgestattet, trägt sich die Socke in Sandalen beim nächsten Tripp zur Akropolis doch mit Stolz, oder?

Sujet Kultur