Hallo,
am Ende dieses Newsletters verlose ich dieses Stickbild. Spaßeshalber habe ich mir gerade ausgerechnet, für welchen Preis ich es verkaufen müsste, würde ich dafür die Materialkosten und meinen Stundensatz berechnen. Heraus kam ein absurder Betrag, der deutlich über dem liegt, was ich mit diesem Newsletter einnehme.

Diese Rechnung zeigt: Darum geht es nicht.
Ich sticke, um zu sticken. Nicht, um danach ein weiteres Stickbild zu besitzen oder gar, um dir eines zu verkaufen. Nicht das Ergebnis ist wichtig, sondern die Handlung.
Wie quer diese Einstellung zum Zeitgeist steht, beschreibt Rebecca Solnit in diesem Essay für den Guardian (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). "Wir sind besessen davon, so viel wie möglich zu besitzen, während wir so wenig wie möglich tun wollen", heißt es darin. Den Silicon-Valley-Unternehmen, die unseren Alltag seit Jahren bestimmen, wirft die Autorin vor: "Sie haben uns erfolgreich weisgemacht, dass in die Welt hinauszugehen und mit anderen in Kontakt zu treten, gefährlich sei, unangehm und eine Zeitverschwendung."
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Mir fällt seit einigen Jahren auf, wie viele Menschen die direkte Interaktion mit anderen meiden. Lieber Doctolib runterladen als einmal beim Arzt anrufen. Lieber fünfmal googeln als einmal den Bekannten fragen, der sich auskennt. Klar, manchmal ist es praktischer und geht schneller. Doch dass im McDonald’s die Kunden lieber warten, bis das nächste Bestellterminal frei wird, anstatt mit einem Mitarbeiter zu sprechen, lässt sich mit Eile nicht erklären. Meine These: Es ist die Angst vor Missverständnissen, Uneinigkeit, oder irgendeiner anderen Art von Friktion.