Influencerinnen betrauern blaues Konfetti auf der Gender-Reveal-Party und Studien zeigen: Töchter werden beliebter. Was dahintersteckt – und welche Folgen das haben könnte.
Zuerst erschienen am 30. Januar 2026 beim Spiegel (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Ausgleichende Gerechtigkeit, könnte man meinen. Jahrhundertelang hatten sich Familien vor allem mindestens einen Sohn gewünscht, einen Stammhalter und Erben. Und da in einer Zeit ohne Pille ohnehin pro Familie mehrere Kinder zur Welt kamen, war die Wahrscheinlichkeit auch größer, sowohl einen Jungen als auch ein Mädchen zu bekommen. Mittlerweile lebt in vielen Familien in Deutschland nur noch ein Kind, das dann alle Erwartungen gefälligst erfüllen soll. Eine davon ist, wenn man Elternforen glauben kann: ein Mädchen, bitte!
In sozialen Netzwerken sah man schon Influencerinnen trauern, weil es auf der Gender-Reveal-Party blaues Konfetti regnete – und kein rosafarbenes. Diverse Studien deuten darauf hin, dass dahinter mehr steckt als die gefühlte Wahrheit einer überdrehten Onlinecommunity. Die Chefin einer US-amerikanischen Kinderwunschklinik sagte dem »Economist«: »Früher ging es nur um Jungen. Doch mittlerweile wünschen sich Eltern immer öfter ein Mädchen.«
Werden womöglich in 20, 30 Jahren Horden an jungen Frauen keinen Partner finden, weil ihre Millennial-Eltern keine Lust auf Söhne hatten? Nun, zumindest global ist noch nichts von einem Mädchenüberschuss zu sehen. Im Gegenteil: Nach wie vor kommen mehr männliche als weibliche Babys zur Welt, nur die Differenz wird kleiner. Noch vor zehn Jahren waren es mehr als eine Million mehr Jungen als Mädchen, aktuell sind es nach Berechnungen des »Economist« 200.000. Die steigende Beliebtheit von Töchtern zeigt sich weltweit also nur darin, dass sie nicht mehr ganz so oft abgetrieben werden.
Ein Mädchen/Junge war ich mal, damit kenne ich mich aus
Wälzt man die Studien, die eine steigende Präferenz für weiblichen Nachwuchs nachgewiesen haben, fallen einige Dinge auf.