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Work-Life-Balla-Balla

Meine lieben Buddys,
es ist Montag,
und letzte Woche hat Friedrich Merz mal wieder einen rausgehauen:  "Mit Work-Life-Balance und 4-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand in unserer Gesellschaft nicht erhalten" sagte er auf einer Versammlung vor Arbeitgebern.
Natürlich vor Arbeitgebern. Vor Arbeitnehmern hätte er sich das vermutlich nicht getraut, weil ihm wohl sonst die Frage entgegen gebrettert wäre, ob unser Kanzler mal wieder nicht die geringste Ahnung hat, was sich im Alltag der normalen Menschen überhaupt so abspielt.

Und prompt bekam er dann auch aus mehreren Richtungen richtig Gegenwind.
So erwiderten die einen: "Ich hab dermaßen viel work umme Ohren, dass ich mich über ein bißchen mehr life in my life wirklich freuen würde."
Die anderen sagten: "Ich scheiß auf Euren Wohlstand, wenn ich den vor lauter work gar nicht genießen kann."
Und die Dritten entgegneten: "Ich lass mein Money für mich worken. Wo ist das Problem?"

Was alle gemeinsam haben, ist dabei der grundsätzliche Denkfehler, zwischen Work und Life zu unterscheiden. Als gäbe es eine Grenze zwischen Arbeit und Leben, die man ausbalancieren könnte. Als wäre Arbeitszeit nicht auch Lebenszeit. Als wäre Arbeitszeit lediglich dazu da, den Feierabend herbeizusehnen, das Wochenende, den Urlaub, die Rente. Und dann zu sterben. 

Und als wäre - nebenbei bemerkt - die Zeit nach Feierabend wiederum nicht auch mit Arbeit verbunden. Und damit meine ich jetzt nicht nur die After-Work-Rituale, die man mit Kolleginnen und Kollegen hinterher noch in geselliger Runde verbringen muss, und vor lauter Fettnäpfchen und Intrigen alles andere als Entspannung bieten. 

Und selbst, wenn man diesem sozialen Brennpunkt dann irgendwann entkommen ist, und das Leben endlich losgehen kann, geht die Arbeit doch sofort weiter. Angefangen bei der Heimfahrt, dem sogenannten Feierabendverkehr, also jene Stunden, in denen man sich fragt, wann das Beamen endlich erfunden wird.

Und fortgesetzt nach der Ankunft im Home-Sweet-Home, wo der Ernährungsplan wartet, Sport, Fitness, Hobbys, bis zu Sex. Alles eine elende Schufterei. Vor allem Sex. 

Und jeder Paartherapeut begrüßt seine Patienten mit dem Hinweis, dass eine Beziehung immer auch Arbeit bedeutet. Und jeder, der eine Beziehung hat, kann das bestätigen. Außer, man ist Bundeskanzler und hat keine Zeit, zur Paartherapie zu gehen.

Und spätestens, wenn das Resultat aus Paartherapie und Sex zum Vorschein kommt, nämlich der Nachwuchs, dann ist aber sowas von Schluss mit jeglicher Balance. Jeder, der die Verantwortung für ein Kind hat, weiß aus eigener Erfahrung, dass die ersten 18 Jahre aus Arbeit bestehen und nichts als Arbeit. Und die 18 Jahre danach auch.
Die einzige Zeit, in der man nicht arbeitet, ist die, wenn man am Ende des Tages völlig platt vor der Glotze sitzt und nach 10 Minuten einpennt. Außer natürlich, man hat Schlafstörungen, verursacht durch all die Arbeit.

Und das ist natürlich das eigentliche Thema, das sich im Begriff "Work-Life-Balance" versteckt hält. Der Elefant im Raum, den weder Befürworter, noch Gegner, noch Friedrich Merz ansprechen wollen, nämlich:

Als wäre der Sinn des Lebens,
beim Arbeiten keine Erfüllung erleben zu dürfen.
Als wäre der Sinn des Lebens,
beim Arbeiten keinen Spaß haben zu dürfen.
Als wäre der Sinn des Lebens,
beim Arbeiten keinen Sinn sehen zu dürfen.
Als wäre der Kapitalismus der Sinn des Lebens.

Aber erklär das mal Friedrich Merz.

Bis nächsten Montag,
Euer HG.

Sujet Wöchentliches Zeug

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