Es ist unverkennbar Herbst und das ist gut so. Endlich nieselt draußen das richtige Wetter, um sich mit den herbstlichen Buch-Neuerscheinungen 2025 auseinander zu setzen. Oder - wie in meinem Fall - sich dem Stapel ungelesener Bücher zu widmen, der mir bereits bis an die Brust reicht.
Und das ist’n Stück. Schließlich bin ich groß genug, dass Männer, die in ihre Datingprofile großzügig und passiv-aggressiv “1,80m….. scheint ja wichtig zu sein” eintragen, mir bei ersten Dates regelmäßig unterstellen, größer als besagte 1 Meter 80 zu sein (Hätte ich ja gar kein Problem mit, Lukasphilipptobiasleonmartin, aber es entspricht leider nicht den Tatsachen. Genau wie deine Größenangabe 👀).
Will sagen, es ist gut, dass meine innere Deutsche nicht mehr ständig vom Sommer draußen ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn ich auf der Couch hocke und lese, weil ich in Ruhe Meter machen will. Buchregalmeter. Übrigens die einzige Größenangabe, die beim Dating zählen sollte, wenn man mich fragt.
Apropos Dating, das macht man jetzt übrigens auch besser offline und zwar im Buchclub. Wieso das eine richtig gute Idee ist, kannst du weiter unten aufm Blog nachlesen. Und eine andere großartige Möglichkeit, um sich in der kälter werdenden Jahreszeit mit Gleichgesinnten zu vernetzen, sind die nun wieder zahlreich stattfindenden Buchlesungen. Live Lesungen und vor Ort Events rund um Literatur sind gemütliche und inspirierende Räume, die ich dieses Jahr aufgrund von geringen Ticketverkäufen leider als ziemlich gefährdet erlebt habe.
Lasst die Lesung nicht aussterben, das sind jedes Mal Chancen auf tolle Begegnungen und neuen Input für vergleichsweise wenig Geld! Schau dich um, in deiner Umgebungen gibt es sicher auch Events. Und wenn du dich vielleicht sogar fragst, wie du dich mehr politisch informieren und engagieren kannst, sind das genau die Orte, an denen sich besagte Banden bilden können.
Aber jetzt gibt’s erts einmmal ein bisschen Inspo von mir dazu, was in diesem Herbst bei Kerzenschein und Heißgetränk Gutes gelesen werden könnte. Oder welche Buchlesungen einen Besuch wert sein könnten. Meine gruseligen, gemütlichen oder gemeinschaftlichen Buchtipps für den Herbst 2025!
Gruseliges
“Bat Eater. And other names for Cora Zeng” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) war wirklich das blutigste Buch, das ich seit einer Ewigkeit gelesen habe. Der sogenannte “Social Horror-Thriller” hat alles, was man für Halloween braucht: hungrige Geister, alten Aberglauben, Corona Erinnerungen und US amerikanische Gesellschaftskritik.
Wer sich lieber ein bisschen (wirklich nur ein bisschen) weniger ekeln will, lese “Das Beste sind die Augen” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Monika Kim. Es gibt Rachefantasien, Crime und Kannibalismus - ein Spaß für buchstäblich die ganze Familie.
Auch um Nahrung und Konsum (von Kunst) geht es in “Woman, Eating” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Claire Kohda. Und auch wenn das etwas mehr sophisticated klingt, muss man Blut sehen können, um dieses Buch zu lesen. Eine etwas andere Vampirgeschichte und der Parasit sitzt nicht dort, wo man ihn vermutet.
Gemütliches
“Die einsame Buchhändlerin von Tokio” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) geschrieben von Nanako Hanada ist eine Geschichte bestehend aus den kleinen Geschichten, die in kurzen Begegnungen entstehen. Eine Buchhändlerin macht sich auf, neue Menschen kennenzulernen und ihnen genau das Buch zu empfehlen, das zu ihnen passt. Die bestmögliche Version von online Dating, wenn man so will. Eine wirklich cute Sozialstudie.
Die Komikzeichnerin und Ulknudel Stefanie Sargnagel hat mit “Iowa - Ein Ausflug nach Amerika” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) einen Sozialreport der anderen Art geschrieben. Ich weiß nicht, wie sie es gemacht hat, aber ihre Beschreibung der absoluten Ereignislosigkeit unendlicher Weiten im mittleren Westen ist sehr witzig. Eine Österreicherin, die das zu Fuß Gehen auch in den USA nicht aufgibt und gleichzeitig mit einer deutschen Alt-Punkerin eine ungleiche WG für ein Auslandssemester eröffnet. Zwischen College, BBQ und Kirchgang sammelt Sargnagel die Straßenweisheiten der Boomerin und kommentiert sie mit dem Zynismus der Millennials. Alles vom Easy Chair aus. Gipfel der Gemütlichkeit!
Walter Moers bringt ein neues Buch raus! Qwert! (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Endlich geht es um den Gallertprinz aus der 2364. Dimension, in der Parallelwelt Orméa! Ihr wisst schon, der mit den Musikinstrumenten aus Milch, der schon in den “13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) aufgetaucht ist und dort m. M. n. nicht genug Aufmerksamkeit bekommen hat. Aber ab dem 05.11.25 bekommt er sie endlich, und zwar in einem ganz eigenen Roman. Kann ich ein Buch empfehlen, das ich noch gar nicht gelesen habe? Wenn es von Moers ist, dann schon! Ich freu mich so!!
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https://ko-fi.com/cleolibro (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Herzlichen Dank!
Gemeinschaftliches
Meine Freundin und mein Vorbild Katja Lewina hat ein neues Buch geschrieben! Und zwar über das Gemeinschaftlichste ever: Gossip über Trennungen. Und lernen können wir alle auch noch was von “Wir können doch Freunde bleiben - Trennungsgeschichten aus der Hölle” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Z. B., dass man nur befreundet bleiben kann, wenn man auch schon in der Beziehung befreundet war. Ha!
Auch das neue Sachbuch von Andrea Newerla legt den Fokus auf die Kraft der Gemeinschaft: “Wie Familie nur besser - Wie wir neue Formen des Zusammenlebens gestalten” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) untersucht genau das, Wahlverwandschaften und Alternativen zur Vater-Mutter-Kind Kernfamilie. Wieso? Weil die für viele nicht das bringt, was sie sich erhofft haben. Und weil wir aufgrund unserer romantischen Prägung oft übersehen, welche Menschen tatsächliche seit Jahrzehten ein haltgebendes Netzwerk um uns herum bilden.
Wen schließen wir aus unserer Gesellschaft aus und wann? Und wie kann eine Fan-Gemeinschaft damit umgehen, wenn ihr Idol sich zwar als genialer Künstler, aber auch als schlechter Mensch entpuppt? Ab wann wir Kunstschaffende canceln und wie wir damit umgehen, wenn wir ihre Kunst trotzdem weiter genießen wollen, bespricht die Kritikerin Claire Dederer in “Monsters: What Do We Do with Great Art by Bad People?” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Scharfzüngig, witzig und mit besseren Antworten als bloß: Ambiguitätstoleranz.
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und stehe gerne bereit für gemeinsame Buchbesprechungen im Nachgang!
Noch mehr Buchtipps, aber zum Anhören gibt’s hier: Bücher mit von und über “außergewöhnlichen Frauen” inklusive kurzer Rezensionen bespreche ich in der neuen Folge von Cleophonie:
https://steady.page/de/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/4e04af7c-c6e5-4821-a422-2b23179c4ad4 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Als Steady Mitglied kannst du sie und alle älteren Folgen sogar auf Spotify anhören!
Buchclub statt Gym - Wieso lesende Männer die besseren Dates sind
Männer lesen heute immer weniger Bücher. Ganz im Gegensatz zu Frauen. Tatsächlich sorgt das nicht nur für schlechte Zahlen in der Buchbranche, sondern auch für weniger Erfolg bei der heterosexuellen Partnersuche - behaupte zumindest ich. Aber kann Lesen wirklich einen positiven Einfluss aufs Datingverhalten haben? Oder sorgen Bücher einfach nur für attraktive Fotos auf seinem Hinge-Profil und mehr nicht?
“Endlich einer, der liest!” Ich weiß noch wie heute, wie groß meine Freude darüber war, ein Date mit einem Mann zu haben, der genauso oft und gerne wie ich seine Nase in ein Buch steckt. Es war mir in meinen vorherigen Beziehungen zwar nicht bewusst geworden, aber als ich nun das Kontrastprogramm präsentiert bekam, verstand ich, was mir vorher gefehlt hatte: ein Partner, der nicht nur eines meiner ältesten Hobbies teilt, sondern aufgrund dieses Hobbies auch ganz andere Voraussetzungen mitbringt, um ein gutes Date zu werden. Ich war begeistert!
Aber sind lesende Männer wirklich so selten geworden? Woran könnte das liegen und welchen Einfluss hat das literarische Desinteresse auf die heterosexuelle Partnersuche?
Tatsächlich zeigen europaweite Erhebungen der letzten Jahre, dass das “männliche Lesen” nicht nur in Deutschland in der Krise zu sein scheint. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Zwar verzeichnet das Statistische Bundesamt in seinen Zeitverwendungsstudien einen allgemeinen Rückgang der durchschnittlichen Leseminuten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (von 32 min täglich im Jahr 2012 auf 27 min täglich in 2022), aber bei den Männern ist der Rückgang auf 24 min stärker als bei den Frauen (30 min).
Innerhalb der Gruppe der Männer zeichnet sich ab, dass Teenager immer noch mehr lesen als junge Männer und die wiederum noch etwas mehr lesen als ältere Erwachsene und Rentner. Dass besonders die finanzstarken Altersgruppen der Hälfte der Bevölkerung immer weniger lesen, führt nicht nur zu sinkenden Verkaufszahlen im Buchmarkt und dem Aussterben unabhängiger Buchläden (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), sondern auch zu Frust bei der Partnersuche. Schließlich findet sich Lesen sowohl in Deutschland (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)als auch international (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)unter den Hobbys, die Frauen an ihren Partnern am attraktivsten finden.
Auch im Nachgang an die letzte Leipziger Buchmesse wurde aus den genannten Gründen in der Presse und auf den sozialen Medien heiß diskutiert, wie man eine Kehrtwende des aktuell sichtbaren Trends erreichen könne. Das heißt, wie man besonders jüngere Männer wieder für das Medium Buch begeistern und verhindern kann, dass sie mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter Bücher gegen Streaming oder Doom Scrolling eintauschen. Der Verfasser eines Kommentars zum Thema im Deutschlandfunk (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Nils Schniederjann, vermutet, es fehle an Literatur über Themen, die junge Männer interessieren. Die Stiftung Lesen spekuliert, es mangele an lesenden männlichen Vorbildern für Jungen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), da das Vorlesen als Teil der Einschlafbegleitung durchschnittlich öfter von Frauen übernommen würde. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu existieren bislang jedoch nicht.
Allerdings könnte es ebenso gut am Medium selbst und der Tatsache liegen, dass viele Menschen sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht die Zeit nehmen (können), kontinuierlich lange Texte zu lesen. Podcasts und Streams hingegen kann man wunderbar im Sinne des Produktivitäts-Mindsets laufen lassen, während man gleichzeitig noch zwei andere Dinge mit den Augen und den Daumen anfängt. Langes Lesen, das den totalen Fokus auf eine einzige Sache erfordert, passt einfach nicht in die Muster unserer Suche nach den nächsten Dopamin-Hits.
Ganz ähnlich sieht das auch Podcaster und Buch-Influencer Tobias Milbrandt, der kürzlich erst selbst unter die Buchautoren gegangen ist. In seinem Sachbuch “Lesen ist deine Superkraft - Wie Bücher dich in Zeiten von Social Media glücklicher, klüger und fokussierter machen” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) beschreibt er, dass die vergleichsweise langsame Aufnahme von Leseinhalten starke Spitzen und Tiefen im Dopaminhaushalt vermeiden würde. Ganz im Gegensatz zum Wischen und Liken auf den sozialen Medien. Denn die dortigen kurzweiligen Inhalte seien dafür entwickelt worden, in unserem Gehirn für ständig neue Ausschläge im Belohnungssystem zu sorgen.
Das mache uns auf die Dauer abhängig und habe sowohl zur Folge, dass wir immer mehr Zeit auf Apps verbrachten als auch, dass sich unsere Aufmerksamkeitsspanne immer weiter reduziere. Laut den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Lesen von Büchern, die Milbrandt und Höper in ihrem Buch zusammengetragen haben, sei aber noch nicht alles verloren. Lesen könne nämlich dabei helfen, u. a. die Konzentrationsfähigkeit wiederherzustellen. Darüber hinaus wirke Bücherlesen Stress reduzierend und es sorge sogar für eine bessere Schlafqualität, wenn man abends zum Buch greife. Auf diese Weise setze man sich nämlich nicht dem kurzwelligen Licht eines Handybildschirms aus, das sich nachweislich negativ auf den Prozess des Einschlafens auswirkt. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Besserer Schlaf und höhere Ausgeglichenheit sind allerdings nicht das einzige, was der mentalen Gesundheit zugutekommt. Dazu kann man auch ein aktives Sexualleben und die Vermeidung von Gefühlen der Einsamkeit zählen. Und um das zu erreichen, braucht es erfolgreiche Rendezvous. Doch während sich die weibliche Seite der Bevölkerung über Liebesromane Inspiration sucht oder mithilfe von Partnerschaftsratgebern weiterbildet, steht sie einer mehrheitlich immer weniger lesenden - und deswegen partnerschaftlich ungebildeten? - männlichen Bevölkerung gegenüber.
Dabei würde es nicht nur auf den Dating-Profil-Fotos oder im Park einladender und interessanter wirken, wenn man als Mann auf Partnersuche zum Buch anstatt zum Handy oder zur Bierflasche greife, meint Tobias Milbrandt im Interview.
Auch die Fähigkeit, die eigenen Gefühle an seine Partnerin zu kommunizieren oder schlichtweg bessere Gespräche auf einem Date zu führen und miteinander in bedeutungsvollen Kontakt zu treten, werde durch das Bücherlesen gefördert: “Bevor ich in meinen Dreißigern anfing Bücher zu lesen, lief es für mich als Mann auch beim Dating nicht rund. Durch’s Lesen bin ich über Wissen und Perspektiven auf Partnerschaft gestolpert, die mir vorher nicht bewusst waren”, erklärt Milbrandt. “Ich war früher in einem Umfeld unterwegs, in dem eigentlich nur Fußball und Alkohol eine Rolle gespielt haben. Da tauscht man sich nicht mit seinen Freunden darüber aus, wie man sensibel mit Frauen über Gefühle sprechen kann, wenn man sie kennenlernt.”
Besonders Sachbücher zum Thema Beziehungsarbeit zu lesen und die Ratschläge umzusetzen, habe ihm das beigebracht. Zu seinen Empfehlungen zählen Titel wie “Wie man Freunde gewinnt” von Dale Carnegie (laut Milbrandt solle man sich nicht vom leicht unglücklich gewählten Titel der deutschen Übersetzung irreführen lassen, es sei sehr gut auf die Partnersuche anwendbar) oder “Die Fünf Sprachen der Liebe” von Gary Chapman. Letzteres habe ihm die Augen dafür geöffnet, auf welche verschiedenen Arten Menschen miteinander in intime Verbindung treten können und wie sich das von den eigenen Präferenzen unterscheiden kann.
Gerade dieser Perspektivwechsel ist es, den der Autor auch an fiktionaler Literatur schätzt, wenn es darum geht, sich bei Dates besser auf sein Gegenüber einlassen zu können: “In belletristischen Titeln geht es ja oft um Schicksale und Geschichten, die aus einem persönlichen Blickwinkel erzählt werden. Auf diese Weise lernt man sozusagen eine fremde Realität kennen. Das ist dann nichts, was man selbst erlebt hat, aber es hilft dabei, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können.”
Milbrandt gibt zu, nicht immer der empathischste Mensch gewesen zu sein, was sich in seinen Augen allerdings durch das Lesen positiv verändert habe. Seine persönliche Erfahrung untermauern die beiden Autoren in ihrem Sachbuch mit dem Verweis auf die Ergebnisse einer Studie, die 2013 in der wissenschaftlichen Zeitschrift Science veröffentlicht wurde. Hier wird das Lesen fiktionaler Inhalte mit der Weiterentwicklung der kognitiven Fähigkeit in Verbindung gebracht, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Bücher zu lesen bildet also nicht nur auf der Ebene des Allgemeinwissens, sondern macht uns auch noch zu empathischen, kommunikativen und interessanten Gesprächspartner*innen. Das sind nicht nur sehr gute Voraussetzungen, um beim Dating positiv aufzufallen, sondern sorgt auch in Langzeitbeziehungen für besseren Austausch und anhaltende Zufriedenheit. Tobias Milbrandts Ehefrau kann das bestätigen. “Wenn ich immer noch ein großer Fußballfan wäre, würde es unsere Beziehung nicht geben”, resümiert der Podcaster lachend. Bücher zu lesen, habe ihm neue Welten eröffnet, weswegen er das Interesse am Fußball und dem dazugehörigen Umfeld nach und nach verloren habe.
Öfter Mal zum Buch zu greifen, muss allerdings nicht bedeuten, gleich alle alten Hobbies hinter sich lassen zu müssen. Die tägliche Lesezeit kann bereits dadurch signifikant erhöht werden, in der S-Bahn auf dem Weg zum Fußball ein Buch zu lesen, anstatt aufs Smartphone zu starren. Und wer es auch beim Lesen gerne sportlich-kompetitiv mag, der kann sich auf Apps wie Goodreads, die den eigenen Lesefortschritt dokumentieren, mit seinen Freunden vergleichen.
Ebenfalls im Sinne der Suche nach zwischenmenschlicher Verbindung über Bücher gibt Autor Tobias Milbrandt zum Schluss noch den Tipp, gerade bei Beziehungs- und Sexualitätsratgebern auch einmal auf das Geschlecht der Person zu achten, die das Buch verfasst hat. Sich Literatur aus der Perspektive der eigenen romantischen Zielgruppe zu Gemüte zu führen, könne laut Milbrandt zu interessanten neuen Einsichten führen: “Ich kenne andere Männer, die sagen, ein Buch einer Frau über Sexualität würden sie niemals lesen. Ich halte das für Schwachsinn.”
Ob die Leselust der Männer zukünftig wieder erstarken wird, mag niemand sicher vorauszusagen. Ein Blick auf das Dating-Verhalten der Generation Z zeigt jedoch, dass die wachsende Abkehr junger Leute von Dating-Apps Alternativen für die offline Partnersuche aufkommen lässt: u. a. in Buchclubs für Menschen mit romantischen Absichten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Hier ist tatsächlich für Männer die Wahrscheinlichkeit eine Partnerin zu finden deutlich höher als beim online Dating. Schließlich herrscht bei diesen Events im Gegensatz zu den einschlägigen Apps aktuell noch ein deutlicher Frauenüberschuss. Eine Frage der Zeit?
Ich möchte heute zur Abwechslung mal eine Ausstellung empfehlen und zwar im Museum für Kommunikation in Berlin. Die “Apropos Sex” ist am 16. Oktober gestartet und möchte bis September 2026 Hintergrundwissen und Anregungen für Jung und Alt bieten, um über sexuelle Wünsche, Grenzen und Erlebnisse sprechen zu lernen.

Und auch hier gilt: Sexting is hot’n all, aber am besten kommuniziert es sich dann doch ohne Bildschirm zwischen den Gesichtern - gerade über Themen, mit denen man sich verletzlich zeigen kann. Missverständnisse können ja witzig sein und sind auch nicht das Ende der Welt, aber damit es im wahrsten Sinne des Wortes intim werden kann, müssen wir tatsächlich eine Verbindung aufbauen. Zueinander, nicht zum Wlan.

Die Ausstellung liefert konkrete Vorschläge, um die richtigen Fragen zu stellen, die ein gemeinsames Verständnis von Sexualität und ihrer Prio in unserem Leben schaffen. Und sie gibt eine Auswahl an Begriffen an die Hand, unter denen sicherlich für jede*n etwas dabei ist, mit dem er*sie sich genug wohlfühlen kann, um sie über die Lippen zu bringen 😊


Ein weiteres Buch, das dabei sehr gut helfen kann (nicht nur Eltern) ist “Orgasmic Parents” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Mara Stadick, Vivien Adam und Natalia Alicja Dziwisch: Ein Praxisbuch zum Wiederfinden und Neuentdecken von Solo-und Paarintimität für Eltern. Oder die, die es noch werden wollen!

Man findet in diesem Buch einfühlsame und zugängliche Erklärungen, jede Menge persönliche Geschichten und Perspektiven unterschiedlicher Eltern, hilfreiche Übungen für das zu sich und zueinander finden und natürlich - wie auch schon im ersten Werk der drei Autorinnen "Orgasmic Woman" - schöne und inklusive, handgemachte Illustrationen.
Und wer glaubt, dass es bei den Übungen und Praxistipps nur ums Atmen und Entspannen geht, wird sich wundern! Raum finden auch Wut über ungeachtete Grenzen, Frust über ungleich verteilte Lust und ganz, ganz praktischer Input für die logistischen Fragen: welche Stellungen gehen in der Schwangerschaft am besten? Das Buch ist eine kleine Investition mit großer Wirkung für ein Hand in Hand von Intimität und Elternschaft.
In der WELT ist im Ressort Lifestyle ein Report von mir zur Frage erschienen, “Was wirklich passiert, wenn Frauen alleine auf eine Sexparty gehen” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Leider nur mit Abo lesbar.
Kostenlos lesbar ist aber mein erster Artikel im Magazin von JOYclub: “No Fucks Given - Was eine Feministin von Männern über Casual Sex gelernt hat” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Reinschauen lohnt sich, man kann nämlich sogar bis zum 27.10. noch bei einem Gewinnspiel mitmachen und drei Mal die Möglichkeit bekommen, mein Buch “Gleichstellung - Sex zwischen Wunsch und Wirklichkeit” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zu gewinnen. Und falls du das zu spät lesen solltest… Über einen Kauf freue ich mich natürlich auch 😉
Aber auch mit der Kolumne auf Tagesspiegel+ ging es in der Zwischenzeit weiter: “Das erste Mal als Mann auf einer Play Party - “Wenn ich so weiter mache, gehe ich mit Sicherheit enttäuscht nach Hause” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Und wer nach all dem immer noch nicht genug von mir gelesen hat, der kann mich auch hören. In einem online Live-Talk nämlich mit Nadine von Zucker und Gold (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Sie hat mich eingeladen am 29.10. ab 20:45 Uhr gemeinsam mit ihr über Solosex zu sprechen. Und zwar darüber, wie der richtig gut werden und uns außerdem dabei helfen kann, beim Paarsex über unsere Bedürfnisse sprechen zu lernen. Um teilzunehmen, benötigt es ein Abo auf Nadines Steady. Das ist aber monatlich kündbar und LOHNT SICH EH. See you there!
Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine Website (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erreichen oder mir bei Instagram eine DM (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!
Danke für’s Lesen und liebe Grüße von
Cleo
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