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Hausen (2020)

Der sechzehnjährige Juri zieht mit seinem Vater Jaschek in ein wahres Monster von Plattenbau irgendwo in Dunkeldeutschland. In diesem unheimlichen Gebäude ist alles dreckig, düster und kaputt. Hier leben Kriminelle, Drogenabhängige, Alte, Kranke und andere Ausgestoßene der Gesellschaft. Jaschek hat die Stelle des Hausmeisters angenommen und tut sein Bestes, den Leuten im Häuserblock zu helfen. Nach einiger Zeit entdeckt Juri, dass der Hochhauskomplex von einer mysteriösen Entität bewohnt wird, die die Seelen der Hausbewohner vergiftet. Zusammen mit der gleichaltrigen Nachbarstochter Loan und einigen anderen macht sich Juri daran, das seltsame Wesen zu bekämpfen.

Hausen ist eine deutsche Mystery-Horror-Fernsehserie von Till Kleinert und Anna Stoeva aus dem Jahr 2020. Die Regie der acht Episoden übernahm Thomas Stuber. Prominent mit sehr guten Schauspielern wie Charly Hübner, Tristan Göbel, Alexander Scheer und Lilith Stangenberg, besetzt (in einer Gastrolle ist auch Sandra Hüller zu sehen), macht sich die Serie daran, den kosmischen Horror zu bespielen. Das Setting mit dem Plattenbau aus der Hölle, dem ständigen Nebel und der niemals scheinenden Sonne wirkt stimmungsvoll, aber manchmal auch etwas aufgesetzt. Gedreht wurde im ehemaligen Regierungskrankenhaus der DDR in Berlin-Pankow, in dem extra dafür siebzehn Wohnungen entsprechend eingerichtet wurden. Regisseur Stuber ließ sich von Andrzej Żuławskis Possession (1981) inspirieren, der ebenfalls in Berlin gedreht wurde. Verglichen wurde Hausen mit anderen Gebäude-Horror-Werken wie Stanley Kubricks Shining (1980) und Lars von Triers Hospital der Geister (1994).

Das sind große Referenzen, doch gelingt nun der Ausflug des deutschen Genrefilms in den kosmischen Horror? Ein erster vielversprechender Ansatz ist ganz bestimmt vorhanden, die Angst vor dem Unbekannten und die Bedeutungslosigkeit des Menschen angesichts des unbegreiflichen Kosmos ist zwar nicht besonders subtil aber recht ästhetisch umgesetzt. Wir erleben eine Art Farbe aus dem All, wie sie einst H.P. Lovecraft ersann, die mit schwarzem Schimmel und Schleim die Häuser besetzt und die Menschen wahnsinnig macht. Das ist durchaus gelungen.

Leider sind neben diesem kosmischen Horror-Element die Hochhäuser auch gefüllt mit teils recht klischeehaft wirkenden Horror- und Psychothriller-Figuren. Es gibt Geister, einen gefährlichen Hund, Nazis, einen hebephilen Russen, eine Wahrsagerin, Drogendealer, Zombies und einen verrückten Penner im Keller, der zaubern kann. Das ist alles ein bisschen zu viel des Guten. Der Schrecken des Horrorgenres, insbesondere des kosmischen Horrors, entfaltet sich umso stärker, je realistischer, plausibler und konsistenter die dargestellte Welt ist, in die das Fantastische, Mystische oder Verstörende einbricht. Und genau an diesem Punkt gibt es bei Hausen einige Schwächen. Dennoch will ich fair bleiben, Vergleichbares habe ich in deutschen Produktionen noch nicht gesehen. Als großer Fan des kosmischen Horrors muss ich dieser Serie Respekt zollen.

Vielleicht liegt mein Empfinden, dass es zu viele Nebenplots und unoriginelle Ideen in Hausen gibt, auch am Serienformat. In Filmlänge oder auf maximal vier Folgen gekürzt, wäre Hausen storymäßig und dramaturgisch um einiges besser gewesen. So oder so haben wir hier eine ultradüstere Serie mit klaustrophobischer Atmosphäre, einem genialen Soundtrack, großartigen Schauspielern, einem tollen Großen Alten im Finale und einer abgründig-melancholischen Geschichte des kosmischen Horrors.

https://www.imdb.com/de/title/tt11052434/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Sujet Serie