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Funny Games (1997)

Georg und Anna wollen gemeinsam mit Sohn Georg Jr. ihre Ferien in einem schönen Haus am See verbringen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird ihr Urlaub durch zwei in Weiß gekleidete junge Männer namens Peter und Paul empfindlich gestört. Die beiden haben es auf das Leben der hilflosen Familie abgesehen, die sie gefangen nehmen und auf äußerst sadistische Weise quälen. Bevor Georg, Anna und ihr Kind mit dem Tod erlöst werden, foltern Peter und Paul sie mit perfiden Spielchen.

Funny Games ist ein österreichischer Thriller von Michael Haneke aus dem Jahr 1997, der zum Skandalfilm wurde und vom Jugendschutz als sozialethisch desorientierend bezeichnet wurde. Dementsprechend heiß wurde das Werk damals diskutiert und brachte ihm Vergleiche mit Stanley Kubricks Uhrwerk Orange (1971) ein. In den Hauptrollen sind Susanne Lothar als Anna, Ulrich Mühe als Georg, Arno Frisch als Paul und Frank Giering als Peter zu sehen.

Inhaltlich geht es um die Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt in den Medien und die fortschreitende Verrohung der Gesellschaft. Schon damals war man sich dieses gesellschaftlichen Phänomens bewusst, wenngleich der Fokus stark auf die Rolle der Medien verengt war. Heute, da Radikalität und Gewaltbereitschaft die Umgangsformen im Netz und auf der Straße dominieren, hinterlässt das Schauen von Funny Games einen wirklich üblen Nachgeschmack.

Michael Haneke, der später vor allem für Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte (2009) bekannt wurde, beabsichtigte einen nihilistischen Gegenentwurf zur leicht verdaulichen und omnipräsenten Gewalt des Fernsehens und des Mainstream-Kinos. In Funny Games wird Gewalt ultrarealistisch dargestellt; der Film unterläuft so die gängigen filmischen Konventionen und stellt das Leiden der Opfer konsequent in den Mittelpunkt. Ob dieser Gegenentwurf geglückt ist, daran scheiden sich bis heute die Geister. Ich finde, Haneke ist das auf radikale Weise gelungen.

Dass es sich bei Funny Games um eine fundamentale Medienkritik handelt, zeigt sich nicht nur an Symbolen wie dem blutbespritzten Fernsehgerät oder Peters Nerd-Monologen über Fiktion und Wirklichkeit. Es offenbart sich vor allem darin, dass Paul in einer Szene die vierte Wand durchbricht, um das Publikum direkt anzusprechen, und in der Lage ist, mit einer TV-Fernbedienung Peters Tod rückgängig zu machen.

Ich liebe Filme, die uneindeutig und vielschichtig sind. Funny Games ist ein spannender, transgressiver und fantastisch gespielter Film, der ganz ohne explizite Splatterszenen ein Grauen verbreitet, an dem sich so manch platter Horrorfilm mehr als nur eine Scheibe abschneiden könnte. Auch wenn der Ton - wie so oft bei deutschsprachigen Filmen - erhebliche Schwächen aufweist und manche Dialoge schwer verständlich sind, kann man Funny Games durchaus als Meisterwerk bezeichnen.

https://www.imdb.com/de/title/tt0119167/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Sujet Film