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Wie geht es dir? – Eine kleine, übertriebene, leicht peinliche und dennoch ernstzunehmende Betrachtung

über ein Bedürfnis, gesehen zu werden

Es gibt diese Sätze, die man sagt, ohne sie zu meinen.

Und es gibt Sätze, die man meint, ohne sie zu sagen.

„Wie geht es dir?“ gehört mit bemerkenswerter Treffsicherheit in beide Kategorien – je nach Tagesform, sozialem Kontext und emotionaler Restkapazität.

Meist ist es eine Floskel.

Eine höfliche Verbeugung im Vorübergehen.

Ein verbales Kopfnicken.

Ein sozialer Schulterzucker.

Man sagt es, während man innerlich schon beim nächsten Termin, beim Einkaufszettel oder bei der Frage ist, ob man den Herd ausgeschaltet hat. Niemand bleibt stehen. Niemand wartet wirklich. Niemand rechnet ernsthaft mit einer Antwort, die über „passt schon“ hinausgeht. Und das ist – nüchtern betrachtet – vollkommen legitim. Wir sind schließlich keine permanent verfügbaren seelischen Auffangstationen.

Und dennoch.

Ich benutze diese Worte anders. Nicht aus moralischer Überlegenheit, sondern aus Neigung. Vielleicht auch aus einer gewissen Unbeholfenheit im Smalltalk. Wenn ich „Wie geht es dir?“ frage, dann meine ich es. Ich stelle diese Frage wie eine Tasse auf den Tisch und setze mich dazu. Ich halte Blickkontakt. Ich bin bereit, die Antwort nicht nur zu hören, sondern auszuhalten. Auch dann, wenn sie kantig ist. Oder traurig. Oder unerquicklich lang.

Viele fragen mich das.

Und jedes Mal läuft im Inneren eine kleine Klassifizierungsmaschine an:

Gehörst du zur informatorischen Gruppe – kurze Statusmeldung, maximal drei Silben – oder zur Aushalten-Gruppe? Jener seltenen Spezies Mensch, die nicht nervös wird, wenn die Antwort nicht sofort lächelt.

Und dann gibt es diese andere Situation.

Die, in der niemand fragt.

Ui.

Das ist kein Drama. Kein Skandal. Kein Anlass für eine gesellschaftliche Debatte. Aber es ist… irritierend. Ein feiner Stich. Ein minimaler Versatz im Gefüge. Wie ein Bild, das einen Millimeter schief hängt – man kommt damit zurecht, aber man sieht es.

Will man dann ein beiläufiges „Mei, weißt eh, auf und ab“ in den Raum werfen?

Oder ein routiniertes „Ganz gut eigentlich“ – ungefragt, leicht entschuldigend, als wollte man sagen: Ich hätte da etwas zu erzählen, aber ich weiß selbst nicht, ob es relevant genug ist.

Und hier tritt mein Wiesel auf den Plan.

Das Wiesel ist empört.

Konsterniert.

Existentiell beleidigt.

Hat unser Gegenüber kein Interesse?

Oder wurde die Frage schlicht vergessen, weil sie ohnehin nur eine Floskel ist?

Die Floskel allerdings verachtet das Wiesel mit einer Leidenschaft, die man sonst nur aus literarischen Feindschaften kennt. Denn Desinteresse ist ehrlich. Die Floskel hingegen ist eine Einladung ohne Stuhl.

Dabei wären wir ja bescheiden.

Wirklich.

Wir würden ohnehin „ganz okay“ antworten. Kein emotionales Feuerwerk, kein seelisches Striptease, kein spontanes Aufrollen biografischer Traumata.

Aber gefragt werden möchten wir trotzdem.

Das Wiesel steht inzwischen auf dem Tisch und brüllt:

„Los! Frag! Frag doch einfach! Damit wir endlich antworten können!“

Es klammert sich an dieses Bedürfnis, als hinge davon seine gesamte Daseinsberechtigung ab.

Und an dieser Stelle – und das ist der Moment der nüchternen Selbstentlarvung – muss ich einräumen:

Ja. Das ist mein Thema.

Mein Zirkus.

Meine Affen.

Niemand ist verpflichtet, mich zu fragen, wie es mir geht. Niemand schuldet mir Aufmerksamkeit, Resonanz oder gar emotionale Feinjustierung. Dass ich mich in diesem einen Moment nicht gesehen fühlte, lag weniger am Gegenüber als an meiner leicht fragilen Befindlichkeit dieses Tages. Ein inneres Ungleichgewicht, eine dünnere Haut, eine kleine Verschiebung der Selbstwahrnehmung.

Das Problem lag bei mir.

Nicht dort.

Und dennoch – und das ist das Paradoxe, das Unbequeme, das Menschliche – bleibt dieses Gefühl bestehen: Dieses leise, unaufgeregte Bedürfnis, gesehen zu werden. Nicht spektakulär. Nicht dauerhaft. Nur für einen Moment.

Vielleicht ist es banal. Vielleicht auch ein wenig empfindlich. Vielleicht sogar lächerlich. Aber ich glaube, es ist zutiefst menschlich. Denn wer von uns möchte nicht ab und zu wahrgenommen werden – nicht als Funktion, nicht als Rolle, nicht als Hintergrundrauschen, sondern als jemand, der da ist.

Die Büffelin weiß das.

Sie hebt den Kopf, atmet tief und erinnert uns daran, dass Selbstachtung auch bedeutet, weiterzugehen. Nicht jedes Ausbleiben einer Frage ist eine Kränkung. Nicht jede Kränkung ein Urteil. Und nicht jedes Bedürfnis muss sofort befriedigt werden.

Und so gehen wir weiter.

Mit einem leicht beleidigten Wiesel, einer gelassenen Büffelin und dem Wissen, dass dieses kleine Ziehen kein Makel ist, sondern ein Zeichen von Lebendigkeit.

Vielleicht ist genau das die Pointe:

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