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Ich war putzig.

Nicht im verniedlichenden, zartrosa Sinn von ach wie süß, sondern im sachlich-asketischen Bedeutungsraum des Putzens.

Im Dienste des Hauses, der Hygiene, der Ordnung – und, wie sich bald zeigen sollte, im Dienste einer Erkenntnis, die man nicht sucht, aber zuverlässig bekommt.

Eine Teppichreinigungsmaschine wurde ausgeliehen.

Ein Gerät von jener Sorte, die nicht einfach arbeitet, sondern verkündet, dass sie arbeitet.

Sie hieß Mathilda. Und Mathilda war laut.

Nicht ein bisschen brummig laut, sondern Höllenlärm.

Ein Geräusch irgendwo zwischen startendem Kleinflugzeug, beleidigter Industriesäge und existenzieller Drohung.

Ich war überrascht. Naiv sogar.

Denn irgendwo tief in mir hatte ich geglaubt, Putzen sei eine leise Angelegenheit.

Was soll ich sagen.

Nein ist mein Lieblingswort seit 2025.

Und mein zweites: Synapsen-Gulasch.

Zwei Tage lang wurde alles bearbeitet, was Fasern hatte oder zumindest glaubwürdig so tat.

Teppiche. Läufer. Polster. Sitzflächen.

Das Sofa – mehrfach.

Eine textilarchäologische Großgrabung mit akustischer Dauerbeschallung.

Und dann kam sie.

Die eigentliche Überraschung.

Nicht der Lärm.

Nicht die körperliche Erschöpfung.

Nicht einmal die Frage, warum ich dachte, das macht man halt mal schnell.

Nein.

Die Überraschung war die Erkenntnis:

Ich lebte in Schmutz.

Nicht sichtbar.

Nicht vorwurfsvoll.

Nicht dramatisch.

Sondern still.

Grau.

Sedimentiert.

Da saugt man regelmäßig. Man wischt. Man putzt. Man schrubbt.

Man geht mit dem Dampfreiniger über das Sofa und denkt:

Ach schau. Ordentlich. Ich bin ein erwachsener Mensch mit funktionierendem Haushalt.

Und dann –

zack –

blickt man in den Abwassertank dieser Maschine.

Eine graue Brühe.

Keine Metapher.

Kein literarisches Stilmittel.

Eine flüssige Tatsache.

Ich sitze täglich auf diesem Sofa.

Ich lese dort. Ich denke dort. Ich liege dort. Ich lebe dort.

Ich saß also – bei aller Würde – auf grauer Brühe.

Bah.

Mein Wiesel schüttelt sich.

Nicht dieses kultivierte igitt, sondern ein existenzielles, bis in die Schwanzspitze reichendes Entsetzen.

Teppich? Schon unerquicklich.

Sofa? Persönlich. Intim. Grenzüberschreitend.

Das Wiesel ist nachhaltig angewidert.

Während Mathilda weiter röhrte, zog und saugte, wurde mir klar:

Sauberkeit ist kein Zustand.

Sie ist eine Illusion auf Zeit.

Wir – das Wiesel, die Büffelin und ich – geloben Besserung.

Nicht hysterisch, nicht fanatisch, sondern mit jener leisen Entschlossenheit, die aus echter Einsicht erwächst.

Diese Höllenmaschine wird künftig regelmäßig ausgeliehen.

Denn sie zieht nicht nur Schmutz aus Fasern –

sie zieht Selbstbilder aus dem Alltag.

Und so sitze ich nun auf einem Sofa, das nicht nur sauber ist, sondern…

unschuldig.

Fast schon moralisch integer.

Die augenzwinkernde Moral von der grauen Brühe:

Manches im Leben wirkt sauber, solange man nicht zu genau hinsieht.

Ob Teppiche, Polster oder Überzeugungen – vieles hält sich erstaunlich gut, bis jemand den Mut hat, mit lautem Gerät und unbequemer Gründlichkeit nachzuforschen.

Es ist selten angenehm, oft erschütternd und fast immer lärmintensiv.

Aber danach sitzt man weicher. Klarer.

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