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15 mal pro Stunde schlagen Männer in Deutschland zu.

Redaktion free.fem.minds Magazin

(Foto und Daten: Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024, Bundeskriminalamt)

Die Gewaltstatistik für 2024 wurde am 21. November veröffentlicht. Sie bringt neue Höchststände – auch beim Thema geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Zahlen und Entwicklungen in der Übersicht:

  • 170.881 (2023: 167.639; +1,9 %) Fälle von Partnerschaftsgewalt
    mit 171.069 (2023: 167.865; +1,9 %) Opfern,
    davon 79,3 % weiblich (135.713) und
    20,7 % männlich (35.356)
    114.981 deutsche Opfer (2023: 113.459; + 1,3 %)
    56.088 nichtdeutsche Opfer (2023: 54.406; + 3,1 %)

Ein erneutes Plus von über drei Prozent bei Fällen von Partnerschaftgewalt gegenüber 2023. Fast 80 Prozent weibliche Opfer. Die Zahlen alarmieren. Schon wieder.

  • Opfer-Tatverdächtigen-Beziehung
    69.513 (40,6 %) ehemalige Partnerinnen und Partner
    52.663 (30,8 %) Ehepartnerinnen und Ehepartner
    und eingetragene Lebenspartnerschaft
    48.893 (28,6 %) Partnerinnen und Partner
    einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft

Männer schlagen Frauen, die – wie sie meinen – (zu) ihnen gehören. Diese Männer haben kein grundsätzliches Gewaltproblem. Sie schlagen in der Regel weder Nachbarn, noch den Chef oder Kumpel beim Fussball. Sie schlagen Frauen. Ihre Frauen. Aus einem Machtanspruch heraus.

  • 138.543 (2023: 136.557; +1,5 %) Tatverdächtige:
    107.607 männliche (77,7 %) Tatverdächtige
    30.936 weibliche (22,3 %) Tatverdächtige
    87.223 deutsche Tatverdächtige (2023: 86.426; +0,9 %)
    51.515 nichtdeutsche Tatverdächtige (2023: 50.131; +2,4 %)

Die Mehrheit der Tatverdächtigen sind Männer.
Die meisten von von ihnen sind Deutsche.

Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu. Was fehlt ist ein ganzheitliches Konzept.

Die Statistik weist auch eine gestiegene Anzahl von erfassten Sexualdelikten und digitaler Gewalt zulasten von Frauen und Mädchen auf. Im Jahr 2024 wurden in der PKS 53.451 weibliche Opfer von Sexualdelikten erfasst (+2,1 %, 2023: 52.330). Knapp die Hälfte war zum Tatzeitpunkt minderjährig. Die meisten dieser Frauen und Mädchen wurden Opfer von sexueller Belästigung (36,4 %), Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff (insgesamt 35,7 %) sowie sexuellem Missbrauch (27,5 %).

18.224 Frauen und Mädchen waren Opfer digitaler Gewalt, beispielsweise durch Cyberstalking oder Online-Bedrohungen. Mit einem Anstieg um 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2023: 17.193) ist die Zahl weiblicher Opfer im Bereich digitale Gewalt damit erneut gestiegen – der stärkste Anstieg in allen Fallgruppen.

Erneut starben 308 Frauen.

Als Femizide können dennoch nicht alle beurteilt werden, da derzeit eine bundeseinheitliche Definition des Begriffs Femizid fehlt. Hierzu heißt es in der Polizeilichen Kriminalstatistik:

2024 wurden 308 Mädchen und Frauen getötet. Tötungsdelikte an Frauen können über die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nicht als „Femizide“ im Sinne des allgemeinen Verständnisses „Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist“ interpretiert werden, da keine bundeseinheitliche Definition des Begriffs „Femizid“ existiert und in der PKS keine Tatmotivation erfasst wird. Eine trennscharfe Abbildung und Benennung von Femiziden ist daher auf Basis der vorliegenden kriminalstatistischen Daten nicht möglich. Insgesamt wurden in der PKS 328 Mädchen und Frauen als Opfer vollendeter Tötungsdelikte erfasst.

Gewalt gegen Frauen muss gestoppt werden, darin sind sich bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2024 am 21.11.2025 alle einig. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sagt dazu bei der Vorstellung: „Der Schutz von Frauen hat für uns höchste Priorität. Wir setzen auf klare Konsequenz und konsequente Kontrolle: Frauen sollen sich sicher fühlen und sich überall frei bewegen können. Deshalb führen wir die Fußfessel nach spanischem Vorbild ein – sie begrenzt die Wege der Täter und gibt den Betroffenen mehr Sicherheit. Zudem stufen wir K.O.-Tropfen, die zunehmend als verbreitetes Tatmittel genutzt werden, als Waffe ein. So schaffen wir die Grundlage für spürbar strengere Strafverfolgung.“

Bundesfrauenministerin Karin Prien ergänzt: „Jede Frau hat das Recht auf ein Leben ohne Angst und ohne Gewalt. Als Bundesfrauenministerin setze ich mich dafür ein, dass wir durch gezielte Maßnahmen und stärkere Prävention, bessere Daten und ein starkes Hilfsnetzwerk endlich echten Schutz bieten. Ich kämpfe für eine Gesellschaft, in der Frauen sicher und frei leben können.“

Auf einen wesentlichen Punkt weist BKA-Präsident Holger Münch hin: „Die Zahl der Straftaten an Frauen steigt kontinuierlich. Wir sehen hier allerdings nur das Hellfeld. Gerade bei Häuslicher Gewalt, die oft hinter verschlossenen Türen geschieht, gibt es ein hohes Dunkelfeld. Erste Ergebnisse unserer aktuellen Opferbefragung LeSuBiA zeigen, dass nur ein Bruchteil der tatsächlich erlebten Gewalt zur Anzeige gebracht wird. Darum müssen wir darauf hinwirken, dass mehr Betroffene den Mut finden, Taten anzuzeigen, um den Schutz und die Hilfe für Opfer zu verbessern.“ Er kündigte an, die Erkenntnisse aus LeSuBiA demnächst vorstellen zu wollen.

Verkannt wird aus Sicht betroffener Frauen, dass es den Opfern nicht an Mut fehlt, sondern an Lösungen. An Schutz, Schutzräumen, geschulten Fachkräften und einer konsequenten Aufrechterhaltung von Gewaltschutz bis hin zu familiengerichtlichen Fragen gemeinsamer Kinder. Betroffene in Deutschland erleben Missstände und grobe Grundrechtsverletzungen nach erlebter Gewalt, die sich nicht durch den Einsatz einer Fussfessel oder durch mehr Frauenhausplätze allein lösen lassen.

Was in Deutschland bislang fehlt, ist eine tragfähige Strategie, Frauenhass, männliches Kontrollverhalten sowie Geschlechterungerechtigkeit zu bekämpfen. Männer schlagen, weil sie Frauen als Besitz verstehen und Anspruch auf sie erheben. Sie schlagen zu und Frauen bleiben häufig, weil sie es wirtschaftlich, der Kinder oder der Wohnsituation wegen müssen. Sie bleiben auch, weil zu gehen statistisch den Tod bedeuten kann und nach einer Flucht in allen Bereichen spürbare Hilfen fehlen.

Die Zeit ist um

Frauen fehlt es nicht an Mut. Frauen fehlt es an Rückendeckung. Opfern wird häufig nicht geglaubt, Polizeidienststellen wollen oftmals (digitales) Stalking nicht erkennen, fordern Beweise für Vergewaltigungen oder leiten Taten nicht an die Staatsanwaltschaft weiter. Täter werden am Ende in vielen Fällen nur zu geringen Strafen verurteilt. Verzweifelte Männer sitzen weniger Jahre für Morde ab und Jugendämter bestehen in den Familiengerichten auf den Täterkontakt für Mutter und Kind. Diese Gerichte sollen nun Fussfesseln anordnen.

Opfer, die den fehlenden Gewaltschutz in Deutschland erleben, sind zurecht mehr als skeptisch.

Deutschland täte gut daran, sich von Ländern wie Spanien nicht einzelne Maßnahmen abzuschauen, sondern deren ganzheitliche und gesamtgesellschaftliche Strategie im Umgang mit männlichen Taten und Tätern, mit Misogynie und Sexismus. Solange das fehlt, fehlt es auch am Fundament für echten Schutz. Für Flickwerk beim Gewaltschutz ist es längst zu spät.

Weitere Informationen zum Lagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten“ stellt das BKA hier zur Verfügung: www.bka.de/StraftatengegenFrauen2024 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Sujet Gewalt gegen Frauen

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