
Genau zwischen den beiden Kirbe-Tagen am 31. August und am 2. September löst sich die Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen auf. Den Weinfestverein und damit auch den Hedelfinger Herbst gibt es aber weiter.
Von Jürgen Brand
Am 31. August und 2. September wird in Hedelfingen gefeiert. Der Hedelfinger Herbst mit dem Kirbe-Sonntag und dem Kirbe-Dienstag ist Tradition und lockt auch viele weggezogene Hedelfingerinnen und Hedelfinger wenigstens für einen Tag zurück in die alte Heimat. Hauptgesprächsthema in diesem Jahr dürften aber nicht wie sonst alte Geschichten aus dem Ort, aus dem Leben oder über den aktuellen Wein-Jahrgang sein. Vielmehr dürfte intensiv und vermutlich auch kontrovers über die Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen diskutiert werden. Die löst sich nach 70 Jahren sozusagen mitten im Fest auf, zum 1. September, also dem meteorologischen Herbstbeginn. Das hat schon in den vergangenen Tagen für Unruhe im Ort gesorgt. Und auch für Nachfragen, ob dann der Hedelfinger Herbst überhaupt stattfindet. Das eine hat jedoch mit dem anderen erst einmal nichts zu tun, Veranstalter sind die Arbeitsgemeinschaft Hedelfinger Herbst und die Märkte Stuttgart. Die Arbeitsgemeinschaft wiederum besteht aus dem Weinfestverein und der Hedelfinger Freiwilligen Feuerwehr. Mit diesem Diskussionsstoff dürfte es bei dem Fest lebendiger denn je zugehen.
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Die Nachricht von der Weingärtnergenossenschaft hatte sich in den vergangenen Tagen schon verbreitet, Anfang der Woche gab es dann auch eine ganz offizielle Pressemitteilung. “Nach 70 erfolgreichen Jahren hat die Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen beschlossen, neue Wege zu gehen, um den Weinbau in Hedelfingen zukunftssicher aufzustellen”, heißt es darin, bevor der Auflösungstermin schon zum 1. September 2025 bekanntgegeben wird. “Damit endet ein bedeutender Zeitabschnitt lokaler Weinkultur, der durch ehrenamtliches Engagement und gelebte Gemeinschaft geprägt war.” Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, erklären Vorstand und Aufsichtsrat. “Doch die aktuellen strukturellen Herausforderungen erfordern es, sich für die Zukunft und den Erhalt des Weinbaus in Hedelfingen neu aufzustellen.”
Wer jetzt aber gedacht haben mag, die Hedelfinger Wengerter würden sich zu ihren Kollegen in Rohracker hin orientieren, oder über den Neckar hinüber in Richtung der anderen Stuttgarter Wein-Stadtbezirke, liegt falsch. “Mit der Auflösung schließt sich zwar ein Kapitel, doch gleichzeitig beginnt ein Neues in Kooperation mit dem Teamwerk Esslingen.” Die Esslinger Weingärtnergenossenschaft hat rund 100 Mitglieder, die 72 Hektar Rebfläche bewirtschaften und ihre Trauben in der Esslinger Kelter abliefern. Rotwein macht 65 Prozent aus, Weißwein 35 Prozent. Zum Vergleich: In Hedelfingen gab es nach Angaben auf der Genossenschafts-Webseite noch drei hauptberufliche Wengerter, außerdem 15 Nebenerwerbswengerterinnen und -wengerter, die etwa 10 Hektar Fläche bewirtschaften. Wie genau die neue Kooperation aussehen wird und ob beispielsweise alle zum Teamwerk wechseln, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.
Keine Auswirkungen auf die Traditionsfeste
Aktuell wichtig ist die Nachricht: “Der Weinverkauf in der Hedelfinger Kelter bleibt geöffnet. Auch die traditionellen Feste wie die Hedelfinger Kirbe, der Weinwandertag und das Neujahrswiegen werden unter anderem durch den Weinfestverein weiterhin ausgerichtet.” So auch in diesem Jahr. Auftakt zum Hedelfinger Herbst ist am Kirbe-Sonntag, 31. August, um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kelter, mitgestaltet vom Posaunenchor. Anschließend beginnt ab 11.30 Uhr der Frühschoppen mit der Handharmonikaabteilung der SportKultur Stuttgart. Nachmittags ab 14.30 Uhr sorgt der Musikzug der Feuerwehr Wangen für Unterhaltungsmusik.
Um 13.30 Uhr wird der Kirbejahrgang, begleitet vom Musikverein Hedelfingen, den traditionellen Riesentrauben in einem kleinen Umzug vom Bezirksrathaus zur Kelter tragen und damit die Kirbe offiziell eröffnen. Der Kirbejahrgang besteht diesmal aus einer Gruppe Freiwilliger aus unterschiedlichen Jahrgängen. Im Feuerwehrhaus neben der Kelter ist am Kirbesonntag ab 14 Uhr das Kirbe-Café geöffnet, wo unter anderem Kaffee, selbstgebackene Kuchen und auch Torten angeboten werden.

Am Kirbe-Dienstag, 2. September, dem “Hedelfinger Nationalfeiertag, ist die Weingärtnergenossenschaft dann sozusagen schon Geschichte. Abschied und Neubeginn sind also zwei weitere Gründe, an dem Tag entsprechend zu feiern. Die Kelter ist ab 11 Uhr geöffnet, ab 16 Uhr spielt die Band Sammy Short. In den umliegenden Straßen, also der Heumadender und der Amstetter Straße, wird wieder ein kleiner Krämermarkt aufgebaut. Auch der hat Tradition, deswegen hier ein kurzer Rückblick: Man schrieb das Jahr 1872, als Hedelfingen die dauerhafte Genehmigung für seinen Traditionsmarkt bekam. So ist es urkundlich festgehalten: “Der Gemeinderath Hedelfingen wird benachrichtigt, daß seinem Gesuch um Erlaubnis zur Abhaltung eines Krämer-, Vieh- und Schweine-Jahrmarkts je am 1. Dienstag des Monats September durch Regierungsdecret (...) entsprochen” wird. Die Gebühr dafür betrug 41 Gulden und 15 Kreuzer. Und als Hedelfingen 1922 nach Stuttgart eingemeindet wurde, war der Markt sogar Bestandteil des Eingemeindungsvertrags: “Die Stadtgemeinde Stuttgart verpflichtet sich, für die Beibehaltung des seit dem Jahr 1872 bestehenden Jahrmarkts einzutreten.” Deswegen ist heute der Eigenbetrieb Märkte Stuttgart der Landeshauptstadt Veranstalter des Krämermarkts, der natürlich ganz anders aussieht als vor 150 Jahren. Dadurch ist aber auch sichergestellt, das jüngere Gäste ihren Spaß haben werden: Vor der Kelter wird an beiden Tagen ein Kinderkarussell seine Runden drehen, auch ein Süßigkeiten-Stand ist geplant.
Es wird wieder mit einem guten Jahrgang gerechnet.
In der Kelter und in einem Pavillon auf dem Vorplatz werden wie jedes Jahr die Weine der Hedelfinger Weingärtner ausgeschenkt. Auch dieser Jahrgang soll, ganz unabhängig von den gravierenden Veränderungen abseits der Rebhänge, ein guter werden. Der Winter sei relativ mild und ohne starke Frostperioden, aber ausreichend nass verlaufen. So konnte frühzeitig mit dem Rückschnitt der Rebstöcke begonnen werden. Mangels nennenswerter Frühjahrsfröste gab es auch kaum Frostverluste, teilen die Weingärtner mit. Die Beeren konnten sich positiv entwickeln, auch weil nach der Hitze- und Trockenperiode rechtzeitig Regen kam. Alles zusammen ergibt die vielversprechende Perspektive: “Es wird wieder mit einem guten Jahrgang gerechnet.”
Infos vom Weinfestverein und der Freiwilligen Feuerwehr Hedelfingen
Pressemitteilung der Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen
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