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Der Termin

Ältere Frau in hellem Mantel und Mütze mit Regenschirm, die eine karge Betonfläche entlanggeht. Sie ist aus der Distanz von oben fotografiert. Im Hintergrund ist kein Horizont, kein Gebäude zu sehen. Nur eine Unklare Landschaftsfläche mit kargen Steinen darauf.
Quelle: https://www.flickr.com/photos/brraveheart/galleries/72157626862855554/with/2907714657
Fotografiert von Les Chatfield (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Diesmal würde sie es durchziehen müssen, das wusste sie. Sie ging in die Garderobe und ordnete ihre Tasche. Würde sie etwas zu lesen brauchen, würde sie warten müssen?

Taschentücher, sie packte lieber zwei Pakete ein. Das stand sogar auf der Empfehlungsliste. Und eine Flasche Wasser. Obwohl dort, so wie sie gehört hatte, etwas zu essen und zu trinken angeboten wurde. Aber Wasser und einen Müsliriegel, oder etwas Traubenzucker trug sie seit der Schwangerschaft bei sich. Hatte in den Jahrzehnten danach einfach nicht aufgehört. Denn nachdem der eigene Körper immer etwas verlangt hatte, hatte das Kind immer etwas verlangt – oder etwas verlangen können – und etwas zu essen konnte eine kritische Situation entschärfen, sie konnte noch heute die erleichterte Entspannung fühlen, wenn ein Traubenzuckerbonbon aus einem quengelnden Kind ein ruhiges Kind zauberte, wenigstens für eine Viertelstunde.

Auch wenn jetzt niemand mehr diese Art von Aufmerksamkeit von ihr brauchte, niemand mehr die kleine immer etwas klebrige Hand in ihre Tasche schob, es war eine Gewohnheit geworden. Sie tastete in der Tasche nach dem Riegel, fühlte seine zerknickte Verpackung. So lange trug sie ihn schon herum. Sie wusste nicht einmal die Geschmackssorte. Sollte sie nachschauen? War das wichtig?

Ihre Beine wurden weich, verweigerten sich für einen Moment. Sie ließ sich auf den Läufer sinken. Wartete, dass das Zittern, die Übelkeit vorbei gingen.

Auch eine Sache, die sie gelernt und nie wieder aufgegeben hatte.

Aushalten.

Warten.

Durchhalten.

Das Allermeiste ging vorbei. Man musste nur lange genug warten. Es half sowieso nichts, sich aufzuregen. Sie schloss die Augen, beobachtete die Übelkeit, die sie für einige Momente zu überrennen drohte. Würde sie sich erbrechen müssen?

Warten.

Aushalten.

Durchhalten.

Die Beschwerden klangen ab, es blieb ein schwimmendes Gefühl in der Magengegend.

 Nein, den Müsliriegel würde sie nicht brauchen.  Aber sie ließ ihn wo er war.   

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