Von Hasnain Kazim - Palindrome / Stadtbild / “APuZ” / Freud und Leid
Liebe Leserin, lieber Leser,
was haben die Sätze “Erika feuert nur untreue Fakire” und “Die Liebe ist Sieger, rege ist sie bei Leid” gemeinsam?
Lesen Sie beide einmal rückwärts. Beide sind sogenannte Palindrome, also Wörter oder Sätze, die vorwärts und rückwärts gelesen gleich sind. Bekannte Wortpalindrome sind die Namen Anna und Otto sowie das Wort Rentner.
Ich mag Palindrome. Vor allem, wenn es längere Konstruktionen sind wie “Eine güldne gute Tugend: Lüge nie!”
Palindrome sind Fälle der sprachlichen Symmetrie, kulturgeschichtlich haben sie eine lange Historie. In der Antike schon spielten Dichter und Schreiber mit Palindromen, in Griechisch und Latein. Eines der bekanntesten ist das lateinische Quadrat:
S A T O R
A R E P O
T E N E T
O P E R A
R O T A S
Nicht nur vorwärts und rückwärts, sondern auch von oben nach unten und von unten nach oben ergibt es die gleiche Wortfolge. Es gibt keine eindeutige Übersetzung, seine Bedeutung ist umstritten, man kann es in etwa so übersetzen: “Der Sämann Arepo lenkt mit Mühe die Räder”. Auf jeden Fall gilt dieses Wortquadrat als magisches Schutzsymbol, tauchte schon in Pompeji und im frühen Christentum auf. Es ist eines der ältesten bekannten Palindrome der Welt.
In der modernen Literatur werden Palindrome gelegentlich experimentell eingesetzt, es gibt sie in vielen Sprachen. In arabischer, hebräischer, chinesischer und japanischer Sprache zum Beispiel werden sie in Poesie und Kalligrafie verwendet.
Auch im Englischen gibt es eine Fülle eindrucksvoller Palindrome:
“Madam, I’m Adam.”
Eine etwas längere Variante davon:
“Madam, in Eden, I’m Adam.”
“A man, a plan, a canal: Panama!”
“Was it a car or a cat I saw?”
“Do geese see God?”
“No lemon, no melon!”
Frau Dr. Bohnes Lieblingspalindrom:
“Step on no pets!”
“Yo, Banana Boy!”
“Ah, Satan sees Natasha!”
Und zum Abschluss lang und schön:
“Doc, note: I dissent! A fast never prevents a fatness! I diet on cod.”
Stadtbild, oh Stadtbild!
Merz hat wieder einen rausgehauen. Sie haben es wahrscheinlich mitbekommen, manchen Debatten kann man heutzutage ob ihrer Lautstärke und Allgegenwärtigkeit ja leider nicht entkommen. Aber bisweilen verlaufen sie eine Richtung, nehmen eine Dimension an oder werden derart verdreht und instrumentalisiert, dass man nicht nichts dazu sagen kann. Verzeihen Sie mir also, dass ich das hier aufgreife, und dann auch noch so ausführlich, aber es ist ein Thema, das mir wichtig ist und mich seit langem beschäftigt. Das wird nun lang, sehen Sie mir bitte auch nach, dass ich weiter aushole und nicht ausschließlich auf Merz eingehe.
Aber der Reihe nach.
Der Bundeskanzler trat bei einer Pressekonferenz in Potsdam auf, gemeinsam mit dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke von der SPD. Gefragt zur Migrationspolitik, antwortete Merz, man sei “sehr weit”. “Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen.”
Ich finde einiges an Kritik an Merz berechtigt. Ich finde aber auch die Kritik Merz’ am “Stadtbild” vielerorts durchaus angebracht. Jedenfalls sehen es sehr viele Menschen so, und vernünftig und sachlich ausformuliert, ergibt sie Sinn. Jedenfalls haben die, die diese Kritik üben, einen Punkt. Stattdessen wird in der jetzigen Debatte wieder die bösartigste Interpretation unterstellt, damit wir bloß nicht über die Probleme nachdenken und sie lösen. Und dann wundert man sich, dass die “AfD” zulegt.
Aber zuerst zur Kritik an Merz. Ich muss schon sagen: Wie oft will er sich noch auf eine Weise ausdrücken, dass es derart Interpretationsspielraum gibt? Dabei könnte man die Kritik viel präziser und damit treffender und wirksamer und schärfer formulieren. Das war bei den “kleinen Paschas” so, die es natürlich gibt. Selbstverständlich gibt es - nicht wenige - dieser Typen, die auf dicke Hose machen und ihre “Schwestern” fertigmachen, wenn die sich ihrer Meinung nach falsch kleiden oder ihre “Bruders” zusammenscheißen, wenn die etwas tun oder sagen, was ihnen nicht passt.
Aber Merz formulierte damals so, dass sich alle Menschen, die migrantisch wahrgenommen werden, angesprochen fühlten. Ich übrigens auch.
Das war auch in einer Talkshow so, in der er behauptete, abgelehnte Asylbewerber ließen sich in Deutschland die Zähne richten, während die Deutschen auf einen Zahnarzttermin warteten. Wörtlich sagte er: “Die werden doch wahnsinnig, die Leute, wenn die sehen, dass dreihunderttausend Asylbewerber abgelehnt sind, nicht ausreisen, die wollen Leistungen bekommen, die volle Heilfürsorge bekommen. Die sitzen beim Arzt und lassen sich die Zähne neu machen, und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine!”
Auch das: maximal pauschalisierend, inhaltlich außerdem in diesem Falle im Wesentlichen falsch. Es mag einzelne Fälle geben, wo jemand die Zähne gerichtet bekam, aber grundsätzlich werden keine teuren kosmetischen Eingriffe gemacht, einfach so zum Spaß, sondern nur das medizinisch Notwendige. Und auch hier hätte er sich differenzierter ausdrücken und die Probleme, die wir in unserem Gesundheits- und Sozialsystem haben, ansprechen können. So, wie er sich aber äußerte, war das vor allem: spaltend.
Und dann der Unsinn mit dem “Sozialtourismus” im Zusammenhang mit den Geflüchteten aus der Ukraine, davon will ich erst gar nicht anfangen.
Merz ist Bundeskanzler, ich gehe mal davon aus, dass er ein intelligenter Mensch ist, es fällt schwer zu glauben, dass es Unachtsamkeit oder gar Unfähigkeit ist, mit Worten umzugehen. Ich befürchte aber, dass er verkennt, dass viele, sehr viele Leute seine leider wenig intelligent formulierte Äußerung als Genehmigung verstehen, nun erst recht mit Beleidigungen, Bedrohungen und mit Gewalt auf “die Ausländer”, “die Asylanten”, “die Flüchtlinge” loszugehen und ihrem Rassismus freien Lauf zu lassen. Wer auch immer Merz berät, sollte ihm jedenfalls raten, achtsamer mit seinen Worten umzugehen. Damit meine ich nicht: keine Kritik zu äußern, sondern eben präziser, differenzierter, klüger.
Was die jetzige Äußerung zum “Stadtbild” angeht, erinnerte ich mich an das Jahr 2017, als der damalige “AfD”-Vorsitzende Jörg Meuthen sagte: “Ich sehe zum Teil in den Innenstädten, in denen ich mich bewege, noch vereinzelt Deutsche. Das kann nicht Ziel unserer Politik sein.” Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel antwortete ihm, zurecht, sie wisse nicht, “was Sie sehen, denn ich kann auf der Straße Menschen mit Migrationshintergrund, die deutsche Staatsbürger sind und solche, die die nicht haben, nicht unterscheiden”.
Ich war Merkel für ihre Antwort dankbar, denn im Jahr 2017 (und erst recht im Jahr 2025) ist die Hautfarbe nicht entscheidend dafür, wer Deutscher ist und wer nicht. Und doch wird mir mein Deutschsein genau deswegen von diversen Kreisen in Abrede gestellt. Die einen sagen, ich sei “nur Passdeutscher”, “kein echter Deutscher”; die anderen halten mich für einen “Token”, einen „Onkel Tom“. Rassismus gibt’s auf allen Seiten.
Ein “AfD”-Typ schrieb mir vor ein paar Jahren, ich solle doch “dorthin zurückgehen, woher Sie kommen!”. Ich antwortete ihm: “Gewöhn dich dran: Wir sind hier, werden immer mehr und beanspruchen Deutschland für uns. Ob du willst oder nicht.” Das wurde mir - und wird mir bis heute - von “AfD”-Fuzzis als Wunsch zur Islamisierung ausgelegt. Und ja, natürlich ist das - absichtlich - interpretierbar geschrieben. Wer aber auch nur ein paar Texte von mir gelesen oder etwas von mir gehört hat, weiß, dass “Islamisierung” nun das Letzte ist, was ich will. Was ich damit sage, ist: Selbstverständlich spielt die Hautfarbe keine Rolle, und natürlich werden immer mehr Menschen wie ich Deutsche, auch weil wir uns, ohgottohgott, vermehren. Und natürlich sind wir Teil dieser, unserer Gesellschaft, wollen mitgestalten, mitreden, mitmachen, am selben Tisch sitzen.
Nicht die Hautfarbe ist entscheidend, sondern die Werte. (Ginge es tatsächlich um die Hautfarbe, wäre es, natürlich!, Rassismus.) Und da gibt es natürlich Unterschiede und gibt es welche, die eben nicht dazugehören.
Und man kann in gewissen Fällen von Äußerlichkeiten sehr wohl auf Werte schließen. Wenn eine Gruppe von Männern mit kahlrasierten Köpfen, Bomberjacken und Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln herumlungern, finde ich das ein Problem für das “Stadtbild”. Und damit meine ich nicht deren Aussehen. Wenn Typen mit langen Bärten und wegrasiertem Schnurrbart und ihren vollverschleierten Frauen den Ton angeben (die Frauen natürlich nicht, sie haben nichts zu melden), ist das ebenfalls ein Problem für das “Stadtbild”. Und auch da geht es nicht um ihr Äußeres, sondern um die Geisteshaltung, die Werte und was all das für unsere Gesellschaft bedeutet. Es bedeutet eben auch, dass es Milieus gibt, die unsere offene, tolerante Gesellschaft und unsere Werte ablehnen.
Einen ganz anderen und doch irgendwie dazu passenden Streit ums Stadtbild erlebte ich vor einiger Zeit in einer Stadt - der Name soll hier keine Rolle spielen, weil ich nicht die Stadt schlecht machen will, sie steht beispielhaft für viele Orte in Deutschland -, deren Innenstadt heute vor allem besteht aus: Dönerläden, Nagelstudios, Handyshops, Shishabars. Betrieben allesamt von Migranten. Das sorgt für große Missstimmung. Und ich kann verstehen, dass das vielen nicht gefällt.
Das ist aber nicht das Problem der Leute, die diese Geschäfte betreiben. Die meisten wollen arbeiten, etwas leisten, Geld verdienen, nicht dem Staat auf der Tasche liegen. Ich schaute im Netz, welcher der Dönerläden die beste Bewertung hat und probierte dort einen Döner. Er war fantastisch. Ich kam mit den Betreibern des Imbiss ins Gespräch, und sie erzählten, dass sie einem lokalen deutschen Bäcker beigebracht hätten, wie man das Dönerbrot bäckt, und der beliefere sie nun. Wunderbare Geschichte, tolle Zusammenarbeit, da lernt der eine vom anderen, beide profitieren.
Was aber natürlich kritikwürdig ist: die Monokultur. Ich finde das auch nicht gut. Genauso übrigens wie in den niederösterreichischen Ort, wo es einen Schnitzelwirt gibt, dann einen Schnitzelwirt und schließlich noch einen Schnitzelwirt. Gäbe es dort eine Pizzeria, wäre das “exotisch”.
Es ist Sache der Immobilienbesitzer, an wen sie die Geschäftsräume vermieten. Viele sagen: Entweder vermieten wir an die, die solche Läden betreiben, oder die Räume bleiben leer. Die, die die vielen Dönerläden beklagen, sind doch meist Fans des Marktes. Man könnte also auch zur Kenntnis nehmen: Die vielen Dönerläden, Shishabars et cetera sind eine Entscheidung des Marktes. Genauso wie es eine Entscheidung des Marktes sein wird, wenn die ersten wieder schließen, weil es zu viele sind.
Es ist aber eine Sache der Politik, “Stadtbilder” zu gestalten. Und man könnte ja einmal darüber nachdenken, dass man die Genehmigungen für die Art der Geschäfte begrenzt. Und auch andere Arten von Geschäften anlockt. Dass die Geschäftsräume leer bleiben, ist ja auch keine Lösung, schon gar nicht für die Vermieter.
In der besagten Stadt gab es in diesem Jahr vor einem Dönerladen eine Straßenschlacht - zwischen Dealern. Die einen gehörten zu einer marokkanischen Gruppe, die anderen zu einer afghanischen. Damit hatte der Dönerladen nun nichts zu tun, aber dort trug sich die Auseinandersetzung mit Holzlatten, Messern, Pfefferspray aus. Auch das gehört zum “Straßenbild”. Die Lösung wäre eigentlich einfach: Gewalt? Prozess, Strafe, fertig! Der Staat musss durchgreifen, anstatt mit Verständnis und Appeasement und “Oh, die brauchen aber dringend Therapieplätze, leider haben wir derzeit keine!” zuzuschauen. Ich denke mir nicht aus, wenn ich sage: In vielen Fällen passiert leider nichts.
Eine andere Geschichte zum Thema Stadtbild: In einem Ort eröffnete ein syrischer Metzger seinen Laden, direkt neben einem alteingesessenen feinen Geschäft. Auch hier soll der Name des Ortes keine Rolle spielen, und ich mache niemandem hier einen Vorwurf und möchte niemanden in die Bredouille bringen. Die Besitzerin des feinen Geschäfts ist eine freundliche Frau, die sich auch für Flüchtlinge einsetzt. Der syrische Metzger begann, Hühnerschenkel zu verkaufen - und häufte die bergeweise ins Schaufenster. Es sah, für hiesigen Geschmack, ziemlich unappetitlich aus. Leute beschwerten sich, die Geschäftsfrau hatte den Eindruck, es würden Kunden fernbleiben, weil die Gegend dadurch Schaden nehme.
Sie sprach den Metzger also freundlich an und erklärte ihm das Problem. Und was machte der? Der bestellte riesige Aufkleber, um das Schaufenster zuzukleben - Aufkleber in Form von Hühnerkeulen. Es sah furchtbar aus.
Als meine Frau und ich das Schaufenster sahen, sagte meine Frau: “In Islamabad wäre das ein superschicker Metzger. Da wären wir zum Einkaufen hingefahren.” Sie hat recht: Die Ästhetik passt nach Islamabad, sicher auch nach Syrien, aber eben nicht hierher. Wie löst man das Problem? Vor allem, wenn tatsächlich immer mehr Menschen der Innenstadt fernbleiben wegen solcher Geschäfte? Der syrische Metzger ist ein freundlicher Mann und meint es gut. Aber wie bringt man ihn dazu, den Laden anders zu gestalten? Oder muss man diese Veränderung letztlich so hinnehmen? Ich kann jedenfalls verstehen, wenn so etwas für Unmut sorgt.
Hier von Abschiebungen zu reden, die manche Rechtsextremisten, die von einer rein weißen, “arischen” Gesellschaft und von “Volkshygiene” faseln, sich wünschen, wäre absurd. Die “Remigrations”-Typen mögen sich das erhoffen, von diesen Hohlköpfen gibt es leider eine Menge - ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Merz das meinte. Daher halte ich auch den Vorwurf des Rassismus für verfehlt. Allerdings teile ich die Kritik, dass seine undifferenzierten Worte genau solche Abschiebefantasien von tatsächlichen Rassisten beflügeln. Gleichwohl: Zu einer vergurkten Debatte gehören immer zwei: der, der sich unintelligent äußert, und der, der die dümmstmögliche Interpretation annimmt.
Richtig finde ich Merz’ Worte aber, wenn es um Stadtteile geht, in denen homosexuelle Paare nicht Hände haltend angstfrei spazieren gehen können. In denen Juden ihr Jüdischsein verstecken müssen, weil sie sonst beschimpft, bespuckt, bedroht werden. In denen Frauen, die westlich gekleidet sind, sich nicht bewegen können, ohne blöd angemacht, berührt, bedroht zu werden. In denen Kinder und Jugendliche nicht spielen und nicht sein können, weil andere aus bestimmten Milieus sie bedrohen. In denen Leute “Ich liebe Hamas” skandieren und die Taliban verehren.
Der Kern Merz‘ Aussage, wie ich sie verstehe, richtet sich gegen Aggressionen, die von bestimmten Gruppen massiv und leider immer mehr ausgehen. Das kann man leugnen, man kann es ignorieren, man kann auf irgendwelche Statistiken verweisen und sagen, das sei doch alles nicht so schlimm, man kann auch ständig betonen, dass doch auch andere Gruppen problematisch seien, aber Tatsache ist: Es gibt diese Probleme, diese Verachtung gegenüber der Gesellschaft, es gibt diese Dicke-Hose-Mentalität. Nur muss man die dann eben benennen und nicht verallgemeinern.
“Merz meint ja nicht nur Kriminelle, sondern Leute wie dich!”, schrieb mir jemand. Nun ja, ich bin mir nicht einmal sicher, ob die, die ich eben benannt habe, “Kriminelle” sind. In Deutschland gibt es zumindest auch ein Recht, Blödsinn zu äußern; strafbar ist es in vielen Fällen jedenfalls nicht. Ein Problem sind die Genannten aber, und ich möchte bitte, dass wir darüber nachdenken, wie wir dieses Problem in den Griff bekommen. Sicherlich durch Bildung, klare Ansprache dieser Leute, Erziehung, aber auch durch Schaffung und Durchsetzung von Regeln, durch juristische Prozesse und Gefängnis. Und ja, letztlich auch durch Abschiebungen. Wer “Ich liebe Hamas” schreit und das auch tatsächlich so meint, wer Islamisten feiert und ihre talibanöse Weltsicht teilt und hoffentlich keinen deutschen Pass hat, ist hier falsch.
Und was die Annahme angeht, Merz meine Leute wie mich: Ich weigere mich, mich angesprochen zu fühlen. Sollte er mich tatsächlich meinen, kennt er meine Antwort, siehe oben: “Gewöhn dich dran, …”
“Aus Politik und Zeitgeschichte”
Als Jugendlicher habe ich regelmäßig die Zeitschrift “Aus Politik und Zeitgeschichte” gelesen, kurz: “APuZ”. Sie lag der Wochenzeitung “Das Parlament” bei, die man für wenig Geld - und als Schüler und Student für noch weniger Geld - abonnieren konnte. “Aus Politik und Zeitgeschichte” widmete sich jede Woche einem bestimmten Thema, das in mehreren Texten pro Ausgabe meist wissenschaftlich, manchmal essayistisch behandelt wurde. Anfangs behielt ich sämtliche Ausgaben, sammelte sie in Ordnern und nutzte sie, wenn ich mal zu einem bestimmten Thema etwas nachlesen wollte. Irgendwann wurde es zu viel und ich behielt nur noch Ausgaben, die Themen behandelten, mit denen ich mich selbst befasste oder die mich wirklich sehr interessierten.
Kürzlich schrieb mir die Redaktion von “Aus Politik und Zeitgeschichte” und fragte mich, ob ich einen Text über gesellschaftlichen Zusammenhalt schreiben wolle. Der Text solle für sich stehen, dürfe aber ruhig auf meinem Buch “Deutschlandtour” basieren.
Ich sagte zu und freue mich, dass nun erstmals eine “APuZ”-Ausgabe mit einem Text von mir erschienen ist. Sie können ihn in der aktuellen Ausgabe lesen - oder hier kostenfrei online:
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/gesellschaftlicher-zusammenhalt-2025/571526/was-unsere-gesellschaft-zusammenhaelt/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Diese Zeit im Oktober ist für mich eine emotional schwierige. Gestern, am 18. Oktober, war der sechste Todestag meines Vaters. Es kommt mir nicht so lange her vor. Wie gestern. Die Wunden heilen nicht, der Schmerz vergeht nicht, er wird nicht kleiner, nur anders. Die Trauer bleibt, die Lücke schließt sich nicht. Wie lebt man mit dem Verlust? Wie akzeptiert man ihn, erduldet ihn nicht nur? Ich weiß es bis heute nicht. Mein Vater fehlt mir sehr.
Er hat gerne gemalt, mit Ölfarben und Aquarell, Farben waren ihm wichtig, er liebte auch Blumen, je bunter, desto besser.
Heute ist nun, Stichwort emotionale Achterbahn, mein Geburtstag. Da ich mich immer über Schreibgeräte freue, habe ich einen Füller bekommen - ganz im Sinne meines Vaters: bunt. Es ist ein Füller des noch sehr jungen kalifornischen Herstellers Nahvalur, gegründet 2019 in den USA. Das Modell, das ich mir gewünscht habe, ist ganz neu: Hawaii. In den Farben blau bis orange, die Farben von Sonne und Meer, Hawaii eben - und der Clip ist in Form eines Stechpaddels.

Morgen ist wieder ein Todestag in der Familie, der meines Schwiegeropas, der vor einem Jahr im gesegneten Alter von 105 Jahren verstorben ist. Am Tag darauf: wieder ein Geburtstag in der Familie.
So ist das Leben: Freud und Leid liegen nah beieinander und wechseln sich ab.
Ihnen wünsche ich einen schönen Sonntag und eine angenehme, freudvolle Woche!
Ihr Hasnain Kazim
P. S.: Ich gehe jetzt mal los, um das Stadtbild zu verschönern.

P. P. S.: Ich freue mich sehr darüber, dass die Zahl der Leserinnen und Leser der “Erbaulichen Unterredungen” steigt! Danke auch für die vielen Zuschriften und Kommentare auf unterschiedlichen Wegen, und ein ganz besonderer Dank an die, die das Schreiben als “Mitglied” finanziell unterstützen, ich weiß das sehr zu schätzen!