Sonnige Grüße, dem trüben Winterwetter zum Trotz!
Eigentlich ist die ausführlichere Version für Mitglieder gedacht. Diese können die TiVi-Ticker-News etwa zwei bis vier Wochen früher lesen, als die recapped-LeserInnen auf LinkedIn. Da aber in den Medien schon tierisch viel los ist (und dass, obwohl 2026 gerade angefangen hat), dachte ich mir, ich könnte die Januar-Version doch einmal an alle schicken. Hoffentlich gefällt Euch der kleine Service.

Dass das UN-Hochseeschutzabkommen am 17. Januar 2026 in Kraft trat, habe ich im Artikel “Igel im Winter: Dickes Fettpolster als Überlebensprinzip (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)” ja bereits beschrieben. Die finale Ratifizierung von Deutschland steht noch aus, zwei Gesetzentwürfe dazu gibt es bereits. Ich bleibe dran.
In dieser Ausgabe geht es daher erst einmal um tierische Wahlgewinner und Entdecker.
Kleiner Falter, großes Problem
Den Anfang macht eine etwas ältere Nachricht aus dem November 2025. Ich möchte sie aber trotzdem erwähnen, denn es geht um den wunderschönen Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous). Dieser wurde vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) zum Schmetterling des Jahres 2026 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gewählt.

Einige TiVi-LeserInnen werden ihn vielleicht aus dem Artikel Biodiversität in Gefahr: Zahlen und Beispiele (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) kennen. Der kleine Tagfalter ist ein echter Nahrungsspezialist, fast sein ganzes Leben dreht sich um den Großen Wiesenknopf. Die Larven des bläulich-braunen Schmetterlings verstecken sich im Blütenkopf des Rosengewächses. Nach etwa drei Wochen lassen sie sich fallen und von Knotenameisen (nur von denen!) in deren Nest entführen.
Dort futtern sich die kleinen Larven rund, verpuppen sich und schlüpfen erst im nächsten Sommer als fertiger Schmetterling. Dessen Hauptnahrung? Natürlich der Große Wiesenknopf. Dieser findet sich auf Wiesenbrachen, Feucht- oder auch Streuobstwiesen. Werden die Flächen trockengelegt, zu viel gedüngt oder zu früh gemäht, gefährdet dies den Großen Wiesenknopf in seinem Bestand.
Igel auf dem Kopf
Nun ja, ein echter Igel ist es natürlich nicht. Doch die Kopfbedeckung des Grauhals-Kronenkranichs (Balearica regulorum) hat mich doch ein wenig daran erinnert. Der Vogel ist wirklich beeindruckend, hat weiße Wangen, hellblaue Augen, eine schwarze Kopfmaske, einen rosarote Kehllappen, weiße Federn am Bauch und gelbe sowie rotbraune Federn am Schwanz. Außerdem beträgt seine Flügelspannweite rund zwei Meter. Der Nahrungsgeneralist lebt in der Nähe von Feuchtgebieten und frisst Wanderheuschrecken für sein Leben gern. Daher gilt er auch als Schädlingsbekämpfer.
Der Glücksbote lebt in Südafrika, ist aber in Kenia und Tansania bedroht. Laut der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. sind seine Bestände “in den letzten 50 Jahren um rund 80 Prozent eingebrochen”. Die natürlichen Gründe sind vielfältig: Feuchtgebiete wurden trockengelegt, die Landwirtschaft intensiviert. Daher wurde die Art von der ZGAP zum “Zootier des Jahres 2026 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)” gewählt. Ich sage ja, an “Tieren des Jahres” mangelt es nicht. Aber immerhin erhalten diese so mediale Aufmerksamkeit und landen natürlich auch in den Ticker-News 😉.
Meeressäuger auf Abwegen (Teil 1)
Normalerweise kommen Finnwale (Balaenoptera physalus) im Winter eher in wärmeren Gewässern vor, doch ein Jungtier hatte wohl andere Pläne und wurde seit Jahresbeginn mehrmals an der Flensburger Fjörde (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und nahe Dänemark gesichtet.
Die Bartenwale sind gut zu erkennen, ihre Rückenfinne liegt eher am hinteren Körperteil und hat eine Kerbe, das Maul ist ungewöhnlich groß. Erwachsene Tiere können bis zu 25 Meter lang werden. Die Sichtung wurde vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund und der NABU-Landesstelle Ostseeschut bestätigt.
Finnwale sind stark bedroht und ernähren sich hauptsächlich von Krill und kleineren Schwarmfischen wie dem Hering.
Meeressäuger auf Abwegen (Teil 2)
Auch Belugawale (Delphinapterus leucas) haben ein etwas eigentümliches Aussehen. Erwachsene Tiere wirken cremeweiß und haben eine “Beule” am vorderen Schädel (Melone). Sie können sogar den Kopf drehen, was für Wale unüblich ist.
Auch wenn ihr wissenschaftlicher Name dies vermuten läßt: Belugas gehören nicht zu den Delfinen, sondern zu den so genannten Zahnwalen. Sie haben also keine Barten wie der Finnwal, sondern Zähne und ernähren sich je nach Lebensraum von größeren Fischen wie dem Lachs, aber auch von Krabben, Krebsen oder kleineren Tintenfischen.
Eine dicke Fettschicht schützt die bis zu sechs Meter langen und freundlichen Tiere vor den eisigen Temperaturen in der (Sub)Arktis, ihrem eigentlichen Lebensraum. Sie kommen beispielsweise in Nordamerika, Russland, Grönland und gelegentlich in Nord-Norwegen vor. Doch nun hat wohl einer einen anderen Weg eingeschlagen und ist an der holländischen Küste (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gelandet. Das Auffangzentrum SOS Dolfijn hat die Sichtung bestätigt. Eine seltene Gelegenheit, diese hübschen Tiere auch in unseren Gefilden einmal zu beobachten. Wenn man gerade zufällig vor Ort ist (schnief).
Das waren die aktuellen Ticker-News. Ich wünsche allen LeserInnen einen sonnigen Januar und einen nicht zu kalten Restwinter (außer es gefällt Euch so).
Alles Gute,
Kerstin
Gut zu wissen! Citizen Science
Über eine Pressemitteilung des Nabu BaWü (22. Januar 2026) bin ich auf ein Monitoring-Projekt gestoßen, bei dem alle mitmachen können. Es geht um den Vogel des Jahres, das Rebhuhn. Die Bestandszählung vom federführenden Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) beginnt im Februar und geht bis März. Wer mag, kann sich über die Projektseite Rebhuhn retten – Vielfalt fördern (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) anmelden bzw. die eigenen Zahlen melden.
Viel Spaß dabei!
Ausblick
In der kommenden Ausgabe gibt es ein Update zum Braunbrustigel. NaturfreundInnen tun alles, damit es ihm gut geht. Trotzdem scheint sein Bestand abzunehmen. Warum ist das so? (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Auch hier können BürgerwissenschaftlerInnen beim Monitoring helfen.
Du interessierst dich auch für Wale? Dann ist vielleicht die Sonderausgabe Walsichtigungen an der nordeutschen Küste (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (Q1/2026) etwas für dich.
Lust auf Mehr?
Etwa auf einen exklusiven Zugang zu den TiVi-Ticker-News, Wochen bevor die Zusammenfassung in der recapped-Ausgabe (LinkedIn) veröffentlicht wird? Dann werde Mitglied und unterstütze meine Arbeit als selbständige Autorin.
Bleib tierisch neugierig!