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Im Schatten der Welt

Bittere Wahrheiten über den vergessenen Krieg im Sudan.

#Senfkuchen

von Stefan Hünl

Im Schatten der Welt —
Bittere Wahrheiten über den vergessenen Krieg im Sudan.

Während die Schlagzeilen der Weltpresse fast täglich von den Krisenherden in der Ukraine, dem Iran oder im Gazastreifen dominiert werden, vollzieht sich am Horn von Afrika eine Katastrophe von beispiellosem Ausmaß. Und das fast unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit.

Der Sudan, ein Land mit einer reichen Geschichte und enormem Potenzial, versinkt in einem Chaos, das droht, eine ganze Region zu destabilisieren. Doch warum hören wir so wenig darüber?

Der Sudan hat 48,1 Millionen Einwohner (Schätzung v. 2023) und ist mit einer Fläche von mehr als 1,8 Millionen Quadratkilometern etwa fünfmal so groß wie Deutschland. Er ist damit drittgrößter Flächenstaat des afrikanischen Kontinents. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Der Sudan hat 48,1 Millionen Einwohner (Schätzung v. 2023) und ist mit einer Fläche von mehr als 1,8 Millionen Quadratkilometern etwa fünfmal so groß wie Deutschland. Er ist damit drittgrößter Flächenstaat des afrikanischen Kontinents.

Dieser Text beleuchtet die Anatomie eines Konflikts, den die Welt scheinbar vergessen hat, und zeigt auf, warum Wegsehen keine Option mehr ist.

Ein Duell der Generäle:
Wer kämpft hier gegen wen?

Der Kern des Konflikts ist kein klassischer Bürgerkrieg zwischen Ideologien, sondern ein brutaler Machtkampf zwischen zwei Männern und ihren Armeen. Auf der einen Seite steht die Sudanese Armed Forces (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (SAF) unter der Führung von General Abdel Fattah al-Burhan (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Er ist der De-facto-Staatschef und repräsentiert das offizielle Militär.

General Abdel Fattah al-Burhan.
General Abdel Fattah al-Burhan.

Ihm gegenüber stehen die Rapid Support Forces (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (RSF), eine mächtige paramilitärische Gruppe unter General Mohamed Hamdan Dagalo (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), besser bekannt als Hemedti. Die RSF ging aus den berüchtigten Janjaweed-Milizen hervor, die bereits in den 2000er Jahren für Gräueltaten in Darfur verantwortlich waren.

General Mohamed Hamdan Dagalo.
General Mohamed Hamdan Dagalo.

Es ist ein Krieg zwischen zwei Partnern, die gemeinsam einen Putsch anführten und sich nun gegenseitig zerfleischen, wobei das sudanesische Volk den Preis zahlt.

Jenseits von Links und Rechts:
Die politische Einordnung

Eine Einordnung in das klassische westliche Links-Rechts-Schema greift im Sudan zu kurz. Der Konflikt ist eher entlang von Machtinteressen, Ethnien und dem Erbe der jahrzehntelangen Diktatur von Omar al-Baschir zu verstehen.

Die SAF (Al-Burhan): Wird oft mit den "alten Eliten" und islamistischen Kräften aus der Baschir-Ära in Verbindung gebracht. Sie beanspruchen für sich, die staatliche Ordnung und Souveränität zu wahren.

Die RSF (Hemedti): Positioniert sich rhetorisch als Kämpfer gegen die "marginalisierten Randgebiete" und gegen die Vorherrschaft der Kairo-nahen Eliten in Khartum. In der Realität handelt es sich jedoch um eine hochgradig profitorientierte Söldnertruppe mit enormem Einfluss auf den Goldhandel des Landes.

Es ist ein Kampf zwischen dem tiefen Staat und einer privatisierten Armee, die beide wenig Interesse an der demokratischen Transformation haben, die das Volk 2019 so mutig forderte.

Am 19. Dezember 2018 brachen Demonstrationen in mehreren sudanesischen Städten aus. Grund hierfür waren gestiegene Lebenshaltungskosten und die sich verschlechternde Wirtschaftslage. Die ursprünglichen Forderungen nach wirtschaftlichen Reformen wurden bald übertönt von der Forderung nach dem Rücktritt des Präsidenten Omar al-Bashir. Die Regierung schlug die Proteste gewaltsam nieder. Am 22. Februar 2019 verhängte al-Bashir den Ausnahmezustand. Er löste die Regierung sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene auf und ersetzte diese durch Militärs und Geheimdienstbeamte. Am 8. März gab al-Bashir bekannt, alle bei den Protesten inhaftierten Frauen freilassen zu wollen. Am Wochenende des 6.–7. Aprils 2019 kam es erstmals nach Verhängung des Ausnahmezustandes wieder zu Massenprotesten. Am 11. April wurde al-Bashir von Militärs aus dem Amt geputscht. (Quelle: Wikipedia)
Am 19. Dezember 2018 brachen Demonstrationen in mehreren sudanesischen Städten aus. Grund hierfür waren gestiegene Lebenshaltungskosten und die sich verschlechternde Wirtschaftslage. Die ursprünglichen Forderungen nach wirtschaftlichen Reformen wurden bald übertönt von der Forderung nach dem Rücktritt des Präsidenten Omar al-Bashir. Die Regierung schlug die Proteste gewaltsam nieder. Am 22. Februar 2019 verhängte al-Bashir den Ausnahmezustand. Er löste die Regierung sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene auf und ersetzte diese durch Militärs und Geheimdienstbeamte. Am 8. März gab al-Bashir bekannt, alle bei den Protesten inhaftierten Frauen freilassen zu wollen. Am Wochenende des 6.–7. Aprils 2019 kam es erstmals nach Verhängung des Ausnahmezustandes wieder zu Massenprotesten. Am 11. April wurde al-Bashir von Militärs aus dem Amt geputscht. (Quelle: Wikipedia)

Die größte Hungerkatastrophe der Gegenwart

Die humanitären Zahlen aus dem Sudan sind nicht nur erschütternd, sie sind rekordverdächtig im negativsten Sinne. Millionen von Menschen sind auf der Flucht. Der Sudan beherbergt mittlerweile die größte interne Vertreibungskrise der Welt.

Besonders stark vom Krieg betroffen sind im Sudan die Bundesstaaten Darfur und Kordofan. Hunderttausende Menschen sind in den letzten Monaten vor der schweren Gewalt geflohen. Wegen des Konflikts, der Vertreibung und des erschwerten Zugangs für humanitäre Hilfe mussten Familien monatelang ohne verlässlichen Zugang zu Nahrungsmitteln auskommen. Die Märkte sind zusammengebrochen, und die Preise für Grundnahrungsmittel sind drastisch gestiegen. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Besonders stark vom Krieg betroffen sind im Sudan die Bundesstaaten Darfur und Kordofan. Hunderttausende Menschen sind in den letzten Monaten vor der schweren Gewalt geflohen. Wegen des Konflikts, der Vertreibung und des erschwerten Zugangs für humanitäre Hilfe mussten Familien monatelang ohne verlässlichen Zugang zu Nahrungsmitteln auskommen. Die Märkte sind zusammengebrochen, und die Preise für Grundnahrungsmittel sind drastisch gestiegen. (Quelle: unicef)

In Regionen wie Darfur und der Hauptstadt Khartum ist die Infrastruktur kollabiert. Krankenhäuser sind Ziele von Angriffen, und die Landwirtschaft liegt brach. Experten warnen vor einer Hungersnot, die Zehntausende Kinder das Leben kosten könnte. Hunger wird hierbei oft gezielt als Waffe eingesetzt, indem Hilfslieferungen blockiert werden.

Warum wir wegschauen:
Das Phänomen des »vergessenen Krieges«

Es ist die bittere Realität: Der Sudan steht im Schatten anderer Konflikte. Doch woran liegt das?

  • Geopolitische Komplexität:

    Im Sudan gibt es keine klaren "Guten" gegen "Böse" nach westlichem Narrativ. Es ist ein unübersichtlicher Kampf zweier Militärführer, was die mediale Aufarbeitung erschwert.

  • Medialer »Crowding-Out«-Effekt:

    Die Kapazitäten der Weltöffentlichkeit für Empathie und Berichterstattung sind begrenzt. Ukraine und Nahost binden die meisten Ressourcen.

  • Eingeschränkter Zugang:

    Beide Konfliktparteien behindern Journalisten und internationale Beobachter massiv. Wo keine Bilder entstehen, findet in der Wahrnehmung vieler Menschen auch kein Leid statt.

Ein Flächenbrand mit globalen Folgen

Der Sudan liegt strategisch am Roten Meer und grenzt an sieben Staaten. Ein dauerhafter Kollaps hätte massive Auswirkungen auf die globale Sicherheit.

überwältigende Mehrheit flieht innerhalb des Sudans. Andere versuchen in Nachbarländer wie Ägypten, Tschad, Südsudan, Uganda oder Kenia zu gelangen – oft unter lebensgefährlichen Bedingungen und in völlig überfüllte Camps mit kaum Versorgung. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Die überwältigende Mehrheit (der sudanesischen Flüchtlinge) flieht innerhalb des Sudans. Andere versuchen in Nachbarländer wie Ägypten, Tschad, Südsudan, Uganda oder Kenia zu gelangen – oft unter lebensgefährlichen Bedingungen und in völlig überfüllte Camps mit kaum Versorgung. (Quelle: Pro Asyl)

Migrationsbewegungen: Millionen von Menschen könnten gezwungen sein, Schutz in den Nachbarländern oder in Europa zu suchen.

Destabilisierung der Sahel-Zone: Ein zerfallender Sudan bietet Raum für transnationale Terrorgruppen.

Sicherheit der Handelswege: Das Rote Meer ist eine der wichtigsten Schlagadern des Welthandels.

Fazit-Katzen

Eine Frage der Menschlichkeit

Der Sudan-Konflikt zeigt uns schmerzhaft die Grenzen der internationalen Aufmerksamkeit auf. Doch das Schweigen der Welt ist der Treibstoff für die Fortsetzung der Gräueltaten. Wenn wir erst reagieren, wenn die Hungersnot ihr volles Ausmaß erreicht hat, wird es für Millionen zu spät sein.

Du kannst die »Aktion Deutschland Hilft« unterstützen, den Menschen im Sudan zu helfen: Ein Klick für Deine Spende! (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Du kannst die »Aktion Deutschland Hilft« unterstützen, den Menschen im Sudan zu helfen: Ein Klick für Deine Spende!

Die Frage, die bleibt:

Sind wir bereit, unser Augenmerk auch auf jene Krisen zu richten, die keine einfache Storyline bieten, aber dennoch das Schicksal von Millionen Menschen entscheiden?

Quellenangaben

UN OCHA (Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten): Reports zum Sudan (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Amnesty International: Berichte über Menschenrechtsverletzungen im Sudan (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Tagesschau (Hintergrundberichte zur Lage im Sudan): Drei Jahre Krieg im Sudan: Ein Leben an der Grenze (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Bürgerkrieg im Sudan: Drei Jahre Schrecken und kein Ende in Sicht (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Al Jazeera English (International anerkannte Berichterstattung vor Ort): Sudan Crisis Coverage (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Human Rights Watch: Sudan: Arbitrary Detention by Army, Security Forces (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

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