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Heute: Plastik – warum es überall ist, warum wir das nicht wollen, wie wir es ändern und warum das tatsächlich gelingen kann, wenn wir dranbleiben.
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Inhalt:
Froher werden – die guten Nachrichten.
Bühne frei für das Zeitalter der Renaturierung
Vorhang fällt für alte Verbrenner
Applaus für Ungarn
Der Plastikwelle den Hahn abdrehen – das Thema des Monats.
Wo und wie Plastik schadet
Weil es Materie am falschen Ort ist
Weil es schädliche Substanzen abgibgt
Weil seine Herstellung immense Mengen an Schadstoffen und CO2 produziert
Die Lösung liegt flussaufwärts
Die Gegenspieler: Man kennt sich
Wir haben verloren. Was haben wir gewonnen?
Lösung sein – Handreichungen fürs Selbermachen
Froher werden.
Die guten Nachrichten
Bühne frei für das Zeitalter der Renaturierung
Die landwirtschaftlich genutzte Fläche auf der Erde wird seit den 2000er Jahren kleiner (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). In Europa, Nordamerika, Australien und Zentralasien werden aufgegebene Weiden wieder zu Grasländern und Wäldern. Das liegt an Produktivitätssteigerungen, an der zunehmenden Verwendung von synthetischen Fasern (statt Baumwolle), Süßstoffen (statt Zuckerrohr und -rübe) und Aromastoffen (statt z.B. Vanilleschoten) sowie an veränderten Ernährungsgewohnheiten (Geflügel und Schwein statt Rind und Lamm).
Setzen sich diese Trends fort, wird die Menschheit im 21. Jahrhundert einer nachfolgenden Generation erstmals in der Geschichte mehr Natur hinterlassen, als sie vorgefunden hat.
Vorhang für alte Verbrenner
Die EU hält am sogenannten “Verbrennerverbot” ab 2035 fest (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (das, wir wiederholen es gern, kein (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Verbot ist und sich auch nicht explizit auf Verbrenner beschränkt) – trotz zunehmendem Druck gerade aus der deutschen Autoindustrie, die lieber weiter altmodische, ineffiziente Öl-Autos bauen möchte. Währenddessen sind die wichtigsten Märkte längst im Begriff (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), sich von ihnen zu verabschieden und die deutschen Autobauer am Wegesrand zurückzulassen, weil elektrische Autos nicht nur ökologisch und technologisch, sondern zunehmend auch wirtschaftlich die bessere Wahl sind.
Applaus für Ungarn
Vor zehn Jahren hatte Ungarn gar keine Solarenergie; heute (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) bestreitet das ja nicht unbedingt als progressiver Vorreiter bekannte Land über 25% seines Strombedarfs aus Solarstrom. Damit löst die Sonne Gas als zweitgrößte Stromquelle des Landes ab – und ist in einer sehr steilen Kurve auf dem Weg, bald auch den bisherigen Spitzenreiter Nuklearenergie vom Thron zu stoßen.
Der Plastikwelle den Hahn abdrehen.
Das Thema des Monats
Plastik ist überall, es schadet als Material am falschen Platz und setzt darüberhinaus tausende schädliche Chemikalien frei
Die mit Abstand wichtigste Maßnahme, um die Plastikkrise zu lösen, ist eine Deckelung der Produktionsmengen
Die fossile Lobby will das verhindern, weil sie Plastik als nächsten großen Markt für Öl, Gas und Kohle sichern möchte, wenn wir davon in Autos, Kraftwerken etc. immer weniger brauchen
Ihr steht eine große Mehrheit an Ländern gegenüber, die sich für eine wirkungsvolle globale Lösung einsetzen
Am Samstag war International Coastal Cleanup Day (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (ICC). Zum vierzigsten Mal haben sich Millionen Freiwillige auf der ganzen Welt aufgemacht – vielleicht auch in deiner Stadt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) – um Küsten, Ufer und Strände vor ihren Türen von Müll zu befreien.
Was 1984 an der Küste von Oregon in den USA mit 2000 Helfenden begann (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), ist heute einer der größten zivilgesellschaftlichen Aktionstage der Welt. Seit dem ersten Coastal Cleanup Day vor vierzig Jahren haben über 18 Millionen Menschen an den Küsten aller Kontinente über 170.000 Tonnen Müll gesammelt – das meiste davon Plastik.
170.000 Tonnen sind eine unvorstellbare Menge, ein eindrucksvolles Beispiel globalen sozialen Engagements, das Hoffnung macht.
170.000 Tonnen sind außerdem weniger als zwei Prozent der geschätzten 10 Millionen Tonnen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Plastik, die ins Meer geraten – pro Jahr.
In vierzig Jahren haben 18 Millionen Freiwillige also nicht einmal ein Fünfzigstel so viel Müll eingesammelt, wie die Menschheit jedes einzelne Jahr an Plastik ins Meer kippt, spült und wehen lässt.
Müssen wir uns Sisyphos als einen Müllsammler vorstellen?
Der ICC ist ein wichtiges Ereignis und eine große Errungenschaft – seiner Sichtbarkeit und seiner Symbolkraft wegen, und auch, weil die Beteiligten den Müll nicht bloß sammeln, sondern auch katalogisieren und auswerten. Es ist ein Citizen-Science-Projekt von planetarem Ausmaß, durch das wir viel über den Materialfluss des Mülls durch die Meere und Flüsse gelernt haben, und über die Identitäten der größten Verschmutzer.
Es ist kein kollektiver Sisyphos, der hier zugange ist. Es ist ein kollektiver Herkules.
Aber wir müssen die Linse noch eine ganze Ecke weiter öffnen, um die Größe der Herausforderung vollständig zu erfassen.
Achtung, jetzt geht es erstmal bergab. Aber versprochen, es wird danach einen positiven Ausblick geben.
Wirf mal kurz einen Blick auf diese Grafik bitte.

Das Diagramm ist ein bisschen erklärungsbedürftig. Links siehst du die Kurve der jährlichen Produktionsmenge von Primärplastik - also neuem – von 1950 bis 2017, und als Projektion darüberhinaus bis 2050. Im Jahr 2017 waren das über 400 Millionen Tonnen – schon damals etwa das Vierzigfache der Menge, die jährlich ins Meer gerät.
Der Balken rechts zeigt als Momentaufnahme aus 2017, was mit all dem bis dahin produzierten Plastik passiert ist - insgesamt waren das 9200 Millionen Tonnen.
Knapp 8200 Millionen Tonnen – also fast 90 Prozent allen je hergestellten Plastiks – waren demnach 2017 noch in der Welt. Das entspricht einem Würfel mit einer Kantenlänge von etwa zwei Kilometern.
Recycelt wurden, und werden bis heute, nur um die 10 Prozent allen Materials, verbrannt wird inzwischen etwas mehr. Wir können jedenfalls davon ausgehen, dass dieser Würfel seit 2017 jedes Jahr um mehrere hundert Tonnen neu produziertes Plastik gewachsen ist und es bis heute tut.

Und das, liebes Publikum, ist die Größe der Herausforderung.
Vor ein paar Wochen in Genf hätte ein wesentlicher Schritt zu ihrer Bewältigung gemacht werden können. Das ist nicht passiert. Du magst davon gelesen haben oder nicht – in der Berichterstattung war die Präsenz der UN-Plastikkonferenz (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), die eigentlich mit einem globalen Plastikabkommen hätte enden sollen / können /dürfen, überschaubar.
Ein Grund mehr, hier extra beherzt anzupacken, denn hoffnungslos ist die Lage nicht. Lösungen sind bekannt, Fachleute und Forschung sind sich einig. Es ist jetzt deren und unsere und deine Aufgabe, zu helfen, dass sie auch umgesetzt werden, auch, aber nicht nur, damit Herkules stolz auf uns ist.
Wir machen noch einen Schlenker, um einmal auch die weniger bekannten Aspekte der Plastikkrise zu skizzieren, dann kommen wir zu der Frage, was jetzt zu tun ist und warum.
Wo und wie Plastik schadet
Weil es Materie am falschen Ort ist
Plastik ist überall: in den äußersten Regionen der Erde und in den innersten Regionen menschlicher Körper (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Forschende haben es unter anderem gefunden (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in den tiefsten Tiefen der Meere und ihren Bewohnern, in Muttermilch, in Atemluft und Lungen, im Schnee der Arktis, im Hausstaub, in Gebärmüttern, vermutlich sogar in menschlichen Gehirnen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), auch wenn dieser Befund noch deutlich umstritten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ist.
Meerestieren wird es in Form von Meeresmüll zum Verhängnis, wenn sie sich darin verstricken, es verschlucken oder daran ersticken. Kleinere Partikel unter anderem aus Kosmetikprodukten, Reifenabrieb und Textilfasern bleiben am Plankton kleben und blockieren das Licht, das dieses unterste und damit wichtigste Glied der marinen Nahrungskette für die überlebenswichtige Photosynthese braucht. Noch kleinere Partikel, unter anderem aus dem Abrieb von Alltagsprodukten, sind so leicht, dass schon der geringste Luftzug ausreicht, um sie aufzuwirbeln und der Wind sie bis in die entlegensten Ökosysteme tragen kann. Sie sind so klein, dass sie über unsere Lungen in Blutbahn und Organe geraten, wenn wir sie einatmen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Plastik ist also nicht so allgegenwärtig, wie es ist, weil wir als Verbraucherinnen und Verbraucher so viel davon wegwerfen, sondern weil es entlang der gesamten Wertschöpfungskette in die Umwelt gerät – und zwar oft schon bevor es überhaupt Produkt geworden ist.
Weil es schädliche Substanzen abgibt
Plastik besteht aus Öl, Gas oder Kohle und sehr viel Chemie. Über 13.000 Chemikalien werden in der Plastikherstellung verwendet, die für bestimmte Eigenschaften des Materials sorgen – etwa Festigkeit vs. Elastizität, Transparenz, Farbe und so weiter.
Davon gelten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) über 4.000 als schädlich für die Umwelt oder den menschlichen Organismus. Von vielen anderen wissen wir es nicht genau.
Und dass diese Chemie nicht im Plastik verbleibt, sondern über den gesamten Lebenszyklus des Materials hinweg abgegeben wird – zum Beispiel an die Lebensmittel, die wir damit verpacken – ist inzwischen hinreichend belegt.
Viele dieser Stoffe sind hormonell wirksam, das heißt: Sie werden vom Körper für Hormone gehalten (dann nennt man sie Agonisten) und entfalten dieselbe Wirkung wie etwa Östrogen oder Testosteron. Oder sie wirken als sogenannte Antagonisten, blockieren Rezeptoren und verhindern so die Wirkung körpereigener Hormone.
Besonders in verwundbaren Lebensphasen wie Schwangerschaft, früher Kindheit oder Pubertät hat das eine ganze Reihe von möglichen Folgen: Reduzierte Spermienqualität, Zyklusstörungen, frühere Pubertät, erhöhtes Risiko für Übergewicht, Insulinresistenz und Diabetes, Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung, veränderte Abwehrreaktionen des Immunsystems, Übergewicht, uff.
Und anders als erwartbar folgt die Wirkung dieser Stoffe nicht der üblichen Logik größere Dosis, größerer Effekt. Schon der Eintrag geringer Mengen über kurze Zeit kann langfristige Folgen haben, während größere Dosen den Effekt vermindern oder ganz anders wirken können.
Die meisten anderen verwendeten Zusätze sind zum Glück einfach nur old school toxisch und erhöhen unter anderem das Risiko für diverse Arten von Krebs und genetische Fehlbildungen.
Plastik ist also nicht nur als physikalisches Objekt schädlich, sondern auch als Träger massiv umwelt- und gesundheitschädlicher Substanzen.
Weil seine Herstellung immense Mengen an Luftverschmutzung und CO2 produziert
99 Prozent aller Kunststoffe beginnen ihr Leben als Öl oder Gas, mit all den Umwelt- und Klimaproblemen, die an der Förderung fossiler Rohstoffe dranhängen.
Diese Rohstoffe wiederum in Granulat für die Herstellung von Plastikprodukten zu verwandeln, ist ein enorm energieintensiver Prozess.
Dabei entstehen zum einen große Mengen an CO2: 2015 war Plastik über den gesamten Lebenszyklus für drei bis vier Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, der bei weitem größte Anteil (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) davon bei der Bereitstellung der Rohstoffe (6-10 Prozent) und der Produktion (75-90 Prozent) – also lange bevor die Plastikflasche überhaupt bei dir auf dem Tisch steht, geschweige denn zu Müll wird.
Zum anderen entweicht während der Produktion eine große Zahl an anderen Schadstoffen aus Öfen und Heizkesseln in die Luft, zu Lasten der Gesundheit vor allem von Gemeinden, die sich im Umkreis der petrochemischen Werke befinden, und natürlich der Belegschaft der Werke selbst.
Eine kleine Auswahl der möglichen Gesundheitsfolgen: Diverse Formen von Krebs, schwere Leberschäden, Herzinfarkt, Schlaganfall, Asthma, kognitive Beeinträchtigungen, sensorische Störungen, Reproduktions‑ und Entwicklungseffekte, außerdem ungünstige Schwangerschaftsverläufe, wie bitte, was machen wir da eigentlich?
Plastik ist also nicht nur an sich ein Problem, sondern auch sein hochgradig klima-, umwelt- und gesundheitsschädlicher Herstellungsprozess.
Die Lösung liegt flussaufwärts
Die Antwort auf den größten Teil all dieser Probleme liegt upstream, also flussaufwärts, in den Gliedern der Wertschöpfungskette bevor Plastik als Bestandteil eines Produktes im Ladenregal steht.
Wir wollen die Notwendigkeit von mehr Recycling und besserem Müllmanagement keineswegs kleinreden, und du wirfst bitte unbedingt weiter deinen Joghurtbecher ordnungsgemäß in den Gelben Sack: Betrachtet man ausschließlich die Meere, stammt der nach Gewicht größte Anteil von Plastikeinträgen aus mangelhaften Müllverwertungssystemen in ärmeren Ländern. Hier können Investitionen in bessere Verwertung in besonders betroffenen Hotspots (und ordnungsgemäß entsorgte Joghurtbecher in Ländern mit guten Systemen) schnell viele Tonnen einsparen.
Aber erinnere dich noch mal an die Grafik oben. Bei einem Blick auf diese Kurve mit dem Wachstum der Produktionsmengen sollte eigentlich ziemlich schnell klar werden, wo der eigentliche Hebel liegt.
Stell dir vor, du bist panisch mit einem sehr kleinen Wischmop in deinem überschwemmten Bad zugange und kriegst es irgendwie nicht trocken. Was tust du zuerst: zum Baumarkt rennen und einen größeren Wischmop besorgen – oder den Wasserhahn zudrehen? Anders gefragt: Ist deine flussaufwärts überlaufende Badewanne ein Wischmopproblem?
Selbst mehr Recycling ist keine Frage allein der besseren Müllverwertung, sondern ebenfalls eine der Produktion: Es ist vor allem die wenig regulierte und intransparente Beimischung tausender Chemikalien, die ein vollwertiges Recycling – und in vielen Fällen selbst das Downcycling zu minderwertigen Produkten – technisch erschwert, oft unmöglich macht, weil der Rohstoff, den man möchte, kaum von der Chemie trennbar ist, die man nicht möchte.
Und das ist auch der Konsens, der sich über die Jahre in der Forschung immer weiter durchgesetzt hat. Die folgenden Kernforderungen finden sich in einem offenen Brief (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) anlässlich der Genfer Plastikkonferenz, der von über 1100 unabhängigen Forschenden und Fachleuten mit Expertise zum Thema unterzeichnet wurde.
Die erste und wichtigste Maßnahme ist eine absolute Reduktion der Produktion von Primärkunststoffen – ein sogenanntes “Cap”, ein Deckel. Ohne ist ein nachhaltiger Materialkreislauf weder technisch noch wirtschaftlich machbar, noch bekommen wir die Plastikverschmutzung in den Griff.
Zweitens müsste die chemische Zusammensetzung der Kunststoffe einfacher und transparenter werden, um die Wiederverwertung zu erleichtern und Gesundheitsschäden zu verhindern.
Der dritte Teil der Antwort liegt im Design der Endprodukte: Wiederverwendbarkeit, Langlebigkeit, Reparierbarkeit statt “geplante Obsoleszenz”, also kein Design, dass auf schnelles kaputtgehen/überholt sein/unsexy werden ausgelegt ist, damit möglichst bald ein neues Produkt gekauft werden muss – so wird die Nachfrage nach neuem Plastik gesenkt..
Und welche Akteure mögen es nun wohl sein, die dafür verantwortlich sind, dass wir trotzdem über Plastik fast immer als Müllproblem sprechen? Spoiler: Es sind alte Bekannte.
Die Gegenspieler: Man kennt sich
Ein sehr großer Teil der Staatengemeinschaft, und das ist eine der sehr guten und wichtigen Nachrichten, möchte ein wirksames globales Plastikabkommen: Die “High Ambition Coalition (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)” unter der Führung von Ruanda und Norwegen, die sich für ein starkes Abkommen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse inklusive Produktionsdeckel einsetzt, besteht inzwischen aus über 100 Ländern (die EU und damit auch Deutschland eingeschlossen).
Ihnen gegenüber steht ein Bündnis (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) aus Öl und Gas produzierenden Staaten und Lobbyverbänden der petrochemischen Industrie. Die Mitgliedschaft ist hier deutlich intransparenter als bei der High Ambition Coalition und schwankt von Verhandlungspunkt zu Verhandlungspunkt, aber es geht hier nur um eine Handvoll Staaten.
Kernmitglieder sind unter anderem Russland, Iran, die USA und Saudi-Arabien.
Die gemeinsame Linie: Eine Deckelung der Plastikproduktion abwehren und das Müllproblem in den Mittelpunkt stellen – dessen Lösung, selbst wenn es eine gäbe, keine Bedrohung für die wachsende Nachfrage nach neuem Plastik ist, weil es sich nur darum schert, was passiert, nachdem es produziert wurde.
Der wirtschaftliche Antrieb hinter diesem Bündnis ist simpel: Plastik ist die Anschluss‑Wachstumsstrategie der Fossilen, die auffangen soll, dass Verkehr und Stromproduktion dank der rapide voranschreitenden weltweiten Energiewende immer weniger fossile Energieträger brauchen: Es wird erwartet (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), dass Plastik bis 2030 für mehr als ein Drittel des Wachstums der Nachfrage nach Öl verantwortlich sein wird, und bis 2050 für fast die Hälfte.
Dieser Hahn muss offen bleiben. Denn was für die überwältigende Mehrheit der Menschen ein metaphorisches überlaufendes Bad bedeutet, soll anderswo weiterhin für weniger metaphorische überlaufende Bankkonten sorgen.
Es gibt also gemeinsame Ursachen für die Überhitzung und die Plastifizierung des Planeten - und unter den Hauptverantwortlichen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) massive Personalüberschneidungen. So sind es dann auch dieselben Kräfte, die mit denselben Methoden die internationale Politik sabotieren, die es bräuchte, um die Plastikflut einzudämmen.
Und auch hier läuft das Konsensverfahren, mit dem die UN in aller Regel ihre Entscheidungen trifft, de facto auf ein Vetorecht einiger weniger hinaus, die große Mehrheiten so auf einfachste Weise aushebeln können.
Dabei könnten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) die ambitionierten Staaten, wenn sie nur wollten, eine Mehrheitsentscheidung erzwingen. Doch bisher haben sie sich das nicht getraut.
Wenn diese “Spoiler Countries” weiter erfolgreich die Verhandlungen sabotieren, wird Plastik mit der erwarteten Entwicklung der Produktionsmengen bis 2050 allein mehr als ein Viertel (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) des verbleibenden CO2-Budgets der Welt verbraucht haben – von den Umwelt- und Gesundheitsfolgen ganz zu schweigen.
Wenn!
Wir haben verloren. Was haben wir gewonnen?
Der in Genf zur Abstimmung vorgelegte Antrag war schwach; er war das Ergebnis des Einflusses einer Lobby, die ihre cash cow erfolgreich beschützt hat. Es mag eine Niederlage sein, dass wir nicht mit einem fertigen Abkommen aus der Konferenz gekommen sind. Es wäre eine weit größere Niederlage gewesen, wenn ein Text verabschiedet worden wäre, der so tut, als gälte es vor allem, unseren Müll besser zu sortieren. Es ist eine gute Nachricht, dass er so vehement abgeschmettert wurde.
Und (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre): Während der Verhandlungen lag eine regelrechte Flut an neuen, eindrucksvollen wissenschaftlichen Erkenntnissen auf dem Tisch – wir haben Teile davon hier versucht, für dich zusammenzufassen. Inzwischen ist auch dem letzten Politiker, der letzten Politikerin unmissverständlich klar, dass Plastik nicht “nur” ein Problem für die Meeresschildkröten ist.
Die Idee, die Plastikproduktion zu deckeln, ist von einer Forderung vom aktivistischen Rand zu einer Kernforderung von über 100 Ländern geworden. Aus dieser Überzeugung heraus entstanden sehr starke Textentwürfe, und um diese Entwürfe herum große, schlagkräftige Mehrheiten.
Diese Mehrheiten und die dahinterliegenden Ambitionen werden mit dem Ende der Konferenz nicht verschwinden, sondern im Gegenteil die Empörung und das damit einhergehende Momentum nutzen, um die Sache weiter voranzutreiben – in ihren jeweiligen Ländern, innerhalb der High Ambition Coalition, und auf der nächsten großen Verhandlung.
Unterm Strich: Zwei der drei tragenden Säulen für ein wirksames Abkommen stehen – starke, wissenschaftlich abgesicherte Inhalte und spürbare politische Ambition. Was es jetzt braucht, ist ein Verfahren, das diese Mehrheiten handlungsfähig macht: fair, transparent und resistent gegen Blockaden. Wenn das gelingt, ist ein Abkommen in Reichweite, das die Plastikverschmutzung entlang des gesamten Lebenszyklus beendet – mit großen Gewinnen für Klima, Artenvielfalt und Gesundheit.
Wo nicht anders erwähnt stammen Daten und Fakten aus den Factsheets der Scientists’ Coalition for an Effective Plastics Treaty (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre):
Factsheet: Triple Planetary Crisis (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Policy Brief: Cutting plastic pollution at the source (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Lösung sein.
Handreichungen fürs Selbermachen
https://www.youtube.com/shorts/Ug6py7PoHR8 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Nicht zum ersten Mal haben wir hier ein Problem, dessen Lösung vor allem auf globaler, politischer Ebene stattfinden muss, und über das wir unverhältnismäßig viel als Konsum- und Verbraucherproblem reden. Wie so oft hat die einzelne Person in ihrem persönlichen Verhalten nur wenig Zugriff auf diese Lösung.
Die Frage, ob jetzt der Einzelne verantwortlich ist oder gleich die ganze Welt, ignoriert aber die vielen, vielen Handlungsmöglichkeiten dazwischen - in Familien, Betrieben, Vereinen, Ländern, Staatengemeinschaften, Koalitionen... Denn wie immer ist die Antwort: Die Einzelperson ist dort wirkungsvoll, wo sie aufhört, eine einzelne Person zu sein.
Das ist erstmal eine kommunikative Aufgabe. Es gilt, zwei Botschaften unermüdlich zu wiederholen, wo immer du eine Plattform hast, um die Unterhaltung weg von Joghurtbechern, Mülltrennung und Trinkflaschen Richtung flussaufwärts zu schieben, wo sie hingehört. In aller Kürze:
Der Hahn muss zugedreht werden.
Primärplastik runter, sonst ist alles nichts.Plastik = Öl + Gift.
Chemie muss reguliert und transparent gemacht werden, damit wir und die Ökosysteme, die uns am Leben erhalten, weniger krank davon werden und Recycling überhaupt in einem hilfreichen Maßstab funktionieren kann.
Denn wenn der Diskurs in der Bevölkerung kippt, führt das zu mehr Durchsetzungsmut in der Politik, und damit zu größeren Chancen auf ein Abkommen auf internationalem Parkett.
Darüberhinaus empfehlen wir, ebenfalls wie immer, den prüfenden Blick auf deine spezifische Rolle, auf die Bereiche, auf die du vielleicht mehr Wirkung hast als andere:
Hast du mit Sponsoringverträgen zu tun? Dann könntest du klare Forderungen an potentielle Partner stellen, was ihre Plastik-Reduktionsziele sind, bevor du dich mit ihnen einlässt.
Planst du Veranstaltungen, gibst du Konzerte, organisierst du Produktionen? Bestehe auf Mehrwegsysteme für Essen und Trinken – und erkläre öffentlichkeitswirksam, warum du das tust (siehe oben).
Denkst du dir Geschichten aus? Erzähl die Plastikgeschichte mit, und schau, ob du einen Blick auf die Rolle der fossilen Industrie werfen kannst, wenn du auf der Suche nach frischen Antagonisten bist – und auf herkulische Erfolge kollektiven Handelns für neue Formen der Heldenreise.
Hast du etwas Geld? Spende es an Organisationen, die direkt an den Verhandlungen teilnehmen – zum Beispiel CIEL (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder Gaia (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder Ocean Conservancy (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (die nicht nur den International Coastal Cleanup Day organisieren, sondern auch mitverhandeln).
Hast du etwas mehr Geld? Planet A (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ist ein Venture-Capital-Unternehmen, das ausschließlich in Startups (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) mit wissenschaftlich untersuchtem Potential für positiven Impact auf den Planeten investiert. Darunter sind einige, die sich mit der Plastikkrise beschäftigen – zum Beispiel traceless (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), das Kunststoffpellets aus Pflanzenabfällen herstellt, die ohne schädliche Chemie auskommen und unter ganz normalen Haushaltsbedingungen rückstandsfrei kompostiert werden können.
Freunde treffen.
Der Tipp des Monats
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Bitte behalte es für dich: acht von zehn der guten Nachrichten, mit denen wir unsere Newsletter beginnen, sind gestohlen. Und zwar von Fix the News (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Immer auf der Suche nach guten Geschichten aus der ganzen Welt haben wir natürlich eine ganze Reihe von Newslettern aus der Konstruktiver-Journalismus-Ecke abonniert. Angus Herveys Fix the News ist der eine unter ihnen, den wir jede Woche zuverlässig zu Ende lesen. Das ist gut für unsere Arbeit und gut für unsere Seelenhygiene.
Das Format - eine lange, lange Liste von kurz, geistreich und unterhaltsam kommentierten Links – setzt dem wissenschaftlich nachgewiesenen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Bad News Bias der internationalen Medienlandschaft einen konsequenten Blick auf “Trendlines statt Headlines” entgegen. Es trägt dabei aufregende Entwicklungen zusammen, von denen man anderswo nie gehört hätte, und lässt uns verlässlich mit dem gut belegten Gefühl zurück, dass es Hoffnung gibt, dass Veränderung auch im großen Stil möglich ist und überall geschieht und dass es sich unbedingt dafür zu kämpfen lohnt.
Hiermit sei dir Herveys emotionaler Ted Talk von diesem Jahr empfohlen – und ganz unbedingt ein Abonnement von Fix the News.
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