FILMKRITIK (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Potsdam ist schön, wer noch nicht dort war, sollte dies nachholen. Kann aber durchaus bis zum Frühjahr warten. Bis dahin ist das Schön-Wetter-Potsdam (und Rand-Berlin) in einem neuen Krimi-Format der RTL-Reihe „Tödlicher Dienst-Tag“ zu sehen: Haveltod – Ein Potsdam-Krimi heißt der neue Prime-Crime-Time-Film mit GZSZ-Ikone Wolfgang Bahro und dem einigen aus diversen SOKO-Episoden sowie wohl vor allem Jan Georg Schüttes Impro-Dramedy Die Hochzeit bekannten Felix Kreutzer in den Hauptrollen.

Und da es sich bei Bahros Armin Weber ein Fallanalytiker (aka Profiler) im Semi-Ruhestand handelt, der mittlerweile einen Bestseller geschrieben hat (der im Laufe der Ermittlungen wenig überraschend eine Rolle spielen wird), heißt dieser erste Krimi-Spaß dann schlicht Im Kopf eines Killers. (Ja, Axel Petermann war für die Profiler- und Polizeifachberatung der UFA Fiction Produktion zuständig. Dessen neues Buch erscheint übrigens in vier Wochen.) Statt aktiver Analyse arbeitet Weber nun als Dozent an der Polizeiakademie Potsdam.

Doch dann benötigen sein Sohn, Gregor Weber (Kreutzer) sowie Kollegin Sanni Beusen (Sinje Irslinger) und Chefin Victoria Gonzales (Rosa Enskat) wohl die Hilfe des alten Hasen. Der grausige Fund einer Frauenleiche erschüttert Potsdam: Im Glockenturm der Heilandskirche Sacrow hängt auffällig platziert die Leiche der jungen Melina Hammerschmied (Lilly Joan Gutzeit). Der Fall weist signifikante Parallelen zu einem rätselhaften Mord vor einigen Jahren auf, bei dem Armin und Gregor bereits gemeinsam ermittelten. Damals war es Gregors erster Fall als Kommissar und der ohnehin von ihm entfremdete Armin hat ihn ohne sein Wissen abgezogen…

Neben Mord also noch Familie als Konfliktfeld. Standard-Krimi-Kost à la diverser Tatorte (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) wie Polizeirufe 110 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), wenn mensch so will. Wenn sich das hier neben manch allzu plakativen Austausch, den wir mal als späte Exposition bezeichnen, auch in Grenzen hält. Das Drehbuch von Willi Kubica, Andy Fetscher (auch Regie) und Florian Schumacher vermittelt deutlich, dass es sich um den ersten Film einer neuen Reihe handeln soll. Insofern dürfte da noch ein wenig mehr zum Konflikt des Vater-Sohn-Gespanns kommen.
Überhaupt sind Väter und Söhne (und die Mütter respektive starke Frauen) das hintergründige Thema des schnittig inszenierten Films (Kamera: Felix Poplawsky, BVK; Schnitt: Patricia Testor, Andy Fetscher). Neben den Webern eins und zwei begegnen wir der Immobilien-Familie Rosen: Vater Christopher (Rainer Sellien) und Sohn Julius (Sebastian Schneider, Bekenntnisse des Hochstaplers Thomas Mann) geraten im Laufe der Ermittlungen in den Fokus des Weber-Fragen-Grills.

Zu viel soll gar nicht berichtet werden. Der Film ist – ähnlich anderer Dienst-Tag-Krimis von RTL – kurzweilig. Inszeniert in einer Mischung von betulich und beschwingt, musikalisch poppig und mit feinem Score von David Grabowski und Hannes Eils untermalt, bis in die Nebenrollen gut besetzt (u. a. Jane Chirwa, Safinaz Sattar, Lukas T. Sperber (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Katrin Heller, Baris Gul) und stellenweise in der Tat recht spannend. Zwar bleibt vieles vorhersehbar und diverse Dialoge schmerzen leicht. Ebenso ist es eher unwahrscheinlich, dass Armin Weber sich erst vor wenigen Jahren der Fallanalyse verschrieben hat und so schnell als Profi-Profiler, bestens vernetzt und super bekannt geworden sein soll. (Und sein Tic-Tac-Tick ist schlicht… naja… hä?!)

Da dieser Haveltod aber trotz ernsten Themas (und manch feiner Message (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)) doch irgendwie Frühsommersonne ins graue Haus bringt, die Chemie zwischen den Beteiligten passt und das Drehort-Raten ähnlich wie in der Amazon Prime-Mini-Serie Miss Sophie – Same Procedure as Every Year viel Freude und Lust auf einen Ausflug bringt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
In diesem Sinne darf künftig gern erneut an der Havel gemordet werden!
AS
PS: Laut einer RTL-Pressemitteilung vom Morgen des 14. Januar 2026 überzeugte der Start der neuen Primetime-Krimireihe mit guten Quoten. Bei den 14- bis 59-jährigen Zuschauern erzielte der Krimi einen Marktanteil von 8,8 Prozent und war damit am Dienstag die erfolgreichste Sendung unter den Privatsendern in der Primetime.
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Haveltod – Ein Potsdam-Krimi: Im Kopf eines Killers ist am 13. Januar 2026 um 20:15 Uhr auf RTL zu sehen und auf RTL+ verfügbar (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/d5bdfb68-5bc8-4289-ae1d-5db828a73446 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)