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HINGUCKER MIT GRAUS- UND WOLLFÜLLFAKTOR

FILM-KRITIK (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

An Christi Himmelfahrt (für diejenigen, die’s brauchen) fährt im Kino ein gutmütiger, halb-eremitischer Schafhirte in den Himmel ein und wird wohl zu einer Wolke. Wie alle Schafe, denn sie sterben ja nicht. Oder doch? Dies nur eine der Fragen in unseren Filmempfehlungen der Woche.

Dazu wird gepfiffen, es gibt einen Zauberbaum ohne Traum und gleich in zwei deutsch-österreichischen Koproduktionen des ZDF (einmal mit dem ORF, ugh (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), und einmal mit, ugh (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Servus TV) spielen Auftragskiller eine Rolle. Ein tödlicher Donnerstag statt Dienstag (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), wenn ihr so wollt. (Und achtet aus unser PS am Textende ☝🏻)

[ACHTUNG: LEICHTE SPOILER]

NIX ZU MECKERN

Mit ihrem Schafs-Krimi GLENNKILL – EIN SCHAFSKRIMI legte die 1975 in der Nähe von München geborene Leonie Swann 2005 einen echten Bestseller hin: Übersetzt in über 25 Sprachen, Neuauflage nach Neuauflage und nun eine weitere Ausgabe im DuMont Verlag (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), die passend zum heutigen Kinostart im April erschienen ist. Die Buchverfilmung von Minions-Regisseur Kyle Balda sowie das von Craig Mazin adaptierte Drehbuch bieten beste Unterhaltung mit reichlich Spannung und viel Gefühl!

(v. l. n. r.)  Cloud, Daisy, Sir Ritchfield, Pickles, Oliver, Wool-Eyes, Zora, Mopple, das ohnmächtige Schaf, Lily, Reggie und Ronnie sowie Hugh Jackman als George Hardy in GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI// Mit freundlicher Genehmigung von Amazon MGM Studios © 2026 Amazon Content Services LLC. Alle Rechte vorbehalten.
(v. l. n. r.) Cloud, Daisy, Sir Ritchfield, Pickles, Oliver, Wool-Eyes, Zora, Mopple, das ohnmächtige Schaf, Lily, Reggie und Ronnie sowie Hugh Jackman als George Hardy in GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI// Mit freundlicher Genehmigung von Amazon MGM Studios © 2026 Amazon Content Services LLC. Alle Rechte vorbehalten.

Für jene, die mit der Handlung noch nicht vertraut sind (so wie der Autor dieser Zeilen, der das Buch bisher noch nicht gelesen hatte – eine separate queer review folgt): George Hardy (Hugh Jackman) ist Schäfer und Krimi-Fan und liest seinen Schafen jeden Abend ein wenig vor. Nichtsahnend, dass sie die Geschichten nicht nur verstehen, sondern sich gar darüber austauschen. Allen voran das klügste Schaf Lily (Julia Louis-Dreyfus, dt. Stimme Anke Engelke) hat immer einen guten Riecher.

Emma Thompson spielt die Rolle der Lydia Harbottle in GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI // Alex Bailey © 2026 Amazon Content Services LLC. Alle Rechte vorbehalten.
Emma Thompson spielt die Rolle der Lydia Harbottle in GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI // Alex Bailey © 2026 Amazon Content Services LLC. Alle Rechte vorbehalten.

Eines Morgens liegt der Schäfer tot auf der Wiese (was ich echt nicht wusste, mega überrascht gewesen) und es stellt sich spätestens mit der Testamentseröffnung durch Anwältin Lydia (Emma Thompson) stellt sich die Frage: Wer hatte ein Motiv den eigenwilligen George zu ermorden. Der hinterlässt nämlich überraschend ein Vermögen von mehreren Millionen US-Dollar. Da taucht auf einmal die lang verschollene Tochter Rebecca (Molly Gordon) auf, auf die der etwas langsame Dorfpolizist Tim Derry (Successions Nicholas Braun) nicht nur aus einem Grund ein Auge hat...

Nicholas Braun als Officer Tim Derry und Nicholas Galitzine als Elliot Matthews in GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI // Alex Bailey © 2026 Amazon Content Services LLC. Alle Rechte vorbehalten.
Nicholas Braun als Officer Tim Derry und Nicholas Galitzine als Elliot Matthews in GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI // Alex Bailey © 2026 Amazon Content Services LLC. Alle Rechte vorbehalten.

...ebenso hatte George im Ort nicht nur Freund*innen. Die Liste möglicher Verdächtiger ist lang, was auch den Reporter Elliot Matthews (Nicholas Galitzine, Royal Blue, Mary & George) interessiert investigativ recherchieren lässt. Doch am Ende ist der Mensch sich selbst am Nächsten, was für Schafe so wohl nicht gilt. Also machen sich vor allem Lily, Cloud (Regina Hall) und Mopple (Chris O'Dowd, dt. Bastian Pastewka) gemeinsam mit Außenseiter, weil Winterschaf Sebastian (Bryan Cranston) daran mit blökendem Charme den bräsigen und egoistischen Zweibeinern zu helfen.

https://www.youtube.com/watch?v=HMJoDGjM8yg (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Es soll gar nicht so viel mehr geschrieben werden, die Bewertung steht am Anfang dieser Rezension. Kurzum: Der Film ist spannend und kurzweilig, sieht toll aus (Kamera: George Steel), klingt gar in deutscher Synchronisation gut und ist unendlich herzerwärmend. Dass sowohl Leonie Swann im Buch als auch Kyle Balda und Craig Mazin die Figuren und Zuschauer*innen ernst nehmen, ist dem Werk deutlich anzumerken. GLENNKILL ist kein Klamauk, sondern ein charmanter Cosy-Crime-Film mit mehr Hintersinn (wenn es etwa um das Vergessen und Erinnern geht) und herrlicherem Humor, als ich es erwartet hätte. Dazu noch toll besetzt und musikalisch fein untermalt.

Eine volle Empfehlung ohne jedes Gemecker!

AS

GLENNKILL: EIN SCHAFSKRIMI ist seit dem 14. Mai 2026 im Kino zu sehen.

BEIM NÄCHSTEN MAL BITTE DIOR

Gemeckert haben wir dafür hier:

So schön es ist, die Gang um Miranda Priestly (Meryl Streep), Andy (Anne Hathaway, ab kommender neben Michaela Cole in MOTHER MARY zu sehen, da spielen Mode und Musik ebenfalls wesentliche Rollen), Emily (Emily Blunt) und Nigel (Stanley Tucci) wiederzusehen so eigenartig ist das dann doch wieder alles. Es gilt in der TEUFEL TRÄGT PRADA 2 darum das angeschlagene Magazin RUNWAY in (die) digitalen Zeiten zu retten, Ton und Stil beizubehalten und es vorm Ausverkauf zu schützen (wieder ganz Succession). Dies natürlich nicht ohne viel Glanz und Gloria, Product-Placement (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und Produktplatzierungen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) (🤭) sowie reichlich Drama, Drama, Drama.

Nicht wirklich auf dem Blauen Teppich geblieben: Meryl Streep, Anne Hathaway und Stanley Tucci in Der Teufel trägt Prada 2 // © 20th Century Studios/Walt Disney
Nicht wirklich auf dem Blauen Teppich geblieben: Meryl Streep, Anne Hathaway und Stanley Tucci in Der Teufel trägt Prada 2 // © 20th Century Studios/Walt Disney

Diverse Wendungen, Nebenschauplätze (einer tatsächlich an einem Drehort aus der dritten Succession-Season, Villa del Balbiano) und viele Längen sowie weit weniger Charme als im ersten Teil inklusive. Lady Gagas Auftritte erinnern an ihre früheren Karriere-Tage, als wir sie in der dritten Staffel der großartigen New-York-Serie GOSSIP GIRL auftreten sahen.

Neue Karriere: Emily Blunt in Der Teufel trägt Prada 2 // © 20th Century Studios/Walt Disney
Neue Karriere: Emily Blunt in Der Teufel trägt Prada 2 // © 20th Century Studios/Walt Disney

Ein wenig mehr Spirit und Fire wären von Regisseur David Frankel und vor allem Autorin Aline Brosh McKenna (Cruella, Crazy Ex-Girlfriend, Ein Date zu dritt), die beide auch für den ersten DER TEUFEL TRÄGT PRADA verantwortlich zeichneten (nach der Romanvorlage Lauren Weisbergers), zu erwarten wie erhoffen gewesen, genau wie Charme und Chuzpe.

Bei schlechten Nachrichten immer lächeln: Miranda Priestley (Meryl Streep) und Nigel Kipling (Stanley Tucci) in Der Teufel trägt Prada 2 // © 20th Century Studios/Walt Disney
Bei schlechten Nachrichten immer lächeln: Miranda Priestley (Meryl Streep) und Nigel Kipling (Stanley Tucci) in Der Teufel trägt Prada 2 // © 20th Century Studios/Walt Disney

Der Film tut nicht weh, ist durchaus unterhaltsam, lustig, leider selten berührend, immer gut gespielt (u. a. noch Lucy Liu, Tracie Thoms, Justin Theroux, Kenneth Branagh und Caleb Hearon). Mäandert allerdings arg attraktiv (Kamera: Florian Ballhaus; Schnitt: Andrew Marcus; Kostüme: Molly Rogers) zwischen Komödie und Kitsch, Luxusliebe und Kapitalismuskritik, Stil und Substanz. Das ist alles aufwendig, allerdings ebenso aufgesetzt.

https://www.youtube.com/watch?v=lY5KdaMJLGc (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Dieser zweite Prada tragende Teufel ist nichts Halbes und nichts Ganzes, profitiert eher von Nostalgie denn Modernisierung. Schade eigentlich! Wenn auch ein schön anzuschauendes Schade.

AS/HMS


DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2 ist seit dem 30. April 2026 im Kino zu sehen.

KANN MENSCH DRAUF PFEIFEN

Ebenso schön anzusehen und im Grunde substanzlos ist Corin Hardys WHISTLE, der seit letztem Donnerstag im Kino läuft und seine Premiere bereits auf den Fantasy Filmfest Nights Mitte April feierte. Wir durften diese in Berlin besuchen (die Nachos im Zoo Palast sind nicht zu empfehlen) und freuten uns sehr, nur um doch recht enttäuscht von der Todes-Pfeife à la RING zu sein.

Ellie Gains (Sophe Nelisse) und Chrys Willet (Dafne Keen) versuchen dem Geheimnis der Pfeife auf die Spur zu kommen // © Leonine Studios
Ellie Gains (Sophe Nelisse) und Chrys Willet (Dafne Keen) versuchen dem Geheimnis der Pfeife auf die Spur zu kommen // © Leonine Studios

Im „Drehbuch“ von Owen Egerton geht es um eine Gruppe von Teenagern, zusammengesetzt nach den bekannten Mustern aus Nerds und Jocks, Außenseiter*innen und „erwachsenen“ Bösewichten, nahezu alle Eye Candy (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) mitsamt etwas Queerness (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), die von einem Fluch heimgesucht werden. Pfeifst und hörst den Ton, stirbst du innerhalb einer gewissen Zeit, außer du gibst ihn weiter, diesen pfiffigen Fluch. Das ist alles irgendwo zwischen erwähntem Ring, THE MUMMY (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und der FINAL DESTINATION-Reihe angesiedelt – leider weit langatmiger und langweiliger als die meisten der anderen Filme. (Als wir denken, wir bewegen uns in einem Heu-Irrgarten Richtung Finale, ist's noch lange nicht um. Weckte aber schöne Erinnerungen an CLOWN IN A CORNFIELD (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)).

Oh, oh! Rel (Sky Yang) hält die Todespfeife in der Hand // © Leonine Studios
Oh, oh! Rel (Sky Yang) hält die Todespfeife in der Hand // © Leonine Studios

Immerhin sind die Todesszenen sehr kreativ und authentisch umgesetzt (Stichwort: Autounfall), das ist durchaus ein kleines (Blut-)Fest mit Anspruch (Kamera: Björn Charpentier; Schnitt: Nicholas Emerson). In solchen Momenten wie auch der Nebenrolle Michelle Fairleys zeigt sich die GANGS OF LONDON-Erfahrung von Hardy (The Nun). Sie zeigen aber (bedauerlicherweise) auch welches Potenzial der Film eigentlich gehabt hätte.

Michelle Fairley als mysteriös an Krebs oder so sterbende Ivy Raymore in Corin Hardys WHISTLE // © Leonine Studios
Michelle Fairley als mysteriös an Krebs oder so sterbende Ivy Raymore in Corin Hardys WHISTLE // © Leonine Studios

Im Verlauf des letzten Drittels des, erneut, viel zu langen Films, passiert dazu noch etwas derart Dummes, dass WHISTLE ab dem Moment für uns durch war. Scheinbar haben selbst die Macher*innen ihre eigene Welt und Dynamik nicht kapiert oder „zugunsten von Drama“ nicht kapieren wollten... Ebenso schien mensch zu denken: Solange Musik (Doomphonic) nur laut ist, wird sie schon auf angeblich abgefahrenen Horror passen. Nein, sie ist nur nerviger als jedes Gepfeife.

https://www.youtube.com/watch?v=h0ZLdgKSwY8 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Die Stimmung im Saal zur Premiere war jedenfalls verhalten, der Applaus zum Filmende eher höflich und weniger intensiv als nach Ankündigung und Video-Grußwort von Corin Hardy zu Beginn. Da braucht's keinen Whistleblower, um zu wissen, was Phase ist.

Zum Abpfiff: Einer von uns fands Scheiße, der andere nur schlecht und zum Vergessen.

AS/NS

WHISTLE ist seit dem 7. Mai 2026 im Kino zu sehen.

ZAUBERHAFTER BAUM UND LECKER TOMATEN

Erneut eine Buchverfilmung, bei der das Buch unbekannt war. Hier, anders als bei GLENNKILL, wusste ich noch nicht einmal um die Existenz der Geschichte! Welch Schmach, welch Schande!

Seidenhaar (Nicola Coughlan), Pfannenmann (Dustin Demri-Burns) und Mondgesicht (Nonso Anozie) versuchen, Fran (Billie Gadsdon) aus den Fesseln der Marshmallow-Bäume im Land der Leckereien zu befreien und sie vor dem wachsamen Polizisten, der Fran ins Gefängnis stecken will, zu bewahren // © Leonine Studios
Seidenhaar (Nicola Coughlan), Pfannenmann (Dustin Demri-Burns) und Mondgesicht (Nonso Anozie) versuchen, Fran (Billie Gadsdon) aus den Fesseln der Marshmallow-Bäume im Land der Leckereien zu befreien und sie vor dem wachsamen Polizisten, der Fran ins Gefängnis stecken will, zu bewahren // © Leonine Studios

Mit der WUNDERWELTENBAUM im verzauberten Wald nahmen sich Ben Gregor (Regie) und Simon Farnaby (Drehbuch) der Adaption eines Enid Blyton Klassikers an, den um mich herum natürlich alle kannte (meine Kindheit war eigen). Umso zauberhafter das erste Erleben und Entfalten der Geschichte um Träume im Sinne von Zukunfts-Hoffen und dem Nicht-Vergessen des sich Wunderns im besten Sinne.

Die Familie Thompson ist überrascht, als sie zum ersten Mal ihr neues Zuhause sieht: Eine alte Scheune // © Leonine Studios
Die Familie Thompson ist überrascht, als sie zum ersten Mal ihr neues Zuhause sieht: Eine alte Scheune // © Leonine Studios

Besetzt mit Claire Foy, Andrew Garfield, Nicola Coughlan, Billie Gadsdon, Delilah Bennett-Cardy, Jessica Gunning, Nonso Anozie, Phoenix Laroche, Rebecca Ferguson, Mark Heap, Dustin Demri-Burns und, und, und erwarten die Zuschauer*innen starke Auftritte. Ein Grund mehr auch für die Erwachsenen sich das ab 6 Jahren freigegebene Fantasy-Abenteuer um die Familie Thompson und des Vaters Tomatentraum sowie Seidenhaar, Frau Wasch und Klaps, Mondgesicht und den Pfannenmann sowie die böse Stief-/Großmutter (Jennifer Saunders at her BEST!) anzusehen.

Fran (re., Billie Gadsdon) zeigt ihren Geschwistern Beth (li., Delilah Bennett-Cardy) und Joe (mi., Phoenix Laroche) den verzauberten Wald // © Leonine Studios
Fran (re., Billie Gadsdon) zeigt ihren Geschwistern Beth (li., Delilah Bennett-Cardy) und Joe (mi., Phoenix Laroche) den verzauberten Wald // © Leonine Studios

Das Drehbuch tariert die Momente von kindisch über generationenübergreifend zu „wissend“ größtenteils gut aus (und die Dialoge sind weit weniger infantil als jene in WHISTLE). Die Bilder von Zac Nicholson sind zart zauberhaft, die Musik von Isabella Summers ist gemütlich genüsslich und der Wunsch nach Nähe und Verständnis nach dem Film unsagbar groß. (Vor allem, wenn du gerade aus dem Krankenhaus kommst (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).)

https://www.youtube.com/watch?v=LGw9NnBtc7E (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Ein feiner Film, dieser WUNDERWELTENBAUM, der sicherlich erneut geschaut wird – gern in größerer, persönlicherer Runde.

Übrigens hat cbj Kinderbuch 2024 die drei Bände Enid Blytons (übersetzt von Ute Mihr) sowie einen vierten an Blytons Geschichten angelehnten Band von Jacqueline Wilson (Ü: Ute Mihr) als ansprechend von Alica Räth illustrierte Reihe mit Sammelmotiv herausgegeben (ihr findet sie alle hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)). Ein Weihnachtsband Wilsons liegt ebenfalls vor. Die ausführliche Besprechung der Kinderbücher (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) folgt peu à peu. Oder: Eine Welt nach der anderen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

AS

DER WUNDERWELTENBAUM ist seit dem 30. April 2026 im Kino zu sehen.

„VOM KINDERNAZICAMP ZUM YOGA“

Und noch ein erstes Mal (für mich): Der erste Landkrimi meines Lebens! Dann noch direkt aus Niederösterreich! Aufgefallen ist mir der Film als Preview im Grunde aus zwei … uhm … Gründen: Erstens stand vor dem anziehenden Titel ACHT (Ein-Wort-Titel wirken immer so FRISCH (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) wie gutes FLEISCH) nicht Landkrimi (keine Ahnung, irgendwie verbinde ich damit Bergdoktor nur mit mehr Tod, doch scheint es eher Tatort/Polizeiruf 110 zu sein, again what learnt). Zweitens: Zu sehen waren der talentierte und geschätzte Thomas Prenn sowie Alma-Seidler- uns Albin-Skoda-Ring-Trägerin Regina Fritsch. Also klick und schau. Und, ja geh!

Patrick Brandl (Thomas Prenn) und Marion Geyer (Regina Fritsch) schauen genau auf die Situation // © ZDF/VRATNY
Patrick Brandl (Thomas Prenn) und Marion Geyer (Regina Fritsch) schauen genau auf die Situation // © ZDF/VRATNY

Nee, bleib. Der von Marie Kreutzer (Was wir wollten, Corsage, ihr neuer Film GENTLE MONSTER feiert morgen in Cannes Premiere!) geschriebene und inszenierte Film überrascht, überwältigt, schockiert, ist allzu real und fasziniert. Ist von Leena Koppe eindrücklich gefilmt, der Schnitt von Ulrike Kofler trifft ebenso wie die Musik von Mira Lu Kovacs und einzelne ausgewählte Songs von Cro zu Friedrich Hollaender. Ja, das geht sich sehr gut aus.

https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/cdb1f57c-e2cf-4b80-bba1-f24404390e76 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

In Langenlois in Niederösterreich wird der angesehene und beliebte Radiologe Dr. Harald Wolf (Stefan Pohl) vor seinem eigenen Haus durch einen einzigen Schuss in die Brust getötet. Wie sich herausstellt, ist die Tatwaffe eine historische Pistole, die aus der eigenen Waffensammlung des Opfers stammt und wenige Monate zuvor gestohlen wurde.

Es dauert nicht lange, bis die Ermittlerin Marion Geyer (Fritsch) aus dem Landeskriminalamt und ihr Kollege vor Ort, Patrick Brandl (Prenn), herausfinden, dass Wolf nicht nur Waffensammler und mit Ehefrau Sandra (Verena Altenberger!) und dem gemeinsamen Sohn Heinrich (Lilian Rosskopf) nicht nur „Oberhaupt“ einer scheinbar perfekte Familie war. Er war auch Sohn eines Neonazis und ein esoterischer Influencer, dessen Kontakte weit in die österreichische und deutsche einschlägige Szene reichen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

So heterogen diese auch ist, so unklar ist es, ob Wolf, sich dort nur Freunde gemacht hat...

Sandra Wolf (Verena Altenberger) nimmt einen Anruf entgegen, als plötzlich draußen ein Schuss fällt // © ZDF/FELIX VRATNY
Sandra Wolf (Verena Altenberger) nimmt einen Anruf entgegen, als plötzlich draußen ein Schuss fällt // © ZDF/FELIX VRATNY

Reichlich (wenn auch nicht ausreichend) lobende Worte habe ich schon oben gefunden. Lasst uns den Rest in zwei Zitaten abarbeiten und anschließend schaut ihr einfach den Film, von dem mensch möglichst wenig vorab weiß, denn die Finten, die hier geschlagen werden, hinterlassen mehr als nur zerbrochenes Porzellan. Dass die schauspielerischen Leistungen überragend sind, muss nicht betont werden. Upps. Ich jedenfalls bin mit diesem für mich ersten Landkrimi auf den Hund gekommen.

Patrick Brandl (Thomas Prenn) geht verschiedene Theorien zum Mordfall durch // © ZDF/FELIX VRATNY
Patrick Brandl (Thomas Prenn) geht verschiedene Theorien zum Mordfall durch // © ZDF/FELIX VRATNY

„Was hat man für Wahl in der Welt? Man muss immer positiv sein.“ - „Nein, muss man ned.“

„Sie wissen, dass sie einem Scheinsystem dienen.“ - „Nein, so genau weiß ich das nicht. Aber es is' mir wurscht, solange ich 14 Gehälter krieg.“

AS [mit Pressematerial des ZDF]

Marion Geyer (Regina Fritsch, l.) und Patrick Brandl (Thomas Prenn, r.) stellen Sandra Wolf (Verena Altenberger, M.) Fragen zu ihrem ermordeten Mann // © ZDF/FELIX VRATNY
Marion Geyer (Regina Fritsch, l.) und Patrick Brandl (Thomas Prenn, r.) stellen Sandra Wolf (Verena Altenberger, M.) Fragen zu ihrem ermordeten Mann // © ZDF/FELIX VRATNY

ACHT ist seit dem 13. Mai auf ZDF verfügbar (bis 19. Mai 2027) (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und wird linear am Mittwoch, 20. Mai 2026, 20:15 Uhr ausgestrahlt

VORSTADTWEIBER-VIBES

Kennts ihr die Weiber aus der Vorstadt? Falls nicht: In der ARD-Mediathek findet ihr derzeit die ersten zwei Staffeln (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), weitere Folgen folgen. Sehenswert!

"Mama ist die Best(i)e Teil I": Viktor Almeda sitzt mit einem Glas Whisky auf einer roten Couch. Im Hintergrund steht die wie ein Dienstmädchen in schwarz-weiß gekleidete Haushälterin Martha (Michou Friesz) und freut sich über die schlechte Stimmung im Raum. Gloria (Adele Neuhauser) hält ebenfalls ein Glas in Händen und ist mondän gekleidet. Sie steht ohne ihren Gatten anzublicken neben dem roten Sofa. Das Zimmer ist herrschaftlich eingerichtet.
Der arrogante Victor Almeda (Bernhard Schir) hasst seine Frau Gloria (Adele Neuhauser), will sich aber nicht scheiden lassen. Haushälterin Martha (Michou Friesz (Mitte) ist ihm trotzdem treu ergeben // © ZDF/Fabio Eppensteiner

Verantwortlich für die Drehbücher zeichnet(e) maßgeblich der Deutsch-Österreicher Uli Brée, der zudem die Tatort-Figur der Bibi Fellner erfand (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Diese wiederum wird gespielt von der einzigartigen Adele Neuhauser. Jedenfalls noch für kurze Zeit, sie und Harald Krassnitzer verlassen den Tatort aus Wien zum Ende des Jahres.

"Mama ist die Best(i)e Teil II": In Golfkleidung und mit einer Golfkappe über der Stirn stützt sich Bernadette (Elena Uhlig) auf der Schulter ihres sonnenbebrillten Mannes Tono (Roland Koch) ab. Tono schaut leidend. Im Hintergrund leuchtet das Grün eines weiten Golfplatzes.
Bernadette Pfeifer (Elena Uhlig) hat ihren charakterschwachen Mann Tono (Roland Koch) nicht nur fest im Griff, sie hat auch das Geld in der Hand // © ZDF/Fabio Eppensteiner

Wieso all diese Informationen? Nun, Brée und Neuhauser haben für einen wahrlich wunderbar garstigen Zweiteiler mit reichlich Schmäh und viel Spannung zusammengefunden: In MAMA IST DIE BEST(I)E wird die einstige Society-Lady Gloria Almeda (Neuhauser), nach einem zehnjährigen Gefängnisaufenthalt zum Racheengel – für ihre eigene Familie, die sie nach dem vermeintlichen Mord an ihrem Gatten im Stich gelassen hat.

„Sie waren mir nie sympathisch. Nur gemocht habe ich Sie immer.“

Sehr viel mehr muss mensch eigentlich nicht wissen, außer eventuell noch ein paar der weiteren Beteiligten die unter der Regie von Ute Wieland dem Tobis von dem Borne vor die Kameralinse geraten: Bernhard Schir (Spiegel seiner Vorstadtweiber-Rolle), Manuel Rubey, Stefanie Stappenbeck, Elena Uhlig, Andreas Lust, Fanny Krausz, Roland Koch, Aglaia Szyszkowitz, Annika Wonner, Edita Malovčić (Wolfsmord (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)), Lara Mandoki, Miriam Fussenegger, Michou Friesz, und, und, und...

"Mama ist die Best(i)e Teil I": Argwöhnisch beobachtend stehen Stella (Stefanie Stappenbeck), Leonie (Fanny Krausz) und ihr Bruder  Severin (Manuel Rubey) in einer Doppelflügeltür.
Was hat der nichtsnutzige Nachwuchs der Familie Almeda zu verbergen? Die eingeheiratete Stella (Stefanie Stappenbeck, li.) pflegt ein Verhältnis mit ihrer jungen Schwägerin Leonie, (Fanny Krausz), was von ihrem Mann Severin (Manuel Rubey) trotzig geduldet wird // © ZDF/Fabio Eppensteiner

Ein edles Ensemble also, dass sich in dieser Mischung aus Satire, Whodunit und Familien-Drama mit reichlich Schadenfreude durch die (Familien-)Welt lügt und betrügt, besticht und stichelt. Teils gar meuchelt. Diese mit viel Tempo, was bei der Dialoglast beinahe erstaunt. Laut Wieland wurde dabei immer auf Glaubwürdigkeit geachtet und das ist den zwei Teilen, die auf ZDF verfügbar sind und kommende Woche im TV ausgestrahlt werden, deutlich anzumerken.

„Du verwechselst das Vakuum in Dir mit menschlicher Größe.“

Den Rest der Rezension lassen wir Uli Brée mit Worten aus seinem Pressestatement gestalten. Unsere Empfehlung sollte klargeworden sein:

„Um eine solche Geschichte zu erzählen, braucht es ein starkes Ensemble, eine präzise Regie – und vor allem eine Schauspielerin wie Adele Neuhauser. Wenn ich für sie schreibe, habe ich oft das Gefühl, sie blickt mir beim Schreiben über die Schulter. Über die Jahre ist eine Zusammenarbeit entstanden, die sich fast wie Aufgabenteilung anfühlt: Ich liefere die Figur und sie erweckt sie zum Leben. Adele liebt die Herausforderung. Und ich liebe es, ihr genau diese Herausforderungen zu schreiben. Glorias Weg von der Oberfläche zur Tiefe, von Selbsttäuschung zu Einsicht, ist nicht nur dramatisch, sondern auch berührend – und, in den richtigen Momenten, überraschend komisch.

"Mama ist die Best(i)e Teil II": Kommissarin Regula Fritsch (Aglaia Szyszkowitz, li) hält Gloria einen Asservatenbeutel hin. Gloria steckt eine Pistole in den Beutel. Beide Frauen sind sehr unauffällig in Blusen gekleidet. Hinter ihnen sind der ungepflegte Garten der Almedas und Severins roter Sportwagen im Bild.
Kommissarin Regula Fritsch (Aglaia Szyszkowitz, li), gewinnt immer mehr den Eindruck, dass sie mit der Festnahme Gloria Almedas (Adele Neuhauser) vor 10 Jahren einen Fehler gemacht hat. Täuscht sie sich? // © ZDF/Fabio Eppensteiner

Dass sich diese Geschichte ausgerechnet in den Abgründen der Wiener Gesellschaft entfaltet, hat natürlich seinen ganz eigenen Reiz. Ein Terrain, auf dem ich mich – nicht zuletzt durch ‚Vorstadtweiber‘ – recht gut auskenne.

'Mama ist die Best(i)e' ist für mich weit mehr als ein Krimi oder ein klassisches 'Whodunit'. Es ist eine Geschichte über Familie, Schuld und Verantwortung. Über die Möglichkeit, sich zu verändern. Und über die leise Erkenntnis, dass Vergebung manchmal mehr Mut braucht als Rache. Und das alles versüßt mit einer großen Portion Humor.“

QR [mit Pressematerial]

Keyvisual für MAMA IST DIE BEST(I)E: Gloria Almeda (Adele Neuhauser) zeigt Adele Neuhauser auf Wiese vor der Villa und zehn Jahre später hinter Gittern
Keyvisual für MAMA IST DIE BEST(I)E: Gloria Almeda (Adele Neuhauser) // © ZDF/Mona Film/Flo Lackner/Fabio Eppensteiner

MAMA IST DIE BEST(I)E ist seit dem 10. Mai 2026 für ein Jahr auf ZDF verfügbar (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und wird linear am Montag, 18. Mai, 2026, 20:15 Uhr und 22:15 Uhr ausgestrahlt.

PS: Frisch fürs Home Entertainment gibt es seit kurzem Sam Raimis Survival-Schocker-Satire SEND HELP. Warum die nicht zu verpassen ist, lest ihr hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

IN EIGENER SACHE: Da unser reguläres Online-Magazin noch immer nicht wieder am Start ist, veröffentlichen wir vorerst hier. Mehr dazu lest ihr in unserem Instagram-Post (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder auf Facebook (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Außerdem freuen wir uns immer, wenn ihr uns einen Kaffee spendieren wollt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), durch unseren Merch stöbert (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder uns direkt via PayPal (Mail: info_at_thelittlequeerreview.de) unterstützen mögt.

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